„Man gewinnt kein Spiel, wenn man nur angreift und nicht verteidigt.“
Invested by Europe ist ein Podcast über die europäische Wirtschaft. Von Wohnraum, Energie und Innovation bis hin zu Infrastruktur, Sicherheit und Verteidigung: Fachleute verraten in jeder Folge, wo die großen Herausforderungen liegen. Wir wollen wissen, was sich ändert, welche Lösungen es gibt und wie Europa in seine Zukunft investiert. Alle Podcast-Folgen auf unserer Website
Darum geht es in dieser Folge
Beim Thema Klimaschutz denken wir oft an Windparks und Solaranlagen. Doch Emissionen zu senken ist nur ein Teil des Ganzen. Selbst wenn die Emissionsminderung gelingt, verändert sich das Klima viele Jahre weiter. Deshalb müssen sich Gesellschaften, Volkswirtschaften und Infrastruktur dagegen wappnen.
In dieser Folge von „Invested by Europe“ spricht Roman Röhrl, Experte für Klimawandel bei der EIB, über Klimaanpassung: was sie bedeutet, warum sie wichtig ist und wie sie in Investitionsentscheidungen einfließen kann.
Kurzfassung
Klimaschutz wird oft gleichgesetzt mit Emissionsminderung durch erneuerbare Energien, höhere Energieeffizienz und sauberere Technologien. Doch das allein reicht nicht aus. Selbst wenn die Emissionen schon morgen stabilisiert würden, bräuchte das Klimasystem viele Jahre, um ein neues Gleichgewicht zu finden. In dieser Zeit bleiben Menschen und Volkswirtschaften den Klimafolgen ausgesetzt, die längst nicht mehr zu verhindern sind. Klimaanpassung bedeutet, mit dieser Realität umzugehen und die Kluft zwischen den Risiken von heute und einer stabileren Zukunft zu überbrücken. Wenn Klimaschutz der Angriff gegen den Klimawandel ist, dann ist Klimaanpassung die Verteidigung. Und beides ist unverzichtbar.
Klimaanpassung soll in erster Linie die Anfälligkeit gegenüber Klimarisiken wie Überschwemmungen, Hitzewellen, Erdrutsche, Erosion oder Dürren verringern. Zuerst wird analysiert, wie sich der Klimawandel auf einen bestimmten Ort, eine Anlage oder eine Wirtschaftsaktivität auswirkt. Anschließend werden Investitionen so gestaltet und gesteuert, dass dieses Risiko gemindert wird. In der Praxis heißt dies:
- in Hochwasserschutz zu investieren, damit Wasser sicher abfließt statt Schäden zu verursachen
- Steilhänge zu stabilisieren
- wassersparende Technologien und dürreresistenteres Saatgut einzusetzen
- Versicherungslösungen anzubieten, die Haushalte und Unternehmen vor klimabedingten Verlusten schützen
Anpassung beschränkt sich nicht auf einen einzelnen Sektor. Sie muss systematisch in Investitionsentscheidungen einfließen. Ein sektorübergreifender Ansatz hilft, Schwachstellen früh zu erkennen, und verhindert, dass Risiken übersehen werden, nur weil sie sich nicht eindeutig traditionellen Politik‑ oder Finanzierungskategorien zuordnen lassen.
Multilaterale Entwicklungsbanken wie die EIB spielen eine zentrale Rolle beim Hochskalieren von Anpassungsmaßnahmen. Sie finanzieren speziell auf Klimaanpassung ausgerichtete Investitionen, legen Definitionen und Standards fest und entwickeln Finanzierungsprodukte, die Resilienzprojekte fördern und skalieren. Auch Beratung ist wichtig, damit öffentliche und private Kunden bei ihren Investitionen künftige Klimarisiken berücksichtigen.
Für politische Entscheidungsträger und Investoren ist die Botschaft klar und zukunftsorientiert: Bei der Finanzierung von kritischer Infrastruktur sollte grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass sich klimatische Bedingungen im Laufe der Zeit ändern – möglicherweise stärker als erwartet. Gemeinsam mit Geschäftsbanken, privaten Investoren, Hauseigentümern sowie Bürgerinnen und Bürgern können die Klimaanpassung skaliert und die Klimaresilienz gestärkt werden.
Fazit
- Klimaanpassung ergänzt Klimaschutz, weil sie die Risiken mindert, die der Klimawandel bereits heute verursacht
- Anpassung funktioniert am besten, wenn sie sektorübergreifend in Investitionsentscheidungen einfließt
- Langfristige Finanzierungen sind unverzichtbar, um Anpassungsmaßnahmen in großem Maßstab umzusetzen
Unser Gast
Roman Röhrl ist Experte für Klimawandel bei der Europäischen Investitionsbank und steuert physische Klimarisiken auf Projektebene. Seine Schwerpunkte: systematische Einbeziehung von Klimaanpassung in Investitionsprojekte, Aufbau resilienter Institutionen und Skalierung von Klimafinanzierungen. Bevor er zur EIB kam, arbeitete Roman bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Er hat Masterabschlüsse der Universität Cambridge und der LMU München in den Bereichen Umwelt und Entwicklung, Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre.
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