Erneuerbare Energien haben in den letzten Jahren weltweit ein außergewöhnliches Wachstum verzeichnet. Ihre Leistungskapazität ist seit dem Jahr 2000 jedes Jahr um vier Prozent gewachsen und damit doppelt so stark wie der Energiebedarf.
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Ein aktueller Blick auf die erneuerbaren Energien zeigt Licht und Schatten.
Einerseits führen sinkende Kosten und entschlossene energiepolitische Maßnahmen dazu, dass Sonnenenergie und Windkraft weltweit immer stärker genutzt werden. Gerade die Sonnenenergie ist einer der wenigen Hoffnungsschimmer unter den sauberen Technologien, die fossile Brennstoffe auf der ganzen Welt allmählich ablösen.
Andererseits decken die Erneuerbaren nur einen Bruchteil des weltweiten Energiebedarfs. Im Stromsektor konkurrieren sie nach wie vor mit fossil befeuerten Kraftwerken, und in der Wärmeerzeugung und im Verkehrssektor, wo 80 Prozent der Energie verbraucht werden, spielen sie bisher nur eine untergeordnete Rolle.
Dabei ist ihr Potenzial enorm: Der Anteil von Biokraftstoffen im Verkehrssektor ist ebenso ausbaufähig wie der von Bioenergie, Solarthermie und Geothermie in der Wärmeerzeugung für die Beheizung von Gebäuden und die Industrie. Eine emissionsarme Wirtschaft wird nur mit einer stärkeren Elektrifizierung und einem höheren Anteil erneuerbarer Quellen an der Stromerzeugung möglich sein.
Um das Potenzial der erneuerbaren Energien voll auszuschöpfen, brauchen wir allerdings starke Vorgaben sowie Forschungsprojekte, Innovationen und Investitionen. Nur so können wir das Pariser Klimaschutzabkommen umsetzen und die Emissionen wie vereinbart verringern. Und nur so lassen sich die UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung erreichen, die erschwingliche und zuverlässige Energie für alle fordern.
Erneuerbare Energien: ein außergewöhnliches Wachstum
Beginnen wir mit den guten Nachrichten. Erneuerbare Energien haben in den letzten Jahren weltweit ein außergewöhnliches Wachstum verzeichnet. Ihre Leistungskapazität[1] ist seit dem Jahr 2000 jedes Jahr um vier Prozent gewachsen und damit doppelt so stark wie der Energiebedarf.
Auch die Offshore-Windenergie[2] hat große Fortschritte gemacht. Ihr Anteil legte 2017 um 23 Prozent zu, vor allem in China, Deutschland und im Vereinigten Königreich. Die Leistung neu entstandener Onshore-Windenergieanlagen[3] erreichte in der Europäischen Union mit 11,5 Gigawatt einen Rekordwert und nahm auch weltweit weiter zu, zumal 2017 ein sehr windreiches Jahr war.
Die wichtigste erneuerbare Energiequelle ist nach wie vor die Wasserkraft. Ihr Beitrag zur Energieerzeugung wuchs 2017 mit geschätzt zwei Prozent allerdings schwächer als in früheren Jahren. Auch der Ausbau der Bioenergie und der Geothermie verlief schleppend, da sich die Investitionen vor allem auf zuverlässigere und rentablere Energiequellen konzentrierten.
Einer der Gründe für das rasante Wachstum der Wind- und Sonnenenergie ist der beeindruckende Kostenrückgang. So sind die Kosten für große Solarstromanlagen im Versorgermaßstab seit 2010 um 70 Prozent gesunken – unter anderem dank technischer Neuerungen (z. B. effizientere Fotovoltaikanlagen und größere Windturbinen), aber auch durch die zunehmende Zahl der Ausschreibungen.
Immer mehr Länder vergeben neue Kapazitäten über Ausschreibungen am Markt, weil dies bessere Preise und eine Kontrolle des Leistungsvolumens ermöglicht. 2017 wurden auf diese Weise in 20 Ländern fast 24 Gigawatt an Erneuerbare-Energien-Kapazitäten vergeben. Mehr als 95 Prozent davon entfielen auf Sonnen- und Windenergie.
Da Investitionen in erneuerbare Energiequellen meist in die Sonnen- und Windenergie fließen, wird der Beitrag dieser Technologien zur Energieerzeugung insgesamt zunehmen. (Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, dass die Erzeugungsleistung von Wind- und Sonnenenergie anders als bei fossilen Kraftwerken je nach Tageszeit und Wetter schwankt).
Neue Herausforderungen
Im Jahr 2022 wird Dänemark voraussichtlich den höchsten regenerativen Energieanteil aller Länder haben: Fast 70 Prozent seines Stroms erzeugt das Land dann aus fluktuierenden erneuerbaren Energien,[4] d. h. aus Sonnen- und Windenergie. In einigen anderen europäischen Ländern (Irland, Deutschland und das Vereinigte Königreich) werden Wind- und Sonnenenergie insgesamt mehr als 25 Prozent am Energiemix ausmachen. In China, Indien und Brasilien dürfte sich der Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien in nur fünf Jahren auf mehr als zehn Prozent verdoppeln.
Noch ein weiter Weg
Nun zu den schlechten Nachrichten: Einige erneuerbare Energien führen immer noch ein Schattendasein und werden in der öffentlichen Diskussion oft vernachlässigt. Im Wärme- und Verkehrssektor etwa spielen erneuerbare Energiequellen nur eine untergeordnete Rolle. Sie deckten 2017 nur zehn Prozent des Wärmebedarfs von Gebäuden und der Industrie (ohne die traditionelle Nutzung von Biomasse) und drei Prozent des Bedarfs im Verkehrssektor. Die Analyse der Internationalen Energie-Agentur zum Fortschritt bei der Umstellung auf saubere Energie (Tracking Clean Energy Progress) liefert einen guten Überblick über die aktuelle Situation (2018). Sie zeigt, dass die Segmente Verkehr, Kühlung und Heizung die langfristigen Ziele Klimastabilisierung, universeller Energiezugang und Reduzierung der Luftverschmutzung nach derzeitigem Stand nicht erreichen.
Weitere Maßnahmen erforderlich
Obwohl wir bei den erneuerbaren Energien bereits Fortschritte erzielt haben, müssen wir mehr tun, wenn wir einen universellen Zugang zu Energie ermöglichen, den Klimawandel eindämmen, die Luftverschmutzung verringern und die Energiesicherheit erhöhen wollen. Wie diese Ziele erreicht werden können, zeigt das Modellszenario für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Scenario) der Internationalen Energie-Agentur.
Der nachfolgende Text gibt die Ansicht der Autoren wieder, die nicht unbedingt der Sichtweise der Europäischen Investitionsbank entspricht.
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© Europäische Investitionsbank 2018
Fotos: © Getty Images, © Vestas Wind Systems A.S., © Peter OTTO - CG Eyedream. Alle Rechte vorbehalten.
Fußnoten
[1] Kapazität bezeichnet die Energiemenge, die in einer Batterie gespeichert werden kann.
[2] Offshore-Windkraft oder Offshore-Windenergie bezeichnet die Erzeugung von Strom aus Windenergie durch Windparks, die normalerweise im Meer oder auf dem Festlandsockel errichtet werden.
[3] Onshore-Windkraftwerke werden an Land errichtet.
[4] Fluktuierende erneuerbare Energien sind nicht planbare erneuerbare Energien, deren Angebot schwankt (z. B. Wind- oder Sonnenenergie). Sie unterscheiden sich von regelbaren erneuerbaren Energiequellen wie Wasserkraft oder Biomasse oder relativ konstanten Quellen wie Geothermie oder Energie aus Laufwasserkraftwerken.
[5] Ein Stromnetz ist ein zusammenhängendes Netz, über das Elektrizität von den Erzeugern zu den Verbrauchern gelangt. Es besteht aus:
- Stromerzeugungsanlagen, die elektrische Energie erzeugen,
- Hochspannungsübertragungsleitungen, die den Strom über weite Entfernungen zum Ort der Nachfrage transportieren,
- Verteilungsleitungen zur Anbindung der einzelnen Verbraucher.