Suche starten DE menü Kundenportal der EIB-Gruppe
Suche starten
Ergebnisse
Top-5-Suchergebnisse Alle Ergebnisse anzeigen Erweiterte Suche
Häufigste Suchbegriffe
Meistbesuchte Seiten

    Entwicklungslösungen: Kreativität im Überfluss

    Wassertechnik in Afrika stellt uns jedes Mal vor kniffelige Aufgaben. Nur mit kreativen Konzepten kann der Kontinent seinen Wasserbedarf decken und langfristig unabhängig werden

    Teil der Serie "Entwicklungslösungen" 12 Juni 2020
     

    Hören

    Von Caroline Ogutu

    Ingenieure können logisch denken, sind aber nicht kreativ – so die landläufige Meinung. Der Klimawandel stellt mich als Bauingenieurin bei Entwicklungsprojekten vor große Probleme. Sie zu lösen, verlangt Kreativität, und zwar nicht weniger als in den klassischen Kreativberufen.

    Kreativität ist ein menschliches Bedürfnis, ein zentraler Bestandteil unserer Evolution. Gewiss, sie ist kein Grundbedürfnis wie Wasser, aber Entwicklung ist eine Art Evolution von Gesellschaften und Volkswirtschaften. Jedes Mal muss ich eine neue, maßgeschneiderte Lösung finden, wie wir die Menschen mit Wasser und Sanitäreinrichtungen versorgen.

    In Afrika ist jedes Wasserprojekt einzigartig. Wir müssen verschiedene Wege gehen, damit sie alle nachhaltig sind und den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen.

    Kreative Entwicklungslösungen in Tansania

    Das Wasser- und Abwasserprojekt für Mwanza und die umliegenden Städte Lamadi, Misungwi und Magu sowie Bukoba und Musoma am tansanischen Ufer des Viktoriasees zum Beispiel erforderte eine gute Portion kreatives Denken – und sorgfältige Planung vor Ort.

    Das Projekt, das die Europäische Investitionsbank 2013 begann, soll die Wasser- und Sanitärversorgung in den tansanischen Städten verbessern, um das Ökosystem des Sees zu schützen. Denn die Verschmutzung aus diesen Städten ist ein Grund, warum sich der Zustand des Süßwassersees insgesamt verschlechtert.

    Dass rund eine Million Menschen damit sauberes Trinkwasser erhalten und bis zu 100 000 Menschen eine bessere Sanitärversorgung, ist natürlich mehr als nur ein Nebeneffekt.

    Aber was war an diesem Projekt kreativ?

    Zum einen machten wir uns die örtlichen Gegebenheiten zunutze.

    In Lamadi, wo eine Trinkwasseraufbereitungsanlage direkt am See geplant war, fanden wir einen innovativen Weg für die Wasserentnahme. Wir schlugen Versickerungskanäle vor, über die das Wasser aus dem See zunächst durch das Sandbett gefiltert wird, bevor es in die Aufbereitungsanlage abseits vom Ufer fließt.  Versickerungskanäle sind durchlässige horizontal oder abfallend verlaufende Leitungen, in die Wasser aus einer darüber- oder danebenliegenden Quelle einsickern kann – in diesem Fall aus dem See. Der Sand filtert Schmutzpartikel, also Sediment und Schwebstoffe, wie ein Sieb heraus. Danach kann das gereinigte Wasser gechlort oder anderweitig aufbereitet werden. Die Filtration schützt vor wasserbürtigen Krankheiten und basiert ganz auf den natürlichen Gegebenheiten vor Ort.

    Das funktioniert natürlich nicht überall so, und deshalb müssen wir kreativ sein.

    Creative highs and lows

    The most creative aspect of Mwanza project, however, concerns the handling of the informal settlements, which did not have any sewerage service.

    The settlements largely depend on onsite sanitation, such as pit latrines. It is common to find more planned settlements on the higher elevations, with the informal ones mostly on low-lying terrain. Uniquely, in Mwanza, the situation is different. The hills above Mwanza have informal settlements of closely packed dwellings with no infrastructure and no organized system of roads, thus posing a great challenge to water and sewerage service provision.

    For one thing, the wastewater from the informal settlements flows downhill without any sewer connection. These settlements also did not have consistent water supply due to inadequate connections and inability of the residents to afford the connection fees.

    We called the idea we developed simplified sewerage solutions.

    Here’s how that works. Simplified sewerage solutions are designed with a great deal of community sensitization and mobilization. With the support of UN Habitat, we formed community monitoring groups we called multi-stakeholder forums in the respective communities within the informal settlements The forums are comprised of volunteer members of the community, administrative officers and health offices. The main task of the forums is to mobilise and sensitise the community members on the importance of environmental sanitation, but more specifically mobilise the community to connect their toilets into the sewerage system. The forums also act as mediators in resolving disputes that arise during the construction phase.

    So, how is the simplified sewerage built? The forum organizes the community into conglomerates of, say, 10 homes, which will be responsible for their own sanitation. Each conglomerate was given the task of connecting its individual on-site toilets and individual homes to a collection point. From there, MWAUWASA, the local utility then builds a main pipeline and lateral lines that draw the sewerage from the collection points and dump it into the existing conventional sewerage system.

    Mwanza Urban Water Supply and Sanitation Authority
    Africans have to think of their own solutions and own them, then the solutions will be truly sustainable.

    Wir lassen die Leute mit der Aufgabe auch nicht allein. Die vereinfachte Abwasserentsorgung beruht wirklich auf dem Engagement vor Ort. Das Forum und unsere Beraterinnen und Berater klären in regelmäßigen Zusammenkünften über die Bedeutung der Sanitäranlagen auf. Sie erklären den Menschen, warum sie bessere Toiletten brauchen und wie sie die Anschlüsse in Schuss halten. Wir finanzieren auch den Bau und die Instandhaltung. Und der Versorger liefert das Material für die Anschlüsse, die von einem beauftragten Unternehmen gelegt werden. Ein Mitglied pro Anwohnergruppe übernimmt jeweils die Leitung und sorgt dafür, dass die Anschlüsse intakt bleiben.

    So binden wir die Menschen vor Ort mit ein. Sie stehen hinter dem Projekt, weil wir bei all den Treffen zusammen mit UN-Habitat viel Aufklärungsarbeit leisten. Die Anwohner sind an Baubeschlüssen beteiligt und überwachen das Ganze. Aber natürlich sind sie nicht die Einzigen, die davon profitieren. Der Versorger erhält Zugang zu den informellen Siedlungen und erzielt mit den Anschlüssen zusätzliche Einnahmen. Für die Stadt insgesamt ist es gut, dass die Abwässer von den Hügeln nicht mehr in die weiter unten liegenden Gebiete fließen.

    Als die Finanzierung stand, wussten wir, was zu tun war, und konnten dabei schon die künftigen Bedürfnisse der Menschen einplanen. Das macht die Lösung nachhaltig.

    Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der gerade jetzt besonders wichtig ist: Die Wasserstellen, Handwaschstationen und die Hygieneaufklärung in Schulen und in der Gemeinde haben das Bewusstsein der Menschen geschärft, sodass sie besser auf die Bedrohung durch Covid-19 vorbereitet sind.

    Das 104-Millionen-Euro-Projekt wurde mit 45 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank und 45 Millionen von der Agence française de développement finanziert. Die restlichen 14,5 Millionen Euro steuerte der tansanische Staat bei. Die Europäische Investitionsbank leistete außerdem technische Hilfe, die aus Zuschüssen der Europäischen Union finanziert wurde.

    Um dieses Video anzusehen, müssen Sie den YouTube-Nutzungsbedingungen zustimmen. YouTube erfasst möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten.
    Weitere Informationen

    Diese technische Hilfe war sehr wichtig. Noch bevor das Projekt begann, finanzierten wir einen Entwicklungsplan, um den aktuellen und künftigen Wasserbedarf zu ermitteln. Einen ebensolchen Plan erstellten wir für die Sanitärversorgung. Als die Finanzierung dann stand, wussten wir, was zu tun war, und konnten dabei schon die künftigen Bedürfnisse der Menschen einplanen.

    Das macht die Lösung nachhaltig.

    Kampala informal settlements solutions

    The general solution we had for Kampala was not the same as the solution for Mwanza. In the same way, the solution for the Kampala informal settlements had to be different to the one we developed in the Mwanza informal settlements.

    For one thing, Kampala’s informal settlements are on low-lying ground, not in the hills, as Mwanza’s are. Nonetheless, we needed to reduce the amount of untreated water in these settlements, to reduce the incidence of water-borne diseases, and to bring sanitation services to 200 000 people in Kampala’s informal settlements.

    The creative solution this time was ablution blocks.

    Here’s how that works. In a public area, we would build a sanitation facility. Attached to the facility, it is proposed to have a restaurant or a shop, for example. The private operator of the sanitation facility would maintain it and charge a small fee for the residents of the informal settlements to use it. But the attached business would subsidise the operation of the sanitation facility.

    The operator would have an incentive to maintain the facilities well and to keep the fee low, so as to attract people to the attached business and earn greater profits there. To keep the licence for the attached business, the operator also has to demonstrate to inspectors from the city council that they are maintaining the ablution blocks. This provides long-term maintenance for the ablution block.

    It’s a remedy to a frequent development problem, which is that an outside entity invests a lot of money in building a sanitation facility, only for the lack of long-term maintenance to lead to a breakdown. Within a few years, the lack of management and maintenance leaves the facility malfunctioning or vandalized. The Kampala ablution blocks represent a creative way of making these facilities sustainable for the future, without demanding further major resources to keep them useable.

    KfW Bildarchiv

    Wichtige kreative Entwicklungslösungen

    Diese Projekte sind wichtig, damit Afrika wirklich Fortschritte in der Entwicklung macht. Wenn wir nur eine Standardlösung importieren, wird das niemals nachhaltig sein. Wichtig ist, dass die Infrastruktur gepflegt und gewartet wird und dass das Material dafür vor Ort erhältlich ist. Die Menschen in Afrika müssen ihre eigenen Konzepte entwickeln und sie selbst umsetzen, damit die Lösungen von Dauer sind.

    Ohne diese Nachhaltigkeit wird Afrika auf Dauer abhängig von denen bleiben, die ihre Lösungen liefern. Dann werden die Menschen dort nicht in der Lage sein, eigenständig instand zu halten, was vor Ort am besten passt.

    DR

    Ich werde oft gefragt, warum ich mich für diesen Beruf entschieden habe.

    An der Uni waren wir nur drei Frauen unter 40 Männern im Ingenieurstudium. Hoch- und Tiefbau ist in Kenia eine Männerdomäne. Die Leute reagieren bis heute überrascht, wenn sie hören, dass ich Bauingenieurin bin. Sie fragen mich, warum ich mich für diesen Beruf entschieden habe. Die Antwort ist: Ich möchte sehen, wie Infrastruktur entsteht, die unsere Entwicklung voranbringt.

    Ich wollte etwas bewegen, in meinem Umfeld und in der Gesellschaft hier. Wir müssen in diesem Teil der Welt noch viel entwickeln. Dazu wollte ich meinen Teil beitragen. Ich helfe beim Aufbau von Infrastruktur und bringe Ideen für kreative Entwicklungslösungen ein. Mein Job gefällt mir immer besser. Es erfüllt mich, die Gesichter der Menschen zu sehen, wenn sie erstmals in ihrem Leben fließend Wasser haben. Das spüre ich immer wieder.

    Bei der Europäischen Investitionsbank habe ich auch einen Überblick, was die Länder in Ostafrika brauchen und wo dort investiert wird. So kann ich eine Pipeline mit Projekten aufbauen, die das ergänzen, was bereits läuft.

    Caroline Ogutu ist Wassertechnikerin in der Abteilung Wassersicherheit und Resilienz der Europäischen Investitionsbank. Sie arbeitet im Außenbüro der Bank in Nairobi.