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Frau an einer Zapfstelle in Antananarivo EIB

Im November 2023 flog ich nach Antananarivo. Ich sollte prüfen, wie es in Madagaskars Hauptstadt um die Wasserversorgung steht. Der Zeitpunkt hätte kaum ungünstiger sein können: Die Trockenzeit ging gerade zu Ende, und die Regenzeit stand bevor.

Wasser war also knapp. Und die Einheimischen beschrieben mir anschaulich, wie sich die unzuverlässige Versorgung auf ihren Alltag auswirkt.

Die meisten holen ihr Trinkwasser an öffentlichen Zapfstellen oder an ausgebauten Brunnen. Etwa jeder fünfte Haushalt versorgt sich an ungesicherten Brunnen, mit Regenwasser oder sogar mit Wasser vom Reisfeld. An den Zapfstellen bilden sich oft lange Schlangen. Nicht selten ist das Wasser zu Spitzenzeiten oder in höher gelegenen Stadtvierteln plötzlich alle. Nur rund 8 Prozent haben einen Hausanschluss. Doch selbst da kommt in Dürrezeiten oft nichts aus dem Hahn.

Mit dem Mangel gehen die Menschen ganz unterschiedlich um. Manche nutzen Wasserträger, die ihnen für viel Geld das Wasser von der Zapfstelle nach Hause schleppen. Andere warten geduldig, bis es wieder Wasser gibt – an der Zapfstelle oder daheim aus dem Hahn. Das bringt allerdings den Tagesablauf durcheinander.

Oft sind es die Frauen, die frühmorgens zur nächsten Wasserstelle laufen und dann die schweren Kanister nach Hause tragen. Manche Haushalte legen sich einen Vorrat an. Besonders problematisch ist der Wassermangel für Wäscherinnen. Gibt es kein Wasser, müssen sie Kunden wegschicken, was ihr Einkommen schmälert.

Nun soll ein großes Infrastrukturprojekt Abhilfe schaffen – das Jirama Water III-Prioritaire. Die 74 Millionen Euro dafür kommen von der Europäischen Investitionsbank (EIB), der Europäischen Kommission und weiteren Partnern. Die EIB beteiligt sich mit 61 Millionen Euro. Durch die Investitionen sollen künftig 87 Prozent der Bevölkerung von Antananarivo mit sauberem Wasser versorgt werden.

Blick auf die Ausgangslage

Das Jirama-Projekt setzt auf bessere Infrastruktur – eine neue Wasseraufbereitungsanlage, ein längeres Leitungsnetz, neue Wassertanks und Druckerhöhungspumpen. Außerdem entstehen rund 400 öffentliche Zapfstellen und 5 000 Hausanschlüsse.

Doch was bringt das Projekt konkret? Und für wen? Genau das untersucht die Evaluierungsabteilung der EIB-Gruppe. Zusammen mit ihrer Social Policy Unit und einem Forschungsteam führt sie dazu eine Wirkungsevaluierung durch.

Die Analyse der Ausgangslage ist gerade abgeschlossen. Diese Daten sind wichtig. Denn letztlich geht es nicht nur darum, wie viele Wasserleitungen verlegt wurden, sondern was das den Menschen konkret bringt. Dazu wurden im Vorfeld mehr als 2 500 Haushalte befragt. Unser Team wollte von ihnen wissen,

  • wo und wie sie ihr Wasser holen
  • wie gut das Wasser ist und ob es immer welches gibt
  • wie viel Zeit und Geld sie dafür investieren
  • wie es mit der Hygiene aussieht
  • welche körperliche Belastung mit dem Wasserholen verbunden ist
  • was es für Frauen impliziert

Nach Abschluss des Projekts werden dieselben Haushalte noch einmal befragt. Zu denselben Kriterien. Der Vorher-Nachher-Vergleich gibt Aufschluss darüber, wem die neue Infrastruktur etwas bringt und wem nicht. In unserer Knowledge-Piece-Publikation erfahren Sie, warum die Analyse der Ausgangslage so wichtig ist.

Im Video erklären wir, was hinter der Wirkungsevaluierung steckt und warum es darauf ankommt, die Ausgangslage zu kennen.

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Bessere Lebensbedingungen

Befragung eines Anwohners, wie viel Zeit er täglich zum Wasserholen braucht EIB

Schon jetzt zeigen die Analysedaten klare Tendenzen. Mehr Hausanschlüsse und mehr Wasserdruck im Versorgungsnetz könnten den Zugang deutlich verbessern. Der tägliche Verbrauch würde steigen, und die Leute bräuchten weniger Zeit zum Wasserholen. Vor allem aber dürfte die Versorgung zuverlässiger werden.

Eine bessere Wasserversorgung käme auch der Hygiene zugute. Das gilt vor allem für Haushalte, die ans Netz angeschlossen werden.

In der Forschungsliteratur wird zwar von positiven Effekten in Sachen Bildung und psychische Gesundheit ausgegangen. Doch in Antananarivo gibt es dafür bislang kaum Anhaltspunkte. Weniger als 2,5 Prozent derjenigen, die Wasser holen, sind jünger als 17. Das hält Kinder und Jugendliche also nicht vom Schulbesuch ab. Auch in puncto mentales Wohlbefinden schnitten die befragten Haushalte im Vorfeld vergleichsweise gut ab.

Spürbar profitieren dürfte jedoch rund ein Zehntel der Befragten, bei denen es zu Hause wegen Wasser Spannungen gibt. Zeit sparen vor allem Frauen. Denn sie sind am häufigsten für das Wasserholen zuständig. Manche Frauen fühlen sich zudem nicht sicher, wenn sie dafür nachts rausmüssen.

Natürlich sind das alles zunächst Erwartungen. Der tatsächliche Effekt zeigt sich erst bei der zweiten Befragung nach Abschluss des Projekts. Trotzdem macht das Jirama-Projekt deutlich, wie wichtig eine gute Analyse der Ausgangslage für die Wirkungsevaluierung ist. Sie zeigt, wo wir stehen. Und sie macht klar, was realistisch zu erwarten ist. Das hilft bei den nächsten Schritten der Evaluierung – und kann sogar die Projektgestaltung verbessern.

Vorher-Nachher-Vergleich

Nach Abschluss des Projekts kommen wir wieder. Dann vergleichen wir, wie es den Menschen vorher ging und wie es danach läuft.

Die Analyse der Ausgangslage ist nicht nur Teil der Projektvorbereitung. Sie liefert auch wertvolle Informationen über die Lage vor Ort und darüber, was die Investitionen tatsächlich bewirken können. Sie ebnet sozusagen den Weg für echten Wandel.

Im Gespräch mit Einwohnerinnen und Einwohnern der Gemeinde Grand Tana.

Auf einen Blick