>@S. Parisse/EIB
©S. Parisse/EIB

Die Wiener Initiative hat die Gründung einer Arbeitsgruppe zur Kapitalmarktunion vereinbart. Dieser Schritt steht im Einklang mit dem Vorstoß der Europäischen Union zur Stärkung der Kapitalmärkte, der einen wesentlichen Einfluss auf die Finanzierung von Investitionen und nachhaltigem Wachstum in Mittel-, Ost- und Südosteuropa haben wird. „Der Aufholprozess der Region schreitet voran, und ein neues Wachstumsmodell zeichnet sich ab. Vor diesem Hintergrund ist die Stärkung und Diversifizierung der Finanzierungsquellen von enormer Bedeutung“, erläuterte Werner Hoyer, der Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), an deren Sitz in Luxemburg dieses Jahr die Plenarsitzung der Wiener Initiative 2.0 stattfand.

Alle Mitglieder des Forums sagten der neuen Arbeitsgruppe zur Kapitalmarktunion, die Ende 2017 Bericht erstatten wird, ihre volle Unterstützung zu. Die Arbeitsgruppe soll zur Diversifizierung der Finanzierungsinstrumente für Investitionen in der Region beitragen. Mithilfe des Netzwerks der Wiener Initiative wird sie strukturelle Hindernisse und regulatorische Lücken analysieren, die die Entwicklung der Kapitalmärkte in Mittel‑, Ost‑ und Südosteuropa bremsen, und Lösungen auf nationaler und regionaler Ebene erarbeiten.

Darüber hinaus befasste sich die Wiener Initiative in Luxemburg mit der Investitionsdynamik in der Region sowie mit Prioritäten und Hemmnissen. Sie untersuchte, wie neue Instrumente der internationalen Finanzierungsinstitutionen mit Fokus auf Umwelt, Infrastruktur, Innovation und KMU bestehende Finanzierungsmodelle ergänzen können. Die Wiener Initiative wurde auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise 2008/2009 als Plattform des privaten und öffentlichen Sektors eingerichtet, um sicherzustellen, dass westliche Bankengruppen ihre Tochtergesellschaften in Mittel-, Ost- und Südosteuropa in der Krise mit ausreichend Kapital und Liquidität versorgten. Im Januar 2012 wurde die Initiative unter der Bezeichnung „Wien 2.0“ wiederaufgelegt, da sich aus der Krise der Eurozone erneut Risiken für die Region ergeben hatten. Ihr Schwerpunkt liegt nun auf der verstärkten Koordination der Behörden in den Heimat- und Gastländern der Banken, um länderübergreifende Aktivitäten zu stabilisieren.

Auch die jüngste Entwicklung der Bankenregulierung in den Heimatländern sowie auf internationaler Ebene, die sich unterschiedlich auf die länderübergreifenden Aktivitäten auswirkt, wurde in Luxemburg diskutiert. Das Forum wurde ferner über den Stand der NPL-Initiative zum Thema notleidender Kredite informiert. Demzufolge wurde die Transparenz der Restrukturierungsrahmen erheblich verbessert, durch koordinierte technische Hilfe wurden Kompetenzen aufgebaut, und es fand ein Wissensaustausch statt. Diese Fortschritte erklären teilweise, warum die Zahl notleidender Kredite (NPL) in der Region zuletzt sank, und trugen zu mehr Markttiefe am Sekundärmarkt für NPL bei – in den zurückliegenden 18 Monaten wurden notleidende Kredite im Umfang von 7,3 Milliarden Euro verkauft. Das Forum tauschte sich ferner über die jüngste Dynamik bei notleidenden Krediten und über Regulierungsmaßnahmen auf EU-Ebene aus.

Des Weiteren stellten die Teilnehmer fest, dass alle Volkswirtschaften der Region im Jahr 2016 ein relativ starkes Wachstum verzeichneten, das auch 2017 anhalten dürfte. Diese positive Entwicklung wurde auch vom Bankensektor gestützt. Der vor allem seit 2011 zu beobachtende allgemeine Abbau der Fremdverschuldung bei den Mutterbanken ist nun weitgehend abgeschlossen, während die Einlagen aus dem Inland steigen. Dies gewährleistet, dass die in der Region tätigen Banken über ausreichend Kapital verfügen und die Abhängigkeit von Mitteln der Mutterbanken zurückgeht. Boris Vujcic, Gouverneur der kroatischen Notenbank und seit Kurzem Vorsitzender des Lenkungsausschusses der Wiener Initiative, betonte: „Die Wiener Initiative hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Länder der Region und ihre Bankensysteme den verschiedenen Belastungsproben der zurückliegenden Jahre standhalten konnten. Die aktuellen Arbeitsschwerpunkte – Überwachung der Mittel in der Region, Anpassung an die Banken- und Kapitalmarktunion, Ausbau der erfolgreichen NPL-Maßnahmen und Mobilisierung neuer Finanzierungsinstrumente für Investitionen – werden allen Teilnehmern auch in Zukunft einen erheblichen Nutzen bringen, davon bin ich überzeugt.“

Weitere Informationen und aktuelle Veröffentlichungen sind abrufbar unter: www.vienna-initiative.com

An der Plenarsitzung nahmen Vertreter folgender Länder teil: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Griechenland, Kosovo, Kroatien, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro, Österreich, Polen, Serbien, Slowakei, Slowenien, Ukraine und Ungarn. Des Weiteren nahmen Vertreter großer Bankengruppen mit Aktivitäten in den europäischen Schwellenländern – Erste, Intesa Sanpaolo, KBC, Raiffeisen, Société Genérale, UniCredit, National Bank Greece, Eurobank – und der Europäischen Kommission, des Europäischen Rats, der EBWE, der EIB, des Internationalen Währungsfonds und der Weltbankgruppe teil. Die EBA, die EZB, der ESM und die BIZ nahmen als Beobachter teil.