Heute erlebt die Europäische Union eine dritte industrielle Revolution. Angetrieben wird sie durch die allmähliche Verschmelzung von drei Technologien: einem digitalen Internet für die Kommunikation, einem digitalen Internet für erneuerbare Energien und einem digitalen Internet für die automatisierte Mobilität.
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Das Bruttoinlandsprodukt wächst langsamer, die Produktivität geht seit über einem Jahrzehnt zurück. Gleichzeitig bleibt die Arbeitslosigkeit weltweit ein drängendes gesellschaftliches Problem. Doch es bildet sich ein neues Paradigma heraus, das die Organisation unseres Wirtschaftslebens radikal verändern wird.
Die Europäische Union schlägt mit ihrer „Smart Europe“-Initiative einen mutigen neuen Kurs ein. Ihr Ziel: eine intelligente, grüne Digitalwirtschaft des 21. Jahrhunderts. Aber um zu verstehen, welche Veränderungen da vor sich gehen, müssen wir uns klarmachen, welche Rolle der technische Fortschritt spielen wird. Alle großen Paradigmenwechsel in der Wirtschaft haben drei Dinge gemein: neue Kommunikationsmöglichkeiten, neue Energiequellen und neue Mobilitätsformen.
Es gibt aber auch Risiken. Was ist mit der Netzneutralität? Wie stellen wir sicher, dass alle gleichermaßen Zugang zu diesem neuen Internet der Dinge haben, dem Nervensystem der dritten industriellen Revolution? Wie sorgen wir dafür, dass Regierungen das Netz nicht für politische Zwecke einspannen? Wie verhindern wir, dass riesige Monopolisten die Daten für ihre eigenen Zwecke nutzen? Wie schützen wir die Privatsphäre, wenn alle im Netz sind? Wie schaffen wir Datensicherheit in einer vernetzten Welt? Wie wehren wir Cyberkriminelle und Cyberterroristen ab, die das System angreifen und Wirtschaft und Gesellschaft lahmlegen können? Dieses DarkNet ist genauso beindruckend wie die Möglichkeiten des BrightNet. Die nächsten drei Generationen werden in einer neuen politischen Bewegung dafür kämpfen müssen, dass das Darknet nicht triumphiert, dass wir ein dezentrales Internet haben und dass wir eine große Gründerwelle für Sozialunternehmen erleben.
Sonne, Speicher und Sensoren
Ein „Smart Europe“ benötigt eine veränderte Infrastruktur. Europa muss sein Kommunikationsnetz aufrüsten, damit wir überall den Breitbandstandard der fünften Generation und kostenloses WLAN haben. Die Energieinfrastruktur muss umgebaut werden – weg von fossilen Brennstoffen und Atomkraft hin zu Solar-, Wind- und anderen erneuerbaren Energien. Millionen Gebäude müssen in Mikrokraftwerke verwandelt und entsprechend nachgerüstet werden. Speichertechnologien müssen in jede Ebene der Energieinfrastruktur integriert werden. Aus dem Stromnetz muss ein intelligentes digitales Energie-Internet werden, in das Millionen grüner Mikrokraftwerke ihren Strom einspeisen können. Der Verkehrs- und Logistiksektor muss durchgehend digitalisiert werden. Wir brauchen Millionen Ladestationen und Tausende Wasserstofftankstellen für Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeuge. Intelligente Straßen mit Millionen Sensoren müssen Daten zum Verkehrsfluss und Gütertransport liefern.
Dies schafft Arbeit in ganz Europa – für Geringqualifizierte, Fachkräfte und Wissensarbeiter. Sie werden die drei Internets und das Internet der Dinge als digitale Plattform einer neuen Wirtschaft aufbauen und betreiben. Zig Millionen Wohn-, Büro- und Industriegebäude in Europa müssen über die kommenden Jahrzehnte nachgerüstet und in dezentrale Datenknoten, Mikrokraftwerke und Ladestationen für Elektrofahrzeuge verwandelt werden. Dieser gewaltige Umbau wird Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen. Gleichzeitig fallen Millionen Stellen weg – in der Technik und Fertigung, bei Stromversorgern, in der Transport- und Logistikbranche, im Informations- und Kommunikationssektor, im Bau- und Immobilienwesen, im Handel und in der Landwirtschaft. Viele Beschäftigte werden Umschulungen benötigen, und die jungen Menschen, die erst noch in den Arbeitsmarkt kommen, müssen die passenden Fähigkeiten erlernen – nur so können sie die Geschäftschancen nutzen und die neuen Berufe besetzen, die mit der Infrastruktur des Internets der Dinge entstehen.
Mehr Macht den Menschen
Bislang haben drei Regionen einen Fahrplan für eine integrierte dritte industrielle Revolution erarbeitet und begleitende Initiativen für den Umbau ihrer Wirtschaft entwickelt: die Region Hauts-de-France, die Metropolregion Rotterdam und Den Haag sowie das Großherzogtum Luxemburg. Diese Vorreiter zeigen uns, wie wir uns den Paradigmenwechsel zu einem intelligenten Europa zunutze machen und seine Herausforderungen bewältigen können.
Der nachfolgende Text gibt die Ansicht der Autoren wieder, die nicht unbedingt der Sichtweise der Europäischen Investitionsbank entspricht.
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