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    Von Greg Clark, Tim Moonen und Jake Nunley

    Der nachfolgende Text gibt die Ansicht der Autoren wieder, die nicht unbedingt der Sichtweise der Europäischen Investitionsbank entspricht. 


    >> Sie können den Essay hier herunterladen


    Wien

    Wien, historische Hauptstadt und größter Ballungsraum Österreichs, wird immer wieder als eine der leistungsstärksten mittelgroßen Städte der Welt bezeichnet. Seine wirtschaftlichen Einrichtungen und kulturelle Vielfalt, sein Investitionspotenzial und das attraktive Lebensumfeld sichern Wien einen Platz unter den bedeutendsten und dynamischsten Städten Europas.

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt Wien als eines der wichtigsten Kultur- und Geschäftszentren der Welt. Der Krieg und die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung beschädigten das Selbstverständnis der Stadt in der Nachkriegszeit jedoch nachhaltig. Zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Fall der Berliner Mauer ließen politische Instabilitäten den internationalen Status Wiens schwinden, und viele führende Intellektuelle und Geschäftsleute emigrierten. Zuletzt spielte die Stadt in der aufblühenden Nachkriegswirtschaft Westeuropas nur noch eine untergeordnete Rolle. [1]

    In den 1970er-Jahren markierte die Eröffnung des UN-Hauptsitzes in Wien einen Wendepunkt für die Stadt. Der Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 und der Beitritt Österreichs zur EU im Jahr 1995 leiteten eine dynamische Entwicklung in den letzten beiden Jahrzehnten ein. Wien etablierte sich als mittel- und osteuropäische Weltstadt von herausragender Bedeutung. Die Erleichterung der Freizügigkeit für Arbeitnehmer in den 1990er-Jahren machte Wien zum Tor für den Osten des Kontinents. [2] Beeinträchtigt wurde der Einfluss Wiens in den vergangenen 20 Jahren jedoch durch nationale politische Anfeindungen und unstimmige Finanzierungspartnerschaften mit angrenzenden osteuropäischen Staaten. Regionale grenzüberschreitende gemeinsame Investitionen wurden durch die unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen in Nachbarländern und durch Spannungen in den zwischenstaatlichen Beziehungen gebremst.

    Vor diesem Hintergrund beruhte der Wachstumskurs Wiens in den letzten 25 Jahren hauptsächlich auf umfassenden Investitionen in Infrastruktur, Verkehr und sozialen Wohnungsbau. Seit 2008 wurden alle vier großen Bahnhöfe Wiens umgestaltet, modernisiert und ausgebaut. Zudem wurden Direktverbindungen zum Flughafen eingerichtet. [3] Die Kapazität des Wiener Flughafens wurde erheblich aufgestockt, um der gestiegenen Nachfrage aus West und Ost gerecht zu werden. Die Erweiterung von Bahnstrecken ins Wiener Umland, einschließlich St. Pölten, Loosdorf, Ybbs, Amstetten und Linz, sorgen für eine stärkere Integration der Stadtregion. Auch die Anbindung an das gesamtösterreichische Netz und an die mitteleuropäischen Netze wird verbessert, damit Wien eine führende Rolle spielen kann.

    Gleichzeitig hat sich Wien ein besonderes System für bezahlbares Wohnen bewahrt, mit fortlaufenden Bestandsmodernisierungen und umfassenden Erneuerungsmaßnahmen. Darüber hinaus hat die Stadt ihre Wirtschaft erfolgreich auf Wissenschaft, Innovation und Technologie ausgerichtet. Wien hat sich eine internationale Reputation für seine Laborforschung im Bereich Life Sciences erarbeitet und die Zahl der internationalen Studierenden und Fakultäten an seinen Universitäten durch Investitionen in den Flächen und Kapazitätsausbau erhöht. [4]

    Seit dem Jahr 2000 ist die Einwohnerzahl Wiens um 250 000 gewachsen. Sie soll sich Prognosen zufolge in den nächsten 10 bis 15 Jahren auf über zwei Millionen erhöhen. [5] Mit mehr als 200 regionalen Hauptniederlassungen baut Wien derzeit seinen Einzelhandels-, Tourismus-, Finanz- und Rechtssektor aus. Auch als Standort für Start-up-Unternehmen hat die Stadt beachtliche Fortschritte erzielt. Darüber hinaus zählt Wien beim Forschungsoutput, bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen und bei Beschäftigten in Forschung und Entwicklung zu den führenden Regionen Europas. [6] Zuletzt verdeutlichten auch finanzielle und organisatorische Entscheidungen, dass die Innovation auf der Agenda nach oben rückt.

    Heute genießt Wien in verschiedenen Sektoren ein hohes Ansehen. Das öffentliche Nahverkehrsnetz Wiens gilt in puncto Netzdichte, Zahl der Haltestellen, Servicequalität und Bezahlbarkeit als eines der besten der Welt. Um seinen ungewöhnlich erschwinglichen Wohnraum wird Wien von anderen europäischen Städten beneidet, ebenso wie um seine Fähigkeit, die Ziele ehrgeiziger Umweltschutzprogramme konsequent zu erfüllen und die Vision einer Smart City effektiv umzusetzen. [7]

    ©ventdusud/Shutterstock

    London

    Europas größte Metropolregion hat sich in den letzten 50 Jahren tief greifend verändert. Aus einer von Einwohnerschwund und schlechter Verwaltung gekennzeichneten nationalen Hauptstadt ist eine vielfältige Weltstadt geworden, mit einer hervorragenden Verwaltung integrierter Systeme.

    In den 1970er-Jahren bekam London die Folgen der Deindustrialisierung unmittelbar zu spüren, als die wichtigsten Häfen der Stadt flussabwärts verlegt wurden. Mit dem Niedergang des Produktionssektors der Stadt verloren Tausende ihren Arbeitsplatz. Eine Massenabwanderung folgte. Bis 1981 hatten über zwei Millionen Einwohner der Hauptstadt den Rücken gekehrt. Da dem Wachstum durch den Londoner Grüngürtel Grenzen gesetzt waren, dehnte sich die Entwicklung sprunghaft in Orte weit jenseits der Stadtgrenzen aus. In den 1970er-Jahren wurden zudem zahlreiche große Sozialwohnungsblocks gebaut, die später für Unzufriedenheit, Armut und Kriminalität standen. Das führte in den 1980er-Jahren zu Gewaltausbrüchen und Krawallen. [8]

    1985 war die Einwohnerzahl Londons auf den tiefsten Stand seit 100 Jahren gesunken. 1986 wurde die Verwaltungsbehörde der Stadt aufgelöst, sodass London keine zentrale Verwaltung mehr besaß. Die Zentralregierung erkannte den dringenden Handlungsbedarf und gründete eine neue Stadtentwicklungsgesellschaft, die auf Industriebrachen Wachstum fördern sollte. Vor diesem Hintergrund wurde London zum Paradebeispiel für die postindustrielle Entwicklung.

    Zur gleichen Zeit ereignete sich die „Big Bang“-Deregulierung der Finanzmärkte. Dies gab London die Möglichkeit, seine strategische Lage in der europäischen und afrikanischen Zeitzone und seine Nähe zu den europäischen Märkten zu nutzen. London etablierte sich rasch als einer der drei weltweit führenden Finanzplätze. Bis Ende der 1980er-Jahre hatte sich der Einwohnerrückgang stabilisiert. Auch die Wirtschaft begann wieder zu wachsen, da durch die allmähliche Verbesserung von Schulen, Sicherheit und öffentlichem Raum wieder gute Arbeitskräfte in die Stadt gelockt wurden. Die Verwaltungsorganisation war jedoch noch immer ein drängendes Problem. Immer deutlicher zeigte sich, dass die städtische Infrastruktur dem Status der Stadt als neuer globaler Finanzplatz in Größe und Qualität nicht gerecht werden konnte.

    Daher wurde die Infrastruktur in den folgenden Jahrzehnten weit oben auf die Agenda gesetzt. In den 1990er-Jahren ging es bei Großprojekten hauptsächlich um eine bessere städtische Verkehrsinfrastruktur. Es entstanden neue Stadtbahnstrecken (wie die Docklands Light Railway), und die Flughäfen der Stadt wurden ausgebaut und erweitert. Gegen Ende der 1990er-Jahre wurden auch Hochgeschwindigkeitsbahnstrecken wie der Heathrow Express und der Channel Tunnel Rail Link gebaut. Diese Verbindungen sollten die Vernetzung und Anbindung der Stadt verbessern, insbesondere an westeuropäische Metropolen wie Brüssel und Paris.

    In den vergangenen Jahren wurde die Infrastruktur erneut ausgebaut. Wegen der hohen Kosten zog man innovative Finanzierungsmechanismen heran. So wird Crossrail, das größte Bauprojekt in der Geschichte Europas, aus einem Mix aus Grundsteuern („business rates“), Entwicklerbeiträgen und prognostizierten künftigen Einnahmen finanziert. Das Ausmaß der Verkehrsverbesserungen machte es notwendig, die Verkehrsinfrastruktur durch weitere wichtige Einrichtungen zu ergänzen. Dabei lag der Schwerpunkt in den letzten Jahren wieder auf Sozialwohnungen und erschwinglichem Wohnraum. Außerdem soll ein neuer Mega-Abwassertunnel die Wasseraufbereitung in der Stadt verbessern.

    In den letzten zehn Jahren ist die britische Regierung dazu übergegangen, sich den Wachstumsproblemen der Weltstadt London zu stellen, anstatt kurzerhand die Erfolgsformel zu ändern. [9] So hat die Zentralregierung die Stadt London vor allem als internationale Metropole gefördert und versucht, das damit einhergehende Wachstum durch eine Verbesserung der öffentlichen Dienste, der sozialen Teilhabe und der Lebensqualität zu bewältigen. Erheblich unterstützt wurden diese Bemühungen von der Verwaltungsbehörde für den Großraum London, deren Befugnisse seit ihrer Gründung im Jahr 2000 schrittweise erweitert wurden. 

    2015 lag die Einwohnerzahl Londons bei 8,6 Millionen, dem höchsten Stand seit 1939, und jährlich kommen 100 000 Menschen hinzu. Ungeachtet der Unsicherheiten rund um den Brexit behauptet London seine Position als weltweit führender Investitionsstandort und weist mehr internationale Einzelhandelsunternehmen und sehr vermögende Privatpersonen auf als jede andere Stadt der Welt. Auch im Hinblick auf Lebensqualität, Infrastruktur und Anbindung belegt London unter Großstädten regelmäßig einen Spitzenplatz.

    ©TTstudio/Shutterstock

    Warschau

    Die Metropolregion Warschau ist heute mit drei Millionen Einwohnern die neuntgrößte Stadt der EU. Um diesen Status zu erreichen, hat die Stadt in den letzten 50 Jahren weitreichende wirtschaftsstrukturelle Änderungen vollzogen.

    Als Warschau in den 1990er-Jahren zur Marktwirtschaft zurückkehrte, wies die Stadt einige Besonderheiten auf, bedingt durch ihre sozialistische Vergangenheit. Hierzu zählten die allgegenwärtigen Plattenbauten, ein deutlicher Mangel an Einfamilienhäusern, zahlreiche Leerräume, sehr komplexe Eigentumsverhältnisse mit Hunderten von Vorbesitzern, die vom neuen Staat die Rückgabe verlangten, und nahezu keine rechtlichen oder regulatorischen Instrumente zur Vermeidung von Zersiedelung. [10]

    Dies führte zu einem Kreislauf der ungeplanten Entwicklung, Zersiedelung und Ausbreitung von Vororten mit geringer baulicher Dichte, insbesondere nachdem das vorherige Planungsamt durch Privatunternehmen ohne Planungserfahrung ersetzt worden war.

    In den letzten rund 20 Jahren hat die Wirtschaft Warschaus jedoch einen kräftigen Aufschwung genommen. Diese Erholung ist hauptsächlich auf einen Zyklus von Infrastrukturinvestitionen zurückzuführen, die den Metropolcharakter betonten und ein Pkw-abhängiges Wachstumsmodell vermieden. Wichtige Impulse gingen auch vom Beitritt Polens zur EU im Jahr 2004 aus, der den freien Zustrom von europäischen Arbeitskräften und europäischem Kapital in die Stadt erleichterte.

    Zu den Schlüsselmaßnahmen zählten Investitionen in den Bau und die Modernisierung von Kläranlagen und Schienenwegen, in die Anschaffung von neuen, modernen Fahrzeugen für das U-Bahn-Netz der Stadt und in den Bau der Warschauer Ringautobahn zur Verkehrsentlastung und Anbindung an europäische Metropolen wie Helsinki, Berlin und Danzig. [11] Die EIB hatte wesentlichen Anteil daran, dass diese Projekte möglich wurden. Seit die EIB im Jahr 1994 in Polen tätig wurde, flossen über 40 Prozent der Darlehen in den Verkehr. Als weitere Investitionsschwerpunkte kamen später das Gesundheits- und Sozialwesen und der Bildungssektor Warschaus hinzu. [12]

    Heute ist Warschau als Weltstadt, internationales Touristenziel und bedeutendes kulturelles, politisches und wirtschaftliches Zentrum anerkannt. 2019 wird das BIP der Stadt voraussichtlich 50 Prozent höher liegen als 2008. Damit wäre Warschau neben Berlin die wohlhabendste Hauptstadt Mittel- und Osteuropas. [13] Zudem erlebt Warschau derzeit eine Welle neuer Gewerbeentwicklungen und beherbergt einige der besten medizinischen Einrichtungen im östlichen Mitteleuropa, darunter eins der größten und modernsten onkologischen Zentren Europas. [14] Die unmittelbar bevorstehende Erweiterung der zweiten U-Bahn-Linie der Stadt eröffnet erhebliche Möglichkeiten für die Wohnraumentwicklung. Darüber hinaus haben Universitäten und andere kulturelle Ankereinrichtungen mehrere Verdichtungsvorhaben wie das neue Powisle-Projekt angestoßen, die das Straßenleben in den am Fluss liegenden Stadtvierteln reaktivieren. [15]

    ©lotsostock/Shutterstock

    Paris

    Paris gilt seit dem 17. Jahrhundert als führende Finanz-, Handels-, Mode-, Wissenschafts- und Kunstmetropole Europas.

    In den 1960er- und 1970er-Jahren litt Paris stark unter den Folgen der Deindustrialisierung. Technische Fortschritte machten Tausende von manuellen Tätigkeiten überflüssig, und Mittelschichtsfamilien wanderten in die grands ensembles ab, die kostengünstigen neuen Großwohnsiedlungen am Stadtrand. Die Einwohnerzahl von Paris ging von 2 850 000 im Jahr 1954 auf 2 150 000 im Jahr 1990 zurück. Zwischen 1962 und 1975 war die Abwanderung besonders dramatisch, als die Deindustrialisierung von Wohlstandsgewinnen unter Arbeiterfamilien und der raschen Gentrifizierung innerstädtischer Quartiere begleitet wurde. Der Verlust von Arbeitsplätzen in der Produktion setzt sich in Paris bis heute fort. Zwischen 1990 und 2010 sank die Zahl dieser Arbeitsplätze in der Stadt Paris um 64 Prozent, in der Region um 48 Prozent.

    Mit einer erheblich reduzierten Produktionsbasis konnte Paris neue Verkehrs- und Kulturinfrastrukturen schaffen. Die Stadt zog so junge Fachkräfte an und etablierte sich schnell als wichtiger Pol in der neuen Dienstleistungswirtschaft. In den 1970er-Jahren verbesserten die Eröffnung von zwei internationalen Flughäfen, der neue Hochgeschwindigkeitszug zwischen Paris und Lyon und die Verbindung der Metro mit dem Regionalexpressnetz RER die Anbindung der Stadt an das übrige Europa und die Welt erheblich. Diese Verbesserungen und die Einweihung neuer kultureller Aushängeschilder in den 1980er-Jahren, darunter das Musée d’Orsay und die Louvre-Pyramide, trugen maßgeblich zum Umzug internationaler Konzerne in die Region bei. Zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt der regionalen Wirtschaft von der Industrie auf Dienstleistungsbranchen mit hoher Wertschöpfung und auf High-Tech-Fertigung, einschließlich Elektronik und Luft- und Raumfahrt.

    Als Paris in den 1990er-Jahren weiter wuchs, wurde die Brachflächensanierung zum wichtigen Instrument für ein nachhaltiges Wachstum. Das Projekt Plaine Saint-Denis gilt als Vorzeigeobjekt dafür: Auf 750 Hektar Brachfläche im Norden von Paris entstanden Mitte der 1990er-Jahre ein neues Mehrzweckstadion für die Region Paris, eine neue Metrostation und neuer Wohnraum. Dies stieß einen neuen Zyklus von Immobilieninvestitionen im Pariser Norden an. [16]

    In den letzten Jahren setzte das Projekt Grand Paris neue Impulse in der Brachflächenentwicklung. Dabei handelt es sich um das größte Stadtentwicklungsprojekt der letzten Jahrzehnte in Europa. Grand Paris, eine Antwort auf den gegenwärtigen Rückgang der ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit der Ile-de-France gegenüber aufstrebenden Volkswirtschaften, umfasst zwei wichtige Bestandteile: die Erweiterung der Metro zur Verbesserung der Verbindungen zwischen Geschäftsvierteln, Flughäfen und Universitäten, und umfangreiche Brachflächenentwicklungen in den Vororten, um regionale Aktivitätspole und eine neue Identität als Metropole zu schaffen. [17] Das Projekt soll auch Staus und die damit einhergehende Smogbelastung reduzieren und die Vororte besser anbinden – ein besonders wichtiger Aspekt, weil in den letzten zehn Jahren viele internationale Konzerne vom Zentrum in die Vororte gezogen sind. [18]

    Heute leben in der Ile-de-France zwölf Millionen Menschen, mehr als dreimal so viel wie 1900. Drastisch gestiegene Grundstückspreise haben viele Bewohner in Orte verdrängt, die 30 bis 40 Kilometer außerhalb der Stadt liegen und verkehrstechnisch schlecht angebunden sind. [19] Eine neue für das gesamte Ballungsgebiet zuständige Behörde hilft jetzt jedoch, Infrastrukturverbesserungen in der gesamten Region zu koordinieren, insbesondere durch das Projekt Grand Paris. Zudem haben ehrgeizige Initiativen für das Stadtzentrum wie das Fahrradverleihsystem Vélib‘ und Fußgängerzonen am linken Seine-Ufer den Tourismus belebt und das Wohnen in der Innenstadt attraktiver gemacht. [20]

    ©ismel leah pics/Shutterstock

    Barcelona

    Seit Spaniens Übergang zur Demokratie ist Barcelona zu einem internationalen Vorreiter in Sachen Stadtentwicklung geworden. Die Stadt am Mittelmeer ist seit jeher ein wichtiges Handels- und Industriezentrum. Ende der 1970er-Jahre litt sie jedoch unter Arbeitslosigkeit, politischer Instabilität, maroder Bausubstanz und einem kargen Kulturangebot.

    Bürgermeister Pasqual Maragall ordnete die Stadtverwaltung in seiner Amtszeit (1982–1997) vollständig neu. Der Pragmatiker setzte auf konstruktive Beziehungen zu Gewerkschaften, Zivilgesellschaft und Wirtschaft und verhalf der Stadt zu einer positiven neuen Vision. Maragall arbeitete auch erfolgreich mit der katalanischen Regionalregierung zusammen, die erst kurz zuvor mehr Kompetenzen für die Infrastruktur- und Raumentwicklung erhalten hatte. Barcelona verzichtete in dieser Zeit auf große Straßenbauprojekte und förderte stattdessen im Stadtzentrum und in den Vorstädten den öffentlichen Nahverkehr sowie gezielte Raumplanungsmaßnahmen. [21]

    Als entscheidendes Moment für die Umgestaltung der Stadt erwies sich die Vergabe der Olympischen Spiele 1986, dem gleichen Jahr, in dem Spanien der EU beitrat. Dieses Ereignis löste einen historischen Investitionsboom aus, der die bebaute Umwelt, das Telekommunikationsnetz und die Flughafenanbindung erfasste. Durch die Vergabe gewann die gesamte Region an Selbstvertrauen. Zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, und auch nach der erfolgreichen Ausrichtung der Olympischen Spiele 1992 spielte der private Sektor eine viel aktivere, führende Rolle als Investor in der Region. Die Olympischen Spiele waren zudem ein starker Investitionsmagnet. Straßen und Abwasserbehandlung wurden verbessert, neue Grünflächen, Parks und Stadtstrände angelegt. [22]

    Ende der 1990er-Jahre war Barcelona zu einem Anziehungspunkt für Medien, Kunst, Bildung, Gastronomie, Design und Tourismus geworden. Die Entwicklungsagentur Barcelona Activa begleitete eine neue Generation von Firmengründern dabei, in der Stadt Fuß zu fassen. Die Stadtverwaltung verabschiedete eine Reihe zukunftsweisender Strategien, mit denen sie die Absicht signalisierte, Barcelona zu einem führenden europäischen Standort für Veranstaltungen, akademisches Leben, Handel und Innovation zu machen. Nach dem Jahr 2000 stieg die Zuwanderung, vor allem aus Lateinamerika und Asien, rasant an. Die Handels- und Investitionsbeziehungen zu Europa und China intensivierten sich erheblich, unterstützt durch den Ausbau des Hafens und der Logistikkapazitäten der Stadt sowie die Hochgeschwindigkeitszugverbindungen nach Madrid und in andere Regionen Europas. Das Passagieraufkommen am wichtigsten Flughafen der Stadt kletterte von 5  Millionen 1977 auf 33 Millionen 2007, und die Zahl der Hotelzimmer verdoppelte sich zwischen 1990 und 2004. [23] 

    In den letzten Jahren musste sich Barcelona nicht nur mit den Auswirkungen seines Wachstums und Erfolgs auseinandersetzen, sondern auch mit der Doppelbelastung aus chronischer Jugendarbeitslosigkeit und anderen strukturellen Herausforderungen auf makroökonomischer Ebene im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise. Die Stadt bemüht sich zunehmend darum, neben dem sehr starken Markenimage Barcelonas bei Besuchern auch das Image bei Unternehmen und Investoren zu schärfen. So will sie das Wachstum ankurbeln und die Abwanderung bekämpfen. Gleichzeitig soll die Lebensqualität der Bewohner angesichts eines ausufernden Tourismus nicht weiter beeinträchtigt werden. Im Jahr 2010 wurde ein Stadtrat für die Metropolregion geschaffen, der die Kommunen bei Fragen der Planung und wirtschaftlichen Entwicklung unterstützt. [24]

    Dass die Stadt kontinuierlich in ihre Infrastruktur investierte, hat ihr insbesondere geholfen, nach der letzten Wirtschaftskrise schneller wieder Tritt zu fassen. So sollen etwa der Hafen und Logistikcluster der Stadt erweitert und modernisiert werden, um die Position Barcelonas als Europas Tor zum Süden und führende Logistikdrehscheibe des Mittelmeerraums zu stärken. Des Weiteren ist geplant, in acht Stadtbezirken neue bezahlbare Sozialwohnungen zu bauen, die für junge Familien und ältere Menschen bestimmt sind. [25] Die Stadt setzt zudem immer stärker auf Smart-City- und Mobiltechnologie, um in wertschöpfungsintensiven Branchen neue Arbeitsplätze zu schaffen, die städtische Effizienz zu verbessern und ihre Fachkompetenz im Ausland zu vermarkten.

    ©Ungvari Attila/Shutterstock

    Burgas

    Burgas, die viertgrößte Stadt Bulgariens, war lange Zeit ein wichtiges Industrie-, Verkehrs- und Kulturzentrum des Landes. Die Stadt – heute größte Hafenstadt und Zentrum der Fischerei und der fischverarbeitenden Industrie – hat in den letzten 50 Jahren einen umwälzenden Wandel erlebt, vor allem seit der politischen Loslösung Bulgariens von der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre. Burgas kann heute mit Fug und Recht als eine der „intelligentesten“ Städte Osteuropas bezeichnet werden.

    Als die kommunistische Partei 1944 an die Macht kam, war Burgas das leuchtende Beispiel einer blühenden europäischen Stadt der vielen Kulturen. Der aufkommende Sozialismus brachte jedoch tief greifende Veränderungen für das städtische Gefüge mit sich. Die neuen Machthaber setzten auf die Entwicklung der Schwerindustrie und ließen ganze Stadtviertel mehrstöckiger Plattenbauten errichten. Dabei wurde ein Großteil des baulichen Erbes der Stadt zerstört. Diese Entwicklung und der nationalistisch geprägte Druck auf die türkische Minderheit, sich zu assimilieren und slawische Namen anzunehmen, veranlasste viele in der Stadt lebende Türken und Griechen, in ihre Heimatländer zurückzukehren. [26]

    Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus begannen vor allem bulgarische Zuzügler aus ländlichen Gebieten und umliegenden Kleinstädten nach Burgas zu strömen. Sie wurden angelockt vom jahrzehntealten Unternehmergeist der Stadt und den Aussichten auf eine besser bezahlte Arbeit. Dadurch schwoll die Bevölkerung im Großraum von Burgas auf etwa 300 000 Einwohner an, was die eher schlecht entwickelte Infrastruktur der Stadt belastete. Die Bevölkerung der Stadt selbst blieb relativ stabil bei rund 200 000 Einwohnern. Das kaufkraftbereinigte Pro-Kopf-BIP verdoppelte sich zwischen 2001 und 2011 nahezu – von 5 600 Euro auf 11 400 Euro. [27]

    In der jüngsten Zeit hat sich Burgas den Ruf einer visionären „Smart City“ erworben. Um zu westeuropäischen Städten „aufzuschließen“, bemühte sich die Stadt beim Übergang zu einer kapitalistischen Marktwirtschaft vor allem darum, das Infrastruktur- und Mobilitätsangebot zu verbessern. [28] Burgas hat als erste Stadt Bulgariens ihr ÖPNV-Netz vollständig umgestellt und modernisiert. Nachhaltige Mobilität steht seit Mitte der 2000er-Jahre, als Burgas einen integrierten ÖPNV-Plan auflegte, auf der Agenda der Stadt. [29]

    Bei ihrer Transformation arbeitete die Stadt eng mit großen europäischen Städten wie London und Mailand zusammen, die bereits intelligente Mobilitätslösungen umgesetzt hatten. Burgas entwickelte außerdem mit EU-Mitteln ein integriertes Verkehrssystem mit autofreien Zonen, ausgewiesenen Fahrradwegen und umweltfreundlichen Bussen. Die Parkplätze in der Innenstadt wurden gebührenpflichtig, um eine Verkehrsberuhigung zu erreichen. Für Menschen mit besonderen Bedürfnissen wie Kinder, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung gibt es spezielle Mobilitätsdienste, die über 20 000-mal pro Jahr in Anspruch genommen werden. [30] Durch die Modernisierungsmaßnahmen stieg zudem der Anteil der Straßen in verkehrsfähigem Zustand von unter 10 Prozent 2006 auf 42 Prozent 2016.

    In letzter Zeit hat die Stadt auch verstärkt in die Sanierung der Eisenbahninfrastruktur und in Energieeffizienz investiert. Unter anderem modernisierte sie die Eisenbahnlinie Plowdiw–Burgas. Dadurch verkürzte sich die Fahrtzeit zwischen Burgas und Sofia, und die regionale Verkehrsverbindung wurde verbessert. Außerdem hat die Stadt im Rahmen von Initiativen wie dem Konvent der Bürgermeister oder dem Programm Sharing Cities öffentliche Gebäude in Burgas energetisch saniert. [31] Ausschlaggebend für den Erfolg dieser Initiativen waren die JASPERS-Hilfe und der Fördermechanismus JESSICA. [32]

    TDie Investitionen in die Infrastruktur haben auch positive Ausstrahlungseffekte. Burgas ist heute mit über 16 000 Firmen die wirtschaftlich zweitstärkste Stadt Bulgariens. Die Beschäftigtenzahlen steigen und lagen 2016 zum ersten Mal seit zehn Jahren über dem Landesdurchschnitt. [33] Das Pro-Kopf-BIP wächst doppelt so schnell wie der bulgarische Durchschnitt, und das Passagieraufkommen am Flughafen Burgas nimmt um über 20 Prozent pro Jahr zu. [34]

    Mit zunehmendem Wohlstand steigt auch die Nachfrage nach Infrastruktur. Die neue Fährverbindung zwischen Burgas und Georgien unterstreicht den Ehrgeiz der Stadt, sich zu einem wichtigen logistischen Knotenpunkt zwischen Südosteuropa und Westasien zu entwickeln. Die Billigfluggesellschaft Ryanair hat die Stadt vor Kurzem als zweite Basis in Bulgarien ausgewählt und dafür 80 Millionen Euro investiert. [35] Alle diese Vorhaben fügen sich in ein neues Stadtkonzept ein, das Burgas zum Schwarzen Meer hin öffnen soll. Zu diesem Zweck sind auch mehrere neue Wohnquartiere und Autobahnen geplant.

    ©The World in HDR/Shutterstock

    Győr

    Győr (deutsch Raab) liegt im Dreieck Budapest–Wien–Bratislava: Hier kreuzen sich Handelswege zu Land und zu Wasser. Obwohl die Stadt relativ klein ist, ist sie der wichtigste Standort Nordwestungarns. [36] Als eines der sieben wichtigsten regionalen Zentren Ungarns sind Győr und Umgebung im aktuellen europäischen hierarchischen Städtesystem als funktionales Stadtgebiet von nationaler und internationaler Bedeutung eingestuft. [37]Wie in vielen anderen mitteleuropäischen Städten haben sich auch in Győr das städtische Gefüge und die Wirtschaft im letzten halben Jahrhundert tief greifend verändert.

    Seit den 1970er-Jahren ist Győr rasch gewachsen und hat wesentlich mehr ausländische Direktinvestoren angelockt, als bei der Größe der Stadt zu erwarten gewesen wäre. Ein bestimmender Faktor der wirtschaftlichen Entwicklung war die historisch starke und gut entwickelte Automobilindustrie in der Stadt. Wichtig waren aber auch die gute Schienen- und Straßenanbindung, das für ungarische Verhältnisse überdurchschnittlich breite Infrastrukturangebot, die fest verankerte Kultur der Chancengleichheit und das hohe Bildungsniveau.

    Anfang der 1990er-Jahre wurden die meisten staatlichen Unternehmen in Győr in privatwirtschaftliche Firmen umgewandelt, wodurch sich das Wachstum weiter beschleunigte. Die Eröffnung des Industrieparks 1992, der seitdem weltweite Aufmerksamkeit gefunden hat, und die Einweihung des Audi-Werks 1994 brachten eine Wende in der Entwicklung der Stadt. Im Industriepark sind heute über hundert Unternehmen aus 14 Ländern ansässig. [38]

    Verstärkt wurde das wirtschaftliche Wachstum Győrs auch durch den Wiederaufbau des Stadtzentrums, der in den 1970er-Jahren begann. Bereits 1989 wurde der Einsatz der Stadt für die Denkmalpflege mit dem europäischen Preis für Denkmalschutz gewürdigt. Die größten Bau- und Sanierungsprojekte leitete Győr jedoch erst nach der Jahrtausendwende ein. Zu den wichtigsten Vorhaben gehören die Nádor-Unterführung und neue Parkhochhäuser zur Entlastung der Innenstadt, die Sanierung der Altstadt, einschließlich mehrerer bekannter Plätze, sowie kostenlose Stadtbusse für die gesamte Innenstadt. Die sanierten historischen Bauwerke und instand gesetzten Bastionen der Burg bieten heute eine ideale Bühne für Kulturveranstaltungen.

    Durch das wirtschaftliche Wachstum brauchte die Stadt unbedingt eine besser integrierte Infrastruktur. Genau in diesem Bereich zeigt sich die Rolle der EIB am deutlichsten. Die EIB kofinanzierte beispielsweise neue Schienenfahrzeuge für die Bahnverbindungen zwischen Österreich und Ungarn. Außerdem unterstützte sie die Modernisierung und den Ausbau des Stromübertragungsnetzes der Stadt, um den Großraum Budapest besser mit dem Nordwesten des Landes zu verbinden. [39] In den letzten Jahren konnte eine der großen Hochschulen der Stadt mit EU-Mitteln ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum und eine Bibliothek bauen. [40]

    Győr schneidet heute bei vielen Messgrößen für wirtschaftlichen Erfolg besser als der Landesdurchschnitt ab. Das Pro-Kopf-BIP der Stadt ist zwölf Prozent höher als der nationale Durchschnitt, und die Wohnimmobilienpreise steigen um zehn Prozent pro Jahr. [41] Győr will in Zukunft nicht nur seine Infrastruktur weiter ausbauen, sondern auch verstärkt auf kulturelle Angebote setzen und seinen noch jungen Ruf als Stadt des Sports festigen. 2019 soll mit dem Bau einer inneren Ringstraße begonnen werden. Außerdem sind die Sanierung und Integration des städtischen und regionalen Bus- und Zugbahnhofs geplant. Damit kann Győr weiter zum wirtschaftlichen Wachstum Ungarns beitragen. [42]

    Zudem soll das Gelände einer über hundert Jahre alten Fabrik nahe der historischen Altstadt nach einem Gesamtkonzept in ein neues Wohngebiet umgestaltet werden. Damit soll die Attraktivität der Stadt erhöht werden, um sich gegenüber den nahe gelegenen Städten Wien und Budapest behaupten zu können. Győr wurde vor Kurzem in die engere Wahl für die Ernennung zur Kulturhauptstadt Europas 2023 gezogen. [43] Das übergeordnete Ziel ist nach Aussage des Bürgermeisters, eine Einwohnerzahl von 300 000 in einer Stadt zu erreichen, die Tourismus, Kultur und Bildung zu einem lebenswerten Ensemble für alle bündelt.

    ©pio3/Shutterstock

    Bologna

    Bologna, die Hauptstadt der Region Emilia-Romagna in Norditalien, ist in vielerlei Hinsicht eine typische pulsierende postindustrielle Metropole. Dennoch hebt sich die Stadt durch einige institutionelle, räumliche und sozioökonomische Besonderheiten von ihrem regionalen und nationalen Kontext ab. [44] Als bedeutendes landwirtschaftliches, industrielles und finanzielles Zentrum und als Verkehrsknotenpunkt ist Bologna heute gemessen an der Bevölkerung die siebtgrößte Stadt Italiens und Herzstück eines Ballungsgebiets mit rund einer Million Einwohnern.

    In den Nachkriegsjahren positionierte sich Bologna als florierendes Industriezentrum und politische Hochburg der kommunistischen Partei Italiens. Die Stadt blickt auf eine lange Geschichte progressiven politischen Denkens zurück und wurde von 1945 bis 1999 ununterbrochen von linken Bürgermeistern regiert. In den 1970er- und 1980er-Jahren litt Bologna ebenso wie viele andere europäische Städte unter den Folgen der Deindustrialisierung. Zwischen 1975 und 1995 verlor die Kernstadt Bologna rund 2 000 Einwohner pro Jahr. Die umliegende Provinz gewann dagegen rund 2 500 Bewohner jährlich hinzu, da es viele Menschen auf der Suche nach einem sichereren und angenehmeren Umfeld in die Vororte zog. [45]

    Ab Beginn der 1980er-Jahre investierte die Stadt vorrangig in den Verkehr. Bologna experimentierte als eine der ersten europäischen Städte mit dem Konzept des kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs. In den 1990er-Jahren verkürzten Investitionen in die Hochgeschwindigkeitsstrecke Mailand-Bologna die Fahrtzeit zwischen beiden Städten von 105 auf 60 Minuten. Das machte ein Pendeln wesentlich attraktiver und lockte Unternehmensinvestitionen in die Stadt. [46] Seit den 2000er-Jahren liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Modernisierung von Landstraßen und Autobahnen. 2019 soll die neue Autobahn Florenz-Bologna fertiggestellt werden. Sie wird die alte Autobahn aus den 1960er-Jahren ersetzen und die Fahrtzeit zwischen beiden Städten von 90 auf 50 Minuten reduzieren. [47]

    In den vergangenen Jahren lag der Fokus verstärkt darauf, die traditionellen Stärken der Stadt im Bildungsbereich zu untermauern und ihre Krisenfestigkeit zu erhöhen. Bologna beherbergt die älteste Universität der Welt. Dies hat der Stadt einen unverkennbar kosmopolitischen Charakter verliehen. Ein neu aufgelegtes zweijähriges multisektorales Programm soll darauf aufbauen. Die Stadt soll als Wohnort und Investitionsstandort an Attraktivität gewinnen und besser gegen Erdbeben und Klimarisiken geschützt werden. [48] Das Programm umfasst die Sanierung von städtischen Gebäuden, Straßen, öffentlichen Anlagen und Schulen, die Fertigstellung eines Fahrradrundwegs um die Stadt und die Aufwertung der Stadtparks und des öffentlichen Raums. [49] 

    Heute erwirtschaftet Bologna nach Mailand und Bozen das dritthöchste Pro-Kopf-BIP unter den italienischen Provinzen und gilt als eine der bedeutenden Smart Cities Italiens. [50] Die Stadt hat sich mit Nulltarifen zur Hauptverkehrszeit und Sondertarifen für Studierende und Rentner als europäischer Vorreiter für die Entwicklung einer innovativen Verkehrspolitik etabliert. Bekannt ist Bologna auch für seine attraktiven Dienstleistungen bei der Kinderbetreuung und im Bildungswesen, für die durchdachte Einbindung von Grünräumen ins Stadtgefüge und für seine bedeutende Universität. [51]

    Nach der weltweiten Finanzkrise war Bologna besonders erfolgreich. 2016 erzielte die Region Emilia-Romagna ein Wachstum von 1,9 Prozent – fast das Doppelte des italienischen Durchschnitts. Einheimische Unternehmer führen die Krisenfestigkeit der Stadtregion auf die Nähe zur Universität Bologna als Kreativzentrum und auf die Tatsache zurück, dass die mehrheitlich kleinen und mittleren Unternehmen der Region schneller auf Marktänderungen reagieren konnten als multinationale Konzerne. [52]

    ©Oleksiy Mark/Shutterstock

    Stockholm

    Stockholm, das Wirtschaftszentrum Skandinaviens und die Handelshauptstadt Schwedens, hat in den letzten 30 Jahren aktiv eine Politik der kompakten Stadtentwicklung verfolgt. Die Stadt gilt heute wegen ihres Engagements für Nachhaltigkeit und ihrer Attraktivität für Fachkräfte und Investoren als eine der erfolgreichsten Metropolregionen Europas.

    In den Nachkriegsjahren spürte Stockholm wie viele andere europäische Zentren die Folgen der Deindustrialisierung. Unternehmen brachen zusammen, Arbeitsplätze gingen verloren, und Innenstadtbewohner zogen verstärkt ins Umland. Verglichen mit anderen Städten waren die Auswirkungen jedoch weniger gravierend. Ab 1980, also viel früher als andernorts in Europa, stiegen die Einwohnerzahlen wieder an. Dafür gibt es mindestens zwei Gründe: Erstens beruhte Stockholms Wirtschaft zwar auf der Schifffahrt, hing jedoch in hohem Maße auch von inländischen Unternehmen ab, die von der Deindustrialisierung nur in geringem Maße betroffen waren. Zweitens trat Stockholm 1971 der Verwaltung des umliegenden Bezirks bei. Durch diesen Schritt wurde die Koordination der Gesundheits- und Verkehrspolitik auf Bezirksebene formalisiert und eine engere Zusammenarbeit im Bereich der Stadt- und Regionalplanung eingeleitet. Diese Entwicklung und der sich herausbildende Konsens über die notwendige Verdichtung der Städte führten dazu, dass die Einwohnerzahl im Stadtzentrum wieder zunahm. [53]

    Während sich in den letzten 30 Jahren das Leitbild der Verdichtung in der Stadtentwicklung fester etablierte, entwickelte Stockholm seine städtischen Strukturen im Gleichklang mit dem Nahverkehrssystem. Die Stadt hat erfolgreich ein Verdichtungsmodell umgesetzt, das den historischen Charakter, den öffentlichen Dialog und die Schaffung zusätzlicher Grünräume zum Ausgleich von Flächenverlusten betont. Den Maßstab für alle weiteren Entwicklungen setzte in den 1990er-Jahren das erfolgreiche Schlüsselprojekt Hammarby Sjostad, ein stark verdichtetes neues Wohnumfeld mit Mischnutzung auf ehemaligen Brachflächen, das heute hohes Ansehen genießt. [54]

    Finanzierungen der EIB haben Stockholm maßgeblich bei der Erfüllung seiner Verdichtungsziele geholfen. In der ersten Verdichtungsphase stützte sich die Stadt auf das von der EIB finanzierte „Dennis Package“, das Verkehrsinvestitionen zur Verbesserung der räumlichen Integration vorsah. Das von 1991 bis 2005 laufende Programm umfasste drei Viertel der Ringstraße Stockholms sowie den Ausbau der Straßenbahn-, Eisenbahn-, U-Bahn- und Buslinien. Es trug wesentlich dazu bei, das Wohnen in der autofreien Innenstadt attraktiver zu machen. Dazu wurden neue Viertel erschlossen, die Anbindung verbessert und die Kapazitäten ausgebaut. In den 2000er-Jahren lag der Schwerpunkt von Investitionskrediten zunehmend auf der Ausschöpfung des latenten Innovationspotenzials der Stadt, vor allem im Gesundheitswesen. Die Investitionen helfen der Stadt, ihren einzigartigen Mix aus Gesundheitseinrichtungen, Medizinbranche und digitalem Know-how zu nutzen, um die Gesundheitsinfrastruktur stadtweit zu verbessern. [55]

    Heute zählt Stockholm zu den wachstumsstärksten Stadtregionen Europas und erfreut sich erheblicher Nachfrage von Investoren.  Die seit Langem bestehenden komparativen Vorteile der Stadt in den Bereichen Software, Spieleindustrie, Musik und Architektur verlagern sich nach Süden, während der alte zentrale Geschäftsbezirk zunehmend durch den Finanz-, Rechts- und Geschäftssektor geprägt wird. Mittlerweile siedeln sich andere große Einrichtungen in der Nähe des Hauptbahnhofs an, während die Stadt sich um die Entwicklung neuer Cluster bemüht, unter anderem für digitale Medien und Finanztechnologie. Stockholm beherbergt heute einige der wachstumsstärksten Start-up-Unternehmen Europas und die meisten „Einhörner“ pro Kopf nach dem Silicon Valley. [56] 2010 erhielt Stockholm als erste Stadt den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“, da die CO2-Emissionen gegenüber dem Stand von 1990 um 25 Prozent reduziert werden konnten. [57]

    Der nachfolgende Text gibt die Ansicht der Autoren wieder, die nicht unbedingt der Sichtweise der Europäischen Investitionsbank entspricht. 

    Über die Autoren

    Professor Greg Clark, CBE, ist Honorarprofessor am University College London und Chairman des Beratungsunternehmens für intelligente Stadtentwicklung The Business of Cities, das jedes Jahr weltweit in mehr als 100 Städten tätig ist. Er gehört zu den Vordenkern der Brookings Institution, des Urban Land Institute und des Cities Research Centre von JLL. Zudem ist er Board-Mitglied der Transport for London und der London Enterprise Partnership (LEP). Greg Clark hat zehn Bücher geschrieben, darunter „Global Cities: A Short History“ (Brookings Institution Press) und „London 1991–2021, The Making of a World City“. Tim Moonen hat an der University of Bristol promoviert und ist bei The Business of Cities für das strategische Management von Forschungs- und Beratungsprojekten zuständig. Er ist Co-Autor von mehr als 50 Berichten, Büchern und Beiträgen zur Wettbewerbsfähigkeit, Governance und Performance globaler Städte. Jake Nunley ist Lead Researcher bei The Business of Cities. Er studierte an der University of Cambridge und der Harvard University.

    The Business of Cities

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    Referenzen

    [1] https://c24215cec6c97b637db6-9c0895f07c3474f6636f95b6bf3db172.ssl.cf1.rackcdn.com/framed/~/media/multimedia/interactives/2013/tentraits/vienna.pdf

    [2] Clark, G. & Moonen, T. (2015). International Advisory Board for the 4th Regional Plan: International Case Studies – Vienna. Unpublished.

    [3] Ebd.

    [4] Ebd.

    [5] Ebd.

    [6] http://www.wiendenktzukunft.at/downloads/strategie_english.pdf

    [7] https://www.wien.gv.at/english/environment/klip/

    [8] http://europe.uli.org/wp-content/uploads/sites/3/ULI-Documents/The-Density-Dividend-London-case-study-FINAL.pdf

    [9] https://books.google.co.uk/books?id=puZ6DQAAQBAJ&printsec=frontcover&dq=World+Cities+and+nation+states&hl=en&sa=X&ved=0ahUKEwiMhNeNxbLaAhVBrRQKHRdUDpsQ6AEIKTAA#v=onepage&q=World%20Cities%20and%20nation%20states&f=false

    [10] http://europe.uli.org/wp-content/uploads/sites/3/ULI-Documents/The-Density-Dividend-Warsaw-case-study-FINAL.pdf

    [11] www.eib.org/infocentre/press/releases/all/2017/2017-030-ebi-kredyty-dla-polski-w-2016-w-wysokosci-4-44-mld-euro-w-tym-603-mln-euro-w-ramach-planu-junckera.htm; www.eib.org/infocentre/press/releases/all/2009/2009-092-eib-supports-with-eur-565-million-construction-of-warsaw-motorway-ring-road

    [12] europa.eu/rapid/press-release_BEI-14-159_en.pdf

    [13] www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2017/02/weodata/weorept.aspx?pr.x=86&pr.y=18&sy=2015&ey=2015&scsm=1&ssd=1&sort=country&ds=.&br=1&c=964&s=PPPEX&grp=0&a=

    [14] https://web.archive.org/web/20081201112737/www.apta.org/AM/Template.cfm?Section=Home&TEMPLATE=%2FCM%2FHTMLDisplay.cfm&CONTENTID=28705

    [15] http://europe.uli.org/wp-content/uploads/sites/3/ULI-Documents/The-Density-Dividend-Warsaw-case-study-FINAL.pdf

    [16] www.iau-idf.fr/fileadmin/NewEtudes/Etude_116/plaine-saint-denis-regeneration_01.pdf

    [17] www.eib.org/attachments/documents/etude_jessica_idf_rapport_final_vdef_en.pdf

    [18] www.eib.org/stories/paris-mobility; www.ey.com/Publication/vwLUAssets/ey-guide-2016-why-invest-in-paris/$FILE/ey-guide-2016-why-invest-in-paris.pdf

    [19] www.eib.org/stories/paris-mobility

    [20] www.la-francaise.com/en/who-we-are/our-expertise/grand-paris/

    [21] Brookings (2013) The 10 Traits of Globally Fluent Metropolitan Areas: Barcelona Case Study.

    [22] Ebd.

    [23] Ebd.

    [24] Ebd.

    [25] https://www.fdiintelligence.com/Locations/Europe/fDi-s-European-Cities-and-Regions-of-the-Future-2018-19-FDI-Strategy-Cities

    [26] http://europa.eu/rapid/press-release_BEI-09-247_en.htm; https://port.today/barcelona-logistics-hub-receives-eib-loan/; https://www.barcelona.cat/infobarcelona/en/a-funding-agreement-for-building-2200-rented-social-housing-flats_542118.html

    [27] https://www.vagabond.bg/travel/high-beam/item/3820-burgas-that-was.html

    [28] https://knoema.com/atlas/Bulgaria/Burgas/GDP-per-capita-in-PPS

    [29] http://sharingcities.eu/sharingcities/news/Sharing-Cities-Burgas-looking-to-improve-its-urban-environment-WSWE-AHGMYW

    [30] https://www.conventiondesmaires.eu/IMG/pdf/Burgas_Case_Study_Covenant_Mayors.pdf

    [31] https://ec.europa.eu/energy/intelligent/projects/sites/iee-projects/files/projects/documents/ecomobility_shift_ecomobility_shift_case_study_burgas_bg_en.pdf

    [32] http://www.eib.org/projects/pipelines/pipeline/20110529

    [33] https://seenews.com/news/bulgaria-eib-extend-term-for-financing-urban-projects-under-jessica-363388

    [34] http://www.regionalprofiles.bg/en/regions/burgas/

    [35] https://seenews.com/news/passenger-numbers-at-bulgarias-varna-burgas-airports-rise-by-over-20-in-2016-554137

    [36] http://www.eltis.org/discover/news/new-ferry-connection-between-bulgaria-and-georgia-opens; https://seenews.com/news/ryanair-opens-second-base-in-bulgaria-606720

    [37] http://2023gyor.hu/wp-content/uploads/2017/11/onkormanyzat-EKF-palyazat-ENG.pdf

    [38] http://scholarly-journals.com/sjba/archive/2013/March/pdf/Kollar%20and%20Lados.pdf

    [39] http://2023gyor.hu/wp-content/uploads/2017/11/onkormanyzat-EKF-palyazat-ENG.pdf

    [40] https://www.globalrailwayreview.com/news/28348/eib-loan-rolling-stock-hungary/; http://www.eib.org/infocentre/press/releases/all/2010/2010-068-eib-supports-upgrade-and-extension-of-electricity-transmission-network-in-hungary-with-eur-150-million.htm

    [41] https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/studien/pdf/b008393s.pdf

    [42] https://bbj.hu/real-estate/resale-home-prices-up-19-year-on-year_147337

    [43] http://www.miniszterelnok.hu/gyor-has-contributed-a-great-deal-to-hungarys-economic-strength/

    [44] http://icp.donauhanse.net/danube-cities/gyoer.htmlhttps://hungarytoday.hu/debrecen-gyor-veszprem-shortlisted-european-capital-culture-2023-title-14778/

    [45] http://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1068/a39109

    [46] Ebd.

    [47] www.eib.org/infocentre/press/releases/all/2002/2002-085-eur-30-mio-to-complete-the-milan-bologna-railway-line.htm

    [48] www.eib.org/infocentre/stories/all/2014-january-01/the-florence-bologna-motorway.htm

    [49] http://cor.europa.eu/en/events/Documents/ENVE/2017.09.17conf.finacing/11.%20EIB.pdf

    [50] www.sipotra.it/wp-content/uploads/2013/12/7.3.4.pdf

    [51] www.affariregionali.it/media/170175/dossier-citt%C3%A0-metropolitana-di-bologna.pdf

    [52] http://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1068/a39109

    [53] www.ft.com/content/1a595d8e-d514-11e7-8c9a-d9c0a5c8d5c9

    [54] http://europe.uli.org/wp-content/uploads/sites/3/ULI-Documents/The-Density-Dividend-Stockholm-case-study-FINAL.pdf

    [55] Ebd.

    [56] www.investstockholm.com/news/stockholm-firms-lead-way-on-digital-health/

    [57] Ebd.

    [58] www.oecd-ilibrary.org/urban-rural-and-regional-development/green-growth-in-stockholm-sweden_9789264195158-en