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  • Landwirte sowie Agrar- und Lebensmittelunternehmen haben einen hohen Finanzbedarf, auch vor dem Hintergrund der Covid-19-Krise
  • Finanzierungen aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) tragen maßgeblich dazu bei, diesen Bedarf zu decken

Basierend auf den Rückmeldungen von 7 600 Landwirtinnen und Landwirten und 2 200 Agrar- und Lebensmittelunternehmen aus der gesamten EU veranschaulichen die 24 fi-compass-Länderberichte, mit welchen Schwierigkeiten diese beiden Gruppen bei der Kapitalbeschaffung konfrontiert werden. In den Berichten werden die Finanzierungslücken in der Landwirtschaft der EU auf 19,8 bis 46,6 Milliarden Euro und im Agrar- und Lebensmittelsektor auf über 12,8 Milliarden Euro veranschlagt. Diese Lücken dürften sich durch die aktuelle Krise noch weiter vertiefen.

Die Länderberichte zeigen auch, dass landwirtschaftliche Betriebe in den meisten europäischen Ländern höhere Zinsen und schlechtere Konditionen akzeptieren müssen als Akteure in anderen Wirtschaftssektoren. Zudem wurde festgestellt, dass die Kredit- und Rückzahlungsbedingungen – unabhängig von der Leistung des Sektors – nicht flexibel genug sind. Diese Flexibilität ist für Landwirte jedoch besonders wichtig.

Janusz Wojciechowski EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung: „Der Übergang zu nachhaltigen Lebensmittelsystemen wird Landwirten und Akteuren in der gesamten Versorgungskette neue Chancen eröffnen. Doch hierzu benötigen sie Finanzierungen. Ich begrüße daher die Veröffentlichung der 24 fi-compass-Länderberichte. Sie werden nationalen Behörden dabei helfen, Landwirten und ländlichen Unternehmen den Zugang zu Finanzierungen zu erleichtern. Die Coronakrise dürfte den Finanzbedarf der Landwirtschaft und des Agrar- und Lebensmittelsektors europaweit erhöhen. Verbesserungen in diesem Bereich sind daher dringender denn je.“

EIB-Vizepräsident Andrew McDowell:„ Die aus dem ELER kofinanzierten Instrumente ermöglichen es, nachhaltig und effizient in das Wachstum und die Entwicklung von landwirtschaftlichen Betrieben (vor allem junger Landwirte) sowie von Agrar- und Lebensmittelunternehmen zu investieren. So können die Ernährungssicherheit und die Umsetzung der Umwelt- und Klimaziele der EU gewährleistet werden. Ich bin besonders stolz darauf, mitteilen zu können, dass die GD AGRI und die Beratungsdienste der EIB im Rahmen von fi-compass gemeinsam 24 Länderberichte veröffentlicht haben. Sie enthalten umfassende Informationen, die es den Verwaltungsbehörden ermöglichen werden, den Einsatz von ELER-Finanzinstrumenten in den GAP-Strategieplänen für den Zeitraum 2021–2027 zu optimieren.“

fi-compass (eine gemeinsame Initiative der Kommission und der Europäischen Investitionsbank im Rahmen der Europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESIF) analysierte das finanzielle Umfeld, in dem landwirtschaftliche Betriebe und weiterverarbeitende Akteure in den einzelnen Ländern tätig sind. Im Fokus der Analyse standen die Bankensysteme, die wichtigsten Finanzakteure in den beiden Sektoren und das Angebot an Darlehen, Garantien und nationalen und/oder europäischen Finanzierungen. Die Berichte liefern auch für jedes Land Schlussfolgerungen darüber, wie vorhandene Finanzierungsinstrumente verbessert und neue Instrumente konzipiert werden könnten. Sie zeigen zudem Schwächen auf, die aus dem geringen Finanzwissen der Landwirte und der mangelnden Branchenkenntnis der Banken resultieren.

Im Gegensatz zu Großbetrieben finden kleine landwirtschaftliche Betriebe, vor allem Junglandwirte und neue Markteinsteiger, nur selten Zugang zu geeigneten Finanzierungen. Häufig fehlt es ihnen an Vermögenswerten, die als Sicherheiten eingesetzt werden könnten, und an den erforderlichen Kenntnissen zur Erstellung von Geschäftsplänen.

Die Analyse zeigt, dass der Agrar- und Lebensmittelsektor im Vergleich zur Landwirtschaft aufgrund des vielfältigeren Finanzierungsangebots besser aufgestellt ist. In diesem Sektor stehen mehr Finanzierungsinstrumente zur Verfügung, wenngleich beim Angebot und bei der Abdeckung noch Verbesserungen nötig sind. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass Start-up- und innovative Unternehmen in diesem Sektor die größten Schwierigkeiten haben, sich das für den Aufbau oder die Expansion ihres Geschäfts benötigte Kapital zu beschaffen.

Im Rahmen der nächsten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im Zeitraum 2021–2027 könnten Finanzinstrumente, die ELER-Mittel einsetzen, zur Finanzierung von Betriebskapital, Investitionen und Kapitalnachlässen verwendet werden und Kombinationen mit Zuschüssen und Zinsvergütungen ermöglichen.