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Die Präsidentin der EIB-Gruppe, Nadia Calviño, sprach in Den Haag bei einer Abschiedsveranstaltung für Ingrid Thijssen, Präsidentin des niederländischen Industrie- und Arbeitgeberverbands VNO-NCW.


EIB

Wir hatten einen sehr intensiven Tag, liebe Ingrid, aber das ist der Höhepunkt. Ich freue mich, diesen Moment mit dir teilen zu dürfen: um dich zu verabschieden, dir Danke zu sagen und dir alles Gute zu wünschen. Seit zwei Jahren bin ich Präsidentin der Europäischen Investitionsbank, und unsere Zusammenarbeit in dieser Zeit war wirklich ausgezeichnet.

So viele Menschen sind heute hier zusammengekommen. Das zeigt, wie sehr du geschätzt wirst und welches beeindruckende Vermächtnis du hinterlässt.

Ich verstehe kein Niederländisch, aber mit Vizepräsident de Groot direkt neben mir habe ich einen sehr guten Dolmetscher. Die Rede, die wir gerade gehört haben, spiegelt deine wichtigsten Fähigkeiten sehr gut wider: Brücken bauen, Partnerschaften schmieden, Wirtschaft und Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, niederländische und europäische Institutionen zusammenbringen. Daher ist es nur natürlich, dass eine europäische Institution – die Europäische Investitionsbank – in diesem sehr bewegenden Moment dabei ist. Denn diese Partnerschaften sind heute, wo der Umbau der Weltordnung in eine neue Phase eintritt, wichtiger denn je.

Eine Phase, die augenscheinlich von zwei Worten geprägt wird: Konflikt und Unsicherheit. Eine neue Phase, die die Kernelemente der außerordentlichen Errungenschaften der Niederlande und Europas in den letzten 80 Jahren auf die Probe stellt. Von einigen, die früher unsere Partner waren, werden sie sogar direkt angegriffen. Aber meine wichtigste Botschaft an dich heute – eine Botschaft, die einige Rednerinnen und Redner nach mir vermutlich ebenfalls im Gepäck haben – lautet: Es gibt sehr gute Gründe, Vertrauen in uns selbst zu haben.

Denn in diesem schwierigen Umfeld wird Europa zunehmend als Leuchtturm der Hoffnung und Stabilität wahrgenommen. Europa als Ganzes, mit seinen sehr dynamischen Volkswirtschaften, und die Niederlande ragen immer als eine der dynamischsten Volkswirtschaften heraus. Diese Volkswirtschaften erweisen sich zunehmend als Schutzraum für Forschung, für Talente, für Vernunft, für gegenseitigen Respekt, für Rechtsstaatlichkeit.

Es ist nur natürlich, dass du an die Universität Delft gehst – dort hast du die Möglichkeit, Talente zurückzuholen, die Europa in der Vergangenheit verlassen haben. Denn immer häufiger sehen wir, dass Forschende auf unseren Kontinent zurückkehren. Sie sind ein mächtiger Trumpf: Sie untermauern unsere Lebensweise. Sie machen Europa als Ziel für Kapital und Investitionen sehr attraktiv – als Sicherheitsanker für Unternehmen, globale Investoren und Regierungen in aller Welt.

Die Gunst der Stunde

Ich möchte dir heute drei Kernbotschaften zu diesen Themen mitgeben. Die erste: Es ist wichtig, dass Europa die Gunst der Stunde nutzt und auf seinen Stärken aufbaut. Denn Europa ist ein Kraftzentrum. Wir sind eine 19 Billionen Euro schwere Wirtschaft. Eine globale Supermacht in Technologie, Handel und Industrie – in vielen Fällen auf Augenhöhe mit den USA und China. An der Universität Delft wirst du entdecken, wie sehr Europa in vielen Bereichen ein Kraftzentrum ist.

Heute Morgen habe ich den Hafen von Rotterdam besichtigt – eine der beeindruckendsten Infrastrukturen, die wir in Europa haben. Die Niederlande stehen im Zentrum dieses europäischen Momentums. Im vergangenen Jahr haben wir dort mit einem Rekordbetrag von 4,1 Milliarden Euro Projekte finanziert, von Stromnetzen – die Spitze von TenneT ist heute auch hier, ich muss nicht erklären, wie enorm wichtig diese Netze für die Zukunft sind – bis Wasser, Innovation und Technologie, über unsere niederländischen Bankpartner, von denen einige heute ebenfalls anwesend sind.

Wir fördern kleine und mittlere Unternehmen. Und die Europäische Investitionsbank ist wirklich stolz darauf, die Niederlande und niederländische Innovatoren zu unterstützen. Denn wir sind Europas Schrittmacher. Wir finanzieren Unternehmen wie Lumicks. Vor einigen Monaten hatte ich die Gelegenheit, dieses in Technologien für die Krebsforschung aktive Unternehmen zu besuchen. Oder Xeltis, das künstliche Blutgefäße für Bypass-Operationen entwickelt. Bei diesen Investitionen geht es um mehr als blanke Zahlen oder abstrakte Konzepte. Sie verbessern ganz konkret das Leben der Menschen. Es sind nationale Erfolge, und es sind auch europäische Erfolge. Sie sollten uns Vertrauen geben, Selbstvertrauen in unsere Fähigkeit, auch künftig einen Weg zu Wohlstand zu finden.

Tempo und Umfang

Kommen wir zu meinem zweiten Punkt – ein Thema, auf das ich in all meinen Gesprächen von Investoren, Wirtschaft und Politik immer hingewiesen werde. Um Europas Stärken zu nutzen, müssen wir schnell und im großen Stil handeln. Wir haben Talente, wir haben Kapital. Unsere Priorität muss daher sein, dieses Kapital einzusetzen und Raum zu schaffen, damit unsere Talente glänzen können. Deshalb zählten Sicherheit und Verteidigung sowie der Aufbau entsprechender Kapazitäten im vergangenen Jahr zu den Top-Prioritäten der Europäischen Investitionsbank-Gruppe. Jetzt sind wir in diesem Bereich auf Kurs. 2026 wollen wir einen erheblichen Beitrag zur europäischen Spar- und Investitionsunion leisten: einen Bottom-up-Beitrag, ergänzend zu Gesetzgebungs- und anderen politischen Initiativen, damit wir Instrumente schaffen können, die private Investitionen fördern und mobilisieren.

Letztes Jahr haben wir die TechEU-Initiative gestartet, um verstärkt und umfangreicher in Technologieführer zu investieren: damit Ideen, Technologien und Unternehmen, die in Europa entstehen, auch in Europa wachsen und gedeihen können, und von hier, von den Niederlanden, von Europa aus, zu globalen Leadern werden. In diesem Kreis und in einem Land mit so vielen Erfolgsstorys und Beispielen muss ich das nicht weiter ausführen.

Ausweitung von ETCI und Defence Equity Facility

Aktuell arbeiten wir an einer zweiten Generation unserer European Tech Champions Initiative. Ziel ist, auch private institutionelle Anleger zu mobilisieren und an Bord zu holen, indem wir flexiblere Wege zur Unterstützung europäischer Innovatoren eröffnen. Außerdem weiten wir die Defence Equity Facility aus, damit wir das europäische Megafonds-Ökosystem und das neu entstehende Ökosystem auf Verteidigung spezialisierter Risikokapitalfonds stärken können. Die Niederlande sind hier ein sehr gutes Beispiel. Im Bereich Sicherheit und Verteidigung haben wir schon in eine Reihe von Fonds investiert, darunter der niederländische Keen Ventures.

In nur wenigen Jahren haben wir in Europa 14 Megafonds mit einem Volumen von über 1 Milliarde Euro unterstützt und damit zu 11 Unicorns beigetragen. Einige davon finden sich hier in den Niederlanden, zum Beispiel Framer. Ich freue mich sehr, dass wir dieses Ökosystem aufbauen und Synergien heben können – nicht nur mit der niederländischen Regierung, mit der wir ausgezeichnet zusammenarbeiten, sondern auch mit der hiesigen Wirtschaft. Jetzt wollen wir, dass weitere Investoren ebenfalls Teil dieser Erfolgsgeschichte werden.

Sicherheit und Verteidigung habe ich bereits en passant erwähnt, aber angesichts der Entwicklungen um uns herum möchte ich erklären, wie sehr das Jahr 2025 eine Wende markiert. Wir erreichten unser Ziel, 5 Prozent unserer Finanzierungen in der EU für Sicherheit und Verteidigung bereitzustellen. Und wir haben eine solide Projektpipeline in den Bereichen militärische Mobilität und kritische Infrastruktur, Forschung und Entwicklung sowie industrielle Kapazität. Zum Beispiel in der Drohnenproduktion, bei der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen in Europa. Und ich kann Ihnen sagen: In den 10 Minuten, die wir draußen waren, hatten wir bereits ein sehr gutes Gespräch darüber, wie wir auch die Niederlande einbinden können, um das Ökosystem kleiner und mittlerer Unternehmen zu stärken.

Lassen Sie mich noch zur Förderung der auf Risikokapital spezialisierten Fonds kommen. Und ich möchte ein Wort zu Robert de Groot sagen, der Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank ist. Er ist Ihnen allen bestens bekannt, und er bewegt wirklich etwas. In unserer Institution treibt er ganz konkret die Arbeitsschiene zu Sicherheit und Verteidigung voran. Da wir im vergangenen Jahr so erfolgreich waren, bin ich recht zuversichtlich, dass wir auch dieses Jahr erfolgreich sein werden: bei der Skalierung unserer Fähigkeit, innovative Technologien, Innovatoren und disruptive Unternehmen in Europa zu finanzieren und privates Kapital dafür zu mobilisieren.

Einheit ist unsere Stärke

Das bringt mich zu meinem dritten und letzten Punkt – eine sehr einfache, sehr klare Botschaft: Wenn wir Europäerinnen und Europäer zusammenhalten, sind wir nicht zu stoppen.

Ich glaube, das war auch die Botschaft der vorherigen Rede, die daran erinnerte, wie du in der Pandemie und während des Krieges vorgegangen bist – wie du alle zusammengehalten, die Kräfte des öffentlichen und privaten Sektors gebündelt hast, damit wir diese Herausforderungen überwinden konnten.

Unsere Einheit ist wirklich unsere größte Stärke, und das sollte der richtige Weg in die Zukunft sein, oder?

Im vergangenen Jahr mobilisierten wir bei der Europäischen Investitionsbank Finanzierungen von 100 Milliarden Euro. Das ist ein Rekord. Wir finanzierten die Hälfte aller Projekte zur Verstärkung der Energienetze in Europa, jede fünfte Solaranlage, jedes dritte Onshore-Windprojekt und die meisten Offshore-Windparks, die derzeit in Europa im Bau sind. Heute Morgen haben wir in Rotterdam eine Vereinbarung unterzeichnet, bei der es um Elektrifizierung geht: Schiffe, die in den Hafen einlaufen, können künftig den Motor abschalten, sobald sie angelegt haben, und sich an das Landstromnetz anschließen. Das senkt die CO2-Emissionen, reduziert Kosten und verringert unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Also wirklich eines dieser Projekte, auf die ich stolz bin, weil sie vor Ort einen echten Unterschied machen.

Eins ist klar: Wir müssen Kurs halten und unsere Kräfte bündeln. Dann können wir Märkte integrieren, Regeln vereinfachen, umfassende Investitionen mobilisieren und weltweit starke Partnerschaften aufbauen.

Brücken zwischen Wirtschaft und Gesellschaft

Außerdem brauchen wir Brückenbauer. Ingrid ist dafür das beste Beispiel. Denn du wirst ab jetzt Innovatoren mit Forschenden unter einem Dach zusammenbringen. Du wechselst in eine andere Dynamik, in eine andere Dimension, aber im Kern geht es um dasselbe: Brücken bauen. Wie lässt sich die Lücke zwischen Forschung und Innovation schließen? Wie lässt sich sicherstellen, dass das Universitätsnetz in den Niederlanden, in Europa zusammenarbeitet mit dem Ziel, unsere Fähigkeiten zu skalieren? Wie lassen sich Finanzierungen der EIB, der nationalen Förderbank, des Privatsektors mobilisieren, um dort zu investieren, wo es darauf ankommt?

Ich kann nur wiederholen, was mein Vorredner sagte: Diese Aufgabe ist wie für dich gemacht. Der perfekte nächste Schritt in deiner Karriere.

Du kannst weiter auf Europas Stärken aufbauen und bist noch näher an der Realität vor Ort. Du hast das Glück, unter jungen Menschen zu sein – eine großartige Chance. Ich glaube, wir alle beneiden dich darum. Sie sehen die Zukunft anders, und sie bauen eine bessere Zukunft. Da bin ich mir absolut sicher.

Dieser Schritt wird ein weiteres wunderbares Kapitel in unserer Partnerschaft eröffnen.

Alles Gute, zähl auf uns und viel Glück. Ich freue mich sehr darauf, von deinen künftigen Erfolgen zu hören.

Vielen Dank.