Die Präsidentin der EIB‑Gruppe Nadia Calviño sprach bei einem Meinungsaustausch mit den Mitgliedern des Ausschusses für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments über den Beitrag der EIB zur EU-Wettbewerbsagenda im Bereich Wirtschaft und Finanzen.
Vielen Dank, liebe Aurore, dass Sie mir heute diese Gelegenheit geben. Sehr geehrte Ausschussmitglieder! Ich ergreife immer sehr gern die Chance zum Gedankenaustausch mit dem ECON-Ausschuss des Parlaments. Und ich halte auch den Zeitpunkt für ausgesprochen gut. Er gibt mir Gelegenheit, eine zentrale Idee mit Ihnen zu teilen: Europa ist eine Supermacht. In letzter Zeit erkläre ich immer wieder, worauf diese Aussage beruht. Und nachdem ich heute beim Digital Europe-Treffen war und mehrere Unternehmen und Forschungszentren in Europa besucht habe, kann ich es nur bestätigen: Europa ist bei wichtigen Zukunftstechnologien ein globaler Spitzenstandort.
Ob Quanten- und Hochleistungsrechner, Industrierobotik, Advanced Manufacturing, Luft- und Raumfahrt, Biotechnologie, Healthtech, Medizintechnik oder fortschrittliche Pharmazeutika – Europa ist weltweite Spitzenklasse. Gleichzeitig sind wir der „Inkubator der Welt“, denn für einen großen, integrierten Markt und das notwendige Startkapital müssen junge Unternehmen oft woanders hin gehen. Wir wissen, was zu tun ist, damit Europa seiner globalen Führungsrolle auch in puncto Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit gerecht wird. Wir brauchen eine tiefere Integration – auch bei den Kapitalmärkten. Wir müssen groß angelegte Investitionen in kritische Infrastruktur und strategische Fähigkeiten anstoßen. Wir brauchen Vereinfachung, damit die EU agiler und effizienter wird. Und wir müssen rund um den Erdball Win-win-Partnerschaften aufbauen, um unsere Lieferketten zu diversifizieren und neue Märkte für unsere Waren zu öffnen.
Mit neuen Investitionen von 100 Milliarden Euro im Jahr 2025 – und an dieses Rekordniveau wollen wir 2026 anknüpfen – trägt die Europäische Investitionsbank-Gruppe maßgeblich zu dieser Agenda bei. In diesem Zusammenhang möchte ich auf zwei zentrale Punkte eingehen.
Erstens: Wir müssen auf unseren Stärken aufbauen. In sich rasch verändernden Branchen hat Europa einen Wettbewerbsvorteil, weil wir zwei Dinge verbinden: Tempo und Umfang. Und das ist exakt, was der ECON-Ausschuss anstrebt – Initiativen schnell und in großem Umfang umsetzen. Die EIB macht dasselbe. Wir investieren Rekordsummen: in Energienetze, in technologische Innovation, in Sicherheit und Verteidigung, in Wohnraum, Wasser und Kohäsion. Und dabei versuchen wir, unsere Wirkung in der EU und auch in anderen Regionen zu maximieren. Es ist toll, dass sich bei den EU-Institutionen und in den Mitgliedstaaten so viel bewegt, damit wir in diesen Bereichen vorankommen und unsere Ziele erreichen – sei es bei künstlicher Intelligenz oder auch bei der Energiewende, wie Sie, Frau Präsidentin, bereits erwähnt haben.
Zweitens: Wir müssen privates Kapital mobilisieren. Und hier geht es nicht nur um den öffentlichen Sektor. Es geht darum, über EU-Haushaltsmittel weiteres Kapital verfügbar zu machen. Und genau da ergibt sich eine große Chance. Denn im aktuellen geopolitischen Kontext ist Europa ein Leuchtturm der Stabilität und des Vertrauens – zwei Werte, die in diesen turbulenten Zeiten besonders hoch im Kurs stehen. Europa wird gerade immer interessanter für Investoren, die neue Möglichkeiten für ihr Kapital suchen. Und auch da spielt die EIB-Gruppe eine Schlüsselrolle: Wir mobilisieren privates Kapital. 2025 lag unser Anteil bei Venture Debt in Europa bei 30 Prozent; bei Risikokapital waren wir mit 25 Prozent dabei. Damit sind wir ganz klar ein Katalysator für privates Kapital. Jetzt beteiligen wir uns an neuen Initiativen, um die künftige Gesetzgebung für die Spar- und Investitionsunion mitzugestalten. Mit neuen Bottom-up-Instrumenten wollen wir Privatkapital mobilisieren.
Das sind die beiden zentralen Ideen, die ich heute mit Ihnen teilen wollte. Abschließend möchte ich noch auf den Mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034 eingehen. Unsere zentrale Idee lautet hier: Lassen Sie uns auf Bewährtem aufbauen. InvestEU ist eine echte europäische Erfolgsgeschichte. Und die Europäische Investitionsbank trägt wesentlich zur Umsetzung bestehender Instrumente bei – Instrumente wie InvestEU für die EU-Länder und NDICI/Europa in der Welt für Regionen außerhalb der EU. Mit jedem Euro aus EU-Haushaltsgarantien hebeln wir 15 Euro für Investitionen, die vor Ort Wirkung entfalten. Und was bei InvestEU bemerkenswert ist: 70 Prozent der mobilisierten Investitionen stammen aus dem Privatsektor. Aus unserer Sicht ist diese enge Partnerschaft zwischen der EIB und der Europäischen Kommission zur Hebelung von EU-Haushaltsmitteln eine sehr solide Grundlage für den nächsten Finanzrahmen.
Es wird Sie nicht überraschen: Die EIB-Gruppe – von Hause aus paneuropäisch aufgestellt, mit einer robusten Bilanz, einem AAA-Rating, starken Partnerschaften in Europa und weltweit, zentrales Mitglied der Familie multilateraler Entwicklungsbanken und nationaler Förderbanken – ist der ideale Partner für die neuen Instrumente, die gerade entwickelt werden. Ich bin überzeugt, dass wir das Potenzial der EU-Haushaltsmittel in Zukunft voll ausschöpfen können. Und ich danke dem ECON-Ausschuss, dass er die zentrale Rolle der EIB ganz klar unterstützt – heute und auch in den kommenden Jahren.
Vielen Dank! Ich freue mich auf Ihre Fragen.