Das Warschauer Projekt fällt unter zwei Säulen der Städteagenda für die EU. Lesen Sie hier, welche das sind.

In ihrem ersten Gespräch über den Ausbau des kleinen Warschauer U-Bahn-Netzes stellten die Banker der Europäischen Investitionsbank keineswegs die Fragen, die Michal Olszewski erwartet hatte: „Jemand von einer Geschäftsbank hätte gefragt: ‘Werde ich mein Geld zurückbekommen?’ Die EIB aber erkundigte sich, wozu wir eine U-Bahn brauchen.“

Offensichtlich wollte die EIB sicherstellen, dass die Stadt die richtige Entscheidung traf – finanziell und im Hinblick auf die EU-Ziele. Dies beeindruckte Olszewski, den stellvertretenden Bürgermeister von Warschau.

„Die EIB will nicht nur Projekte finanzieren, sondern zur Bewältigung strategischer Herausforderungen beitragen“, meint er. „Wenn die EIB ein Projekt genehmigt, dann kann man sicher sein, dass es wirklich machbar ist.“

Die Städteagenda für die EU, die am 30. Mai in Amsterdam offiziell vorgestellt wird, beruht auf drei Säulen:

  • Better regulation
  • Better funding
  • Better knowledge-sharing

Das Warschauer U-Bahn-Projekt ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie die EIB zu den Säulen Finanzierung und Wissensaustausch beiträgt.

Die Städteagenda bewährt sich in der Praxis

Mit der Prüfung des Warschauer Konzepts begann die EIB schon lange bevor sie 2012 rund 111 Millionen Euro für die Anschaffung neuer U-Bahn-Züge und 2013 ein Darlehen von 115 Millionen Euro für den mittleren Abschnitt der U-Bahn-Linie und sieben neue Stationen vergab. Die Zusammenarbeit nahm ihren Anfang, als die Stadt Beratungsleistungen aus dem JASPERS-Programm beantragte, um zu erfahren, wie sie das Projekt konzeptionieren sollte, um hohe EU-Zuschüsse zu erhalten.

Über JASPERS (Joint Assistance to Support Projects in European Regions) werden Projekte in europäischen Regionen gefördert. JASPERS wird von der Europäischen Kommission und der EIB finanziert und bietet Beratung für Projekte in den Bereichen Verkehr, Umwelt, FEI, Informations- und Kommunikationstechnologie, Gesundheit, Bildung und Stadtentwicklung. Die Leistungen reichen von der Projektprüfung über Änderungsempfehlungen bis hin zur Hilfe bei der Umsetzung. Das JASPERS-Team lieferte für das Projekt in Warschau auch die Begründung für die Machbarkeit und beurteilte seine Umweltauswirkungen.

Dadurch erhielt die Stadt von der Europäischen Kommission einen Zuschuss von 945 Millionen Euro zu den Gesamtkosten von 1,5 Milliarden Euro.

Die Bank führt mit Warschau derzeit Gespräche über ein weiteres Darlehen von 200 Millionen Euro. Die Stadt plant, elf weitere Stationen und ein Depot zu bauen sowie 49 neue U-Bahn-Züge anzuschaffen. Die Kosten dafür belaufen sich auf nahezu 1,9 Milliarden Euro. „Das ist fantastisch“, freut sich Olszewski. „Wir haben wirklich das Gefühl, etwas Großes für die Stadt zu tun.“