Nach der Revolution 2011 verließ die Private-Equity-Branche fluchtartig das Land. Jetzt wächst mit internationaler Hilfe eine neue Generation heran, die in aufstrebende Unternehmen investiert

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Ahmed El-Guindy ©EIB

Ahmed El Guindy arbeitete nach dem Studium für einen der größten Konzerne in Ägypten und im Nahen Osten. Er machte Karriere und übernahm bald die Leitung einer Tochterfirma für Vorhangfassaden, Fenster und Türen aus Aluminium und Glas. Aber El Guindy hatte noch größere Pläne: „Ich träumte immer davon, Partner und Teilhaber in einer Firma zu sein. Auf keinen Fall wollte ich mein Leben lang Angestellter oder Manager bleiben.“

2015 ergriff er seine Chance: Die Erben des Familienunternehmens AluNile suchten nach einem Käufer.  „Ich war überzeugt, dass ich AluNile weiterbringen konnte und sah gute Wachstumschancen. Aber ich brauchte einen Finanzpartner, möglichst mit Erfahrung im Management und Ausbau von Industrieunternehmen.“

Er fand ihn mit Ezdehar, einer ägyptischen Private-Equity-Firma, an der die Europäische Investitionsbank beteiligt ist. „Ich sprach mit sieben oder acht Investoren über meine Pläne, aber mit Ezdehar passte es einfach“, erzählt El Guindy, der jetzt CEO von AluNile ist. „Da stimmte von Anfang an die Chemie, und wir verstanden uns.“

Private Equity 2.0

Ezdehar ist der erste Vertreter einer neuen Generation unabhängiger Private-Equity-Firmen, die in Ägypten entstanden ist, nachdem die Branche von der Revolution 2011 praktisch weggefegt wurde.  Das 2014 gegründete Unternehmen wollte die einheimische Wirtschaft fördern und mithelfen, das Private-Equity-Geschäft in der Region wiederaufzubauen.

„Die Private-Equity-Branche in Ägypten war im Umbruch“, sagt Gründungspartner Emad Barsoum von Ezdehar. „Die Wettbewerbslandschaft lag nach den Umwälzungen im Land brach. Ägypten bemühte sich, mit einschneidenden Maßnahmen die Bedingungen für die Wirtschaft zu verbessern – mit Reformen, Investitionen in Infrastruktur und Energie und mit einem kapitalfreundlicheren Rechtsrahmen.“

Trotzdem war es schwierig, Investoren für den ersten Fonds von Ezdehar zu gewinnen. „Kaum jemand sah, was sich in Ägypten tat, und die meisten früheren Akteure hatten nicht gut abgeschnitten“, so Barsoum. „Außerdem waren wir neu und konnten noch keinerlei Track Record vorweisen.“

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Emad Barsoum ©EIB

Einer der ersten Investoren, der in den Fonds von Ezdehar einstieg, war die Europäische Investitionsbank. „Damals waren nur ganz wenige internationale Investoren bereit, sich in Ägypten zu engagieren“, erinnert sich Marius Chirila, der bei der Europäischen Investitionsbank für Equity Investments zuständig ist. „Selbst bei vielen Entwicklungsfinanzierungsinstituten gab es wegen des Länderrisikos Beschränkungen. Die EIB war der erste institutionelle Investor, der mit Ezdehar zusammenarbeitete. Insofern haben wir ganz wesentlich beim Neuaufbau der Private-Equity-Branche in Ägypten geholfen. Seither hat Ezdehar eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Das Team hat die Wirtschaft insgesamt erheblich vorangebracht und vor allem kleinen und mittelgroßen ägyptischen Unternehmen geholfen, zu wachsen und professionelle Strukturen nach internationalen Standards aufzubauen.“

Die Europäische Investitionsbank investierte Mittel aus der Risikokapitalfazilität für die Länder der südlichen Nachbarschaft, die von der Europäischen Kommission und der EIB eingerichtet wurde, in den ersten Fonds von Ezdehar. Neben der EIB sind auch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung‚ die niederländische Entwicklungsbank FMO und das britische Förderinstitut CDC am ersten Fonds von Ezdehar beteiligt.

Zweiter Private-Equity-Fonds in Ägypten

Nach dem Erfolg seines ersten Fonds will Ezdehar nun einen zweiten auflegen. Mit einem Zielvolumen von über 100 Millionen US-Dollar soll er sogar größer werden als der erste Fonds mit 84 Millionen US-Dollar.

Die Europäische Investitionsbank engagiert sich seit Anfang der 1990er-Jahre über Private Equity und Risikokapital in Schwellenländern und spielte in mehreren Ländern eine Schlüsselrolle bei der Gründung der ersten Fondsmanager. In vielen Schwellenländern sind die Kredit- und Kapitalmärkte nach wie vor unterentwickelt. Dort kann Private Equity vor allem kleinen und mittelgroßen Unternehmen entscheidend helfen. Neben Kapital erhalten sie auch Hilfe beim Aufbau professioneller Strukturen und der Einführung von Best Practices in puncto Umwelt, Soziales und Governance, kurz ESG-Standards.

„Private Equity 2.0 in Ägypten verdanken wir auf jeden Fall den internationalen Finanzinstituten“, sagt Barsoum. „Ohne sie wäre es nicht gegangen. Sie haben wirklich der gesamten Branche zu einem Neustart verholfen.“

Wohlstand und Private Equity in Ägypten

Wie Ahmed El Guindy hatten auch die Gründer von Ezdehars einen Traum.

„Private Equity ist ein Mittel zum Zweck, aber als wir das alles planten, sprachen meine Partner und ich viel über unsere Träume und Ziele“, erinnert sich Barsoum. „Ägypten ist ein großes Land in strategischer Lage mit 100 Millionen Menschen, aber wir haben kaum Exportfirmen und regionale Champions. Unser Traum ist es, eine ordentliche Anzahl von Unternehmen in Ägypten in der Governance und Professionalität so weit zu bringen, dass sie mit multinationalen Firmen mithalten können und international wettbewerbsfähig sind.

Ein gut entwickelter Private-Equity-Sektor könnte zig Unternehmen dorthin führen und vielen anderen indirekt helfen, weil er die Standards hebt.“

Karim Ragab, der bei Ezdehar für das operative Geschäft zuständig ist, erklärt: „Ezdehar bedeutet auf Arabisch Wohlstand. Wir sind überzeugt: Wenn wir Unternehmen helfen, professionell zu arbeiten und auf ihrem Gebiet besser zu werden, schaffen wir auch mehr Wohlstand in Ägypten und der Region. Unser Name ist also auch unser eigentlicher Firmenzweck.“

Private-Equity-Investitionsstrategie in Ägypten

Ein wichtiger Aspekt der Investitionsstrategie von Ezdehar ist deshalb auch, die ESG-Standards in den Unternehmen zu heben, an denen sich die Firma beteiligt.

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Karim Ragab ©EIB

 „Formale und professionelle Corporate-Governance- und Managementstrukturen haben klare Vorteile, und die meisten Unternehmen wissen das früh zu schätzen“, sagt Ragab. „Natürlich gibt es immer noch welche, denen es im Grunde nur um den Geschäftserfolg geht. Die versuchen beispielsweise, die Gehälter und Leistungen für ihre Beschäftigten zu drücken. Aber die Unternehmen, mit denen wir zusammengearbeitet haben, bezahlen ihre Leute fair, investieren in hohe ESG-Standards und schaffen trotzdem mehr Wert für sich selbst. Das zeigt doch: Eine gute Compliance und verantwortungsbewusste Unternehmensführung sind auch für die Firma selbst gut.“

Träume werden wahr

Als Ahmed El Guindy mithilfe von Ezdehar die Leitung von AluNile übernahm, baute er erst einmal die Führungsstruktur um, denn die Firma war wie viele andere Familienunternehmen fest in der Hand einer einzigen Person gewesen. Er legte Berichtslinien fest, schuf neue Abteilungen für Personalwesen, Kostenkontrolle und Lieferkettenmanagement und führte eine klare Struktur für die Personaleinstufung, Gehälter und Boni ein.

Das zahlt sich für das Unternehmen jetzt aus: In den letzten fünf Jahren wuchs der Umsatz um mehr als das Dreifache und die Zahl der Beschäftigten von 700 auf über 1 000.

„Wir expandieren weiter und haben ehrgeizige Pläne“, so El Guindy.

Dazu gehört auch eine neue Fabrik für Aluminiumrahmen auf einem 20 000 Quadratmeter großen Grundstück in der Nähe von Sadat Stadt. Außerdem wird demnächst auch für den Export produziert.

Für El Guindy ist das Ziel klar: „Wir wollen uns nicht nur in Ägypten durchsetzen, sondern auch in der Region vorne mitspielen.“