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Die Ukraine zu erreichen oder zu verlassen, ist derzeit schwierig. Züge sind im Krieg noch eines der wenigen verlässlichen Verkehrsmittel, auch im Landesinnern. Nur: Die Bahninfrastruktur wird immer wieder beschädigt.

„Wir reparieren, wir bauen wieder und wieder auf, um den Bahnverkehr aufrechtzuerhalten“, sagt Oleg Jakowenko, Strategiedirektor bei der ukrainischen Bahn. „Diese Resilienz ist zu unserem Markenzeichen geworden. Unsere Züge rollen auch noch, wenn Kälte und Schäden es fast unmöglich machen.“

Weil die Seehäfen und Flughäfen der Ukraine geschlossen sind, spielt die Bahn für Reisen und Handel in Richtung Europa eine zentrale Rolle. EIB-Fachleute für Beratung und Finanzierung helfen, große Projekte aufzugleisen. Damit alles nach Fahrplan läuft – und damit die ukrainische Bahn Anschluss ans europäische Schienennetz bekommt.

„Der Krieg hat unsere Beziehung zur Bank auf eine andere Ebene gehoben“, sagt Jakowenko. „Er hat uns gezeigt, wer unsere wahren Freunde sind.“

Das jüngste Beispiel: Im September 2025 wurde die Bahnstrecke zwischen Tschop und Uschhorod in Betrieb genommen, gebaut in europäischer Normalspur. Anders als die in der Ukraine übliche Spurweite von 1 520 Millimetern ermöglichen die europäischen 1 435 Millimeter grenzüberschreitende Fahrten ohne Stopp, um Radsätze oder Wagen zu wechseln.

Mit den Beratungsteams der EIB wurde die 22 Kilometer lange Strecke Tschop–Uschhorod in weniger als einem Jahr fertiggestellt.

Züge können jetzt direkt aus der Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei fahren. Das verkürzt Reisezeiten und erleichtert den Handel. Geplant ist eine Verbindung in europäischer Normalspurweite bis nach Lwiw und Tscherniwzi – die 22 Kilometer sind erst der Anfang.

Die Spurweitenumstellung kostet 24 Millionen Euro. Finanziert wird sie jeweils zur Hälfte durch einen EU-Zuschuss und einen Kredit der EIB.

Unterschiedliche Spurweiten

Ukrainial Railways
Ukrainial Railways

„Bei der Spurweite gibt es zwei sehr unterschiedliche Ansätze“, sagt Rafael Alcayde, Berater bei der EIB. Er arbeitet für JASPERS – eine Initiative, um Projekte in europäischen Regionen gemeinsam zu unterstützen. „Europäische Züge sind schneller und kürzer. Das bringt eine deutlich höhere Kapazität im Gesamtsystem. Anders die Züge mit einer Spurweite von 1 520 Millimetern: Sie sind schwerer und langsamer, bieten aber mehr Kapazität pro Zug.“

„Die Reisenden profitierten sofort von dieser Neuerung“, sagt Jakowenko. „Der schnellere Grenzübertritt und die Tatsache, dass sie im selben Zug sitzen bleiben können, machen die Fahrt viel angenehmer. Die Nachfrage stieg praktisch über Nacht.“

Auch den Bevölkerungsdruck in Uschhorod dürfte die neue Strecke mindern. In der Stadt sind viele Menschen aus dem Osten der Ukraine untergekommen, die wegen des Kriegs ihre Häuser verlassen mussten.

Die Verbindung Tschop–Uschhorod ist Teil eines umfassenderen Plans, die Bahnnetze der Ukraine und Moldaus in das EU-Netz einzubinden.

Mit Beratung in einer frühen Phase half die EIB, mehrere Straßen- und Schienenprojekte an der Grenze zur EU vorzubereiten. Dadurch erhielten diese Projekte EU-Mittel aus der Connecting-Europe-Fazilität. Außerdem genehmigte die EIB 2024 einen Kredit über 50 Millionen Euro für die ukrainische Bahngesellschaft Ukrsalisnyzja.

Auf Wunsch der Generaldirektion Mobilität und Verkehr der Europäischen Kommission erstellten die Beratungsteams der EIB einen Plan zur Integration des ukrainischen und des moldauischen Bahnnetzes in die EU. Darin wird vorgeschlagen, mit einer Normalspurverbindung von Lwiw nach Polen, nach Ungarn und in die Slowakei sowie von der moldauischen Hauptstadt Chișinău nach Rumänien zu beginnen.

Lwiw als neuer Verkehrsknoten

Weitere Projekte sind auf dem Weg. In Lwiw nahe der polnischen Grenze beschleunigen modernisierte Grenzanlagen die Abfertigung – für Reisende und Güter. Wie Uschhorod hat auch Lwiw seit Kriegsbeginn viele neue Einwohner. Über 70 Prozent aller Ukrainerinnen und Ukrainer, die nach Europa unterwegs sind, starten ihre Reise in Lwiw.

Die Beratungsteams der EIB begleiten aktuell mehrere Bahnprojekte:

  • Mit der 81 Kilometer langen Strecke zwischen Mostyska und Sknyliw erhält erstmals eine ukrainische Großstadt einen Normalspur-Anschluss. Anschließend ist eine Normalspur-Verbindung von Sknyliw zum Hauptbahnhof Lwiw geplant.
  • In modernen multimodalen Terminals werden Güterzüge abgefertigt. Sie sorgen für einen besseren Übergang zwischen Bahn und Straße.
  • Modernisierte Grenz- und Zollanlagen machen das Reisen schneller und effizienter.

Mit Machbarkeitsstudien und anderen Formen der Beratung unterstützte die Europäische Investitionsbank die Projekte von Anfang an. Außerdem legten ihre Beratungsteams die Grundlagen für mehr Tempo bei der Planung und eine kosteneffiziente Entwicklung. Dank neuer Methoden und Prozesse sollen EIB-Kredite und EU-Zuschüsse schneller verfügbar sein.

Eine der größten Herausforderungen: Die Bahninfrastruktur im laufenden Betrieb zügig und bezahlbar auf Normalspur umstellen. Die EIB half, Lösungen zu finden, wie die europäische und die ukrainische Spur dieselbe Infrastruktur nutzen können – für einen schrittweisen Übergang mit möglichst wenig Unterbrechungen im Bahnverkehr.

„Das Leben in der Ukraine ist unvorhersehbar, aber auf die Bahn ist Verlass“, sagt Jakowenko, Strategiedirektor bei der ukrainischen Bahn. „Die Menschen können ihre Abfahrt und Ankunft immer noch planen, selbst mitten im Krieg fahren die Züge weiter.“