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Was mit dem Aralsee passiert, gehört zu den größten menschengemachten Umweltkatastrophen unserer Zeit. Mehr als 33 Millionen Menschen sind unmittelbar von den verheeren ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen in der Region betroffen. Die Lage ist ernst, aber noch sind die Schäden nicht irreparabel. Deshalb hat die Europäische Investitionsbank (EIB) gemeinsam mit anderen EU-Institutionen, internationalen Finanzinstitutionen und der usbekischen Regierung ein Maßnahmenpaket geschnürt, um den Aralsee zu retten.

Der einstige See ist nur noch ein Teich
Das Desaster am Aralsee begann in den 1960er-Jahren. Damals legte die Sowjetunion ein riesiges Bewässerungssystem an, um in der Region intensive Landwirtschaft zu betreiben. Nach und nach veralteten die Anlagen und wurden sanierungsbedürftig. Mit fatalen Folgen: Sekundäre Bodenversalzung und Staunässe verwandelten das Land in eine Wüste und machten es nutzlos.

Daraufhin versuchten die sowjetischen Behörden, durch Auswaschen und Oberflächenbewässerung den Salzgehalt im Boden zu verringern, was weitere langfristige Schäden anrichtete. Für diese zwecklosen Bewässerungs- und Entsalzungsversuche wurden enorme Wassermengen aus dem Amudarja, einem wichtigen Zufluss des Aralsees, umgeleitet.

Dadurch schrumpfte das einst mächtige Binnenmeer. Heute ist der ehemals viertgrößte See der Welt fast ausgetrocknet, was Zentralasien vor enorme ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme stellt. Für einige Regionen wie die Republik Karakalpakstan in Usbekistan geht es beim Erhalt des Aralsees inzwischen um das nackte Überleben.

Gemeinsam für die Rettung des Aralsees

EIB-Vizepräsidentin Lilyana Pavlova: „Als Klimabank der EU hat sich die Europäische Investitionsbank den internationalen Bemühungen zur Rettung des Aralsees angeschlossen. Wir prüfen und finanzieren seit Jahrzehnten Umweltprojekte in mehr als 150 Ländern – auf dieser Erfahrung können wir hier aufbauen. Die EIB arbeitet derzeit an einem umfassenden Maßnahmenpaket, das die negativen Auswirkungen jahrzehntelanger Fehlbewässerung mindern und es Usbekistan ermöglichen soll, die Umwelt und Wirtschaft im Aralseebecken nach und nach wieder in den Griff zu bekommen.“

Konkret prüft die Bank ein Investitionsprogramm von 100 Millionen Euro, um die Hauptursachen der Umweltkatastrophe anzugehen. Damit die Rettungsmaßnahmen möglichst wirksam greifen, arbeitet die EIB eng mit Partnern in Usbekistan zusammen.

„Für die Bank ist der Aralsee mehr als ein normales Umweltprojekt. Diese Investition hat globale Bedeutung und kommt der ganzen Welt zugute“, so Vizepräsidentin Pavlova.

Das Programm wird auch mit den europäischen Institutionen abgestimmt, darunter die Europäische Kommission, der Europäische Auswärtige Dienst und die EU-Delegation in Usbekistan. Zudem steht die Bank mit anderen internationalen Finanzinstitutionen wie der Weltbank im Dialog. Ziel ist, die Partnerschaft weiter auszubauen und wirklich nachhaltige Schritte einzuleiten, die im Interesse der Menschen, der Umwelt und der Wirtschaft in Usbekistan, Zentralasien und der ganzen Welt sind.

Die Maßnahmen unterstützen Usbekistan bei seinen Bemühungen, den Aralsee vor dem Austrocknen zu bewahren. 2017 startete das Land eine Initiative für einen Multi-Partner-Treuhandfonds der Vereinten Nationen für die Sicherheit der Menschen am Aralsee. Zudem ist geplant, rund zwei Millionen Hektar Acker- und Waldflächen neu zu bepflanzen und Wüstengebiete zurückzugewinnen.

Die größten Probleme angehen

Die Bank der EU prüft derzeit, wie die marode Be- und Entwässerungsinfrastruktur saniert und modernisiert werden kann. So sollen immerhin 20 bis 25 Prozent Wasser eingespart werden. Dadurch würde künftig weniger Wasser aus dem Amudarja entnommen und mehr im Aralsee ankommen.

„Wir prüfen auch, wie wir helfen können, degradierte und brachliegende Flächen wieder nutzbar zu machen und mit Agroforstwirtschaft für eine natürliche Entwässerung zu sorgen. Damit lässt sich nicht nur Wasser sparen, sondern auch mehr Kohlenstoff binden. Außerdem wollen wir gewährleisten, dass jedes künftige Projekt zum UN-Nachhaltigkeitsziel 15 für den Schutz des Lebens an Land und zu den UNCCD-Zielen zur Bekämpfung der Bodendegradation beiträgt“, erklärte Vizepräsidentin Pavlova.

Das Projekt soll auch die Voraussetzungen für eine nachhaltige und umweltverträgliche Landwirtschaft schaffen. Das könnte in den kommenden Jahren ähnliche Klima- und Umweltmaßnahmen im Einzugsgebiet des Amudarja anstoßen.

Zugleich ist das Projekt möglicherweise der Beginn einer dauerhaften, konstruktiven Partnerschaft zwischen der EU und Usbekistan, die beiden Seiten, aber auch der ganzen Welt zugutekommen würde. „Wenn wir den Aralsee retten wollen, dann müssen jetzt alle mit anpacken. Auch die internationale Gemeinschaft, die fachliche und finanzielle Hilfe leisten kann. Wenn wir das schaffen, können wir die furchtbaren Fehler der Vergangenheit ausbügeln und unseren Kindern eine bessere Welt hinterlassen“, schloss Lilyana Pavlova.