Der nachfolgende Text gibt die Ansicht der Autoren wieder, die nicht unbedingt der Sichtweise der Europäischen Investitionsbank entspricht.


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Ich weiß nicht genau, was Europa ist. Wenn ich diese Frage in einem Satz beantworten müsste, böten sich die Worte des heiligen Augustinus aus seinen Bekenntnissen an, mit denen er zu einer Reflexion über das Wesen der Zeit ausholt: „Wenn mich niemand darnach fragt, weiß ich es, wenn ich es aber einem, der mich fragt, erklären sollte, weiß ich es nicht.“ Aber halt, das stimmt nicht ganz. Ich weiß doch einiges über Europa: Für viele Menschen, vielleicht gerade für viele junge Menschen, ist Europa heute gleichbedeutend mit der Europäischen Union. Und die Europäische Union ist für viele – jung wie alt – schlimmstenfalls eine unwahrscheinliche und lustlose Vereinigung von Ländern mit viel Vergangenheit und wenig Zukunft und bestenfalls eine supranationale, kalte und abstrakte Entität, deren Hauptstadt sich an einem entfernten, kalten und abstrakten Ort namens Brüssel befindet. Eine Entität, von der man nicht genau weiß, wozu sie eigentlich dient – außer dass sie Massen von grauen Bürokraten Arbeit verschafft und von populistischen Politikern aus ganz Europa benutzt wird, um ihr die Schuld an allem Übel im eigenen Land zu geben. Dabei ist es egal, dass die Wirklichkeit eine ganz andere ist: dass von der Europäischen Union heute das Wohlergehen der Europäer abhängt; dass ihre Institutionen Schulen, Krankenhäuser, Bibliotheken und Straßen bauen, kleinen und mittleren Unternehmen unter die Arme greifen und wissenschaftliche Forschung finanzieren. All diesen sichtbaren und spürbaren Erfolgen zum Trotz: Viele Menschen begegnen Europa – oder zumindest der Europäischen Union – mit Argwohn und Gleichgültigkeit.

©Mike Kemp/Getty Images

EUROPA: DAS VERSPRECHEN VON MODERNITÄT, WOHLSTAND UND FREIHEIT

Nicht immer war das Bild von Europa so negativ, zumindest nicht überall –im Gegenteil. Europa war jahrhundertelang der große Traum vieler Spanier. Seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts war ihnen bewusst, dass sie in einem Land lebten, das sich isolierte und immer stärker unter Armut litt, unter mangelnder Bildung, fehlenden Freiheiten, fortschrittsfeindlichem Dogmatismus und der Fiktion eines untergehenden Imperiums. Wer unter meinen Vorfahren weitsichtig war, erkannte ab der Mitte des 18. Jahrhunderts das Versprechen auf Modernität, Wohlstand und Freiheit, das Europa bot. Ich selbst wuchs mit dieser Idee in einem Spanien auf, das unter großen Mühen versuchte, den Franquismus hinter sich zu lassen. So weit braucht man aber gar nicht zurückzugehen, und man braucht sich auch nicht auf meine eigene Erfahrung oder die meiner Landsleute zu beschränken. Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt, direkt nach der Geburt des Euro, als die europäische Verfassung und die EU-Erweiterungen vorbereitet wurden und die ersten Sitzungen zur Schaffung einer gemeinsamen europäischen Verteidigung stattfanden, schien ein vereintes Europa als die große Weltmacht des 21. Jahrhunderts heranzuwachsen – die einzige, die die Hegemonie der USA oder Chinas infrage stellen könnte. So verbreitet war diese Vorstellung, dass 2004 der junge britische Politologe Mark Leonard es wagte, ein Buch zu veröffentlichen mit dem Titel Warum Europa die Zukunft gehört 1 , und der bekannte US-amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin meinte: „Während der amerikanische Geist [...] erlahmt, erleben wir die Geburt eines neuen Europäischen Traums“.2 Rifkins Fazit damals: „Die Europäer haben einen visionären Weg vorgezeichnet“, der in ein neues gelobtes Land für die Menschheit führt. Kaum zu glauben, aber so äußerten sich noch vor Kurzem Vordenker aus aller Welt zu Europa.

GRÜNDUNG DES HEIDNISCHEN UND CHRISTLICHEN PESARO (AUSSCHNITT), GIOVANNI ANDREA LAZZARINI (1710 –1801) ©Getty Images

Wer unter meinen Vorfahren weitsichtig war, erkannte ab der Mitte des 18. Jahrhunderts das Versprechen auf Modernität, Wohlstand und Freiheit, das Europa bot.

IST DER EUROPÄISCHE TRAUM TOT?

An diesem Punkt drängt sich die Frage auf: Was war geschehen, dass all diese Träume wie von einem Tag auf den anderen zerplatzten? Und dass schon im Mai 2010 ein so einflussreicher Journalist wie Gideon Rachman in der Financial Times über den Tod des europäischen Traums schrieb? Auch die Antwort drängt sich auf: die schwerste Wirtschaftskrise in Europa seit 1929. Eine Krise, die anders als damals keinen Weltkrieg auslöste, aber doch ein schweres politisches Erdbeben. Zudem waren die schlimmsten Dämonen Europas wiedererwacht, allen voran der Nationalismus, der Dämon der Zwietracht und der Spaltung. Jetzt, wo die Krise überwunden scheint, stellt sich die Frage: Kann Europa wieder das sein, was es für meine spanischen Vorfahren und für mich in meiner Jugend war? Was es für alle oder fast alle Menschen zu Beginn dieses Jahrhunderts war? Ich weiß es natürlich nicht, daher kehre ich zur Eingangsfrage zurück: Was ist Europa? Besitzt Europa eine Identität, so wie anscheinend Frankreich oder Deutschland, Großbritannien oder Italien, Norwegen oder Spanien? Und wenn ja, worin besteht diese Identität? Haben Dante und Shakespeare, Cervantes und Montaigne, Ibsen und Goethe etwas gemeinsam? Gibt es etwas, das all diese Dichter verbindet, die nicht einmal eine Sprache sprechen? Und reicht es eigentlich, dieselbe Sprache zu sprechen, um eine gemeinsame Identität zu haben? Haben Milton und Melville oder Quevedo und Borges eine gemeinsame Identität?

Die schwerste Wirtschaftskrise in Europa seit 1929. Zudem waren die schlimmsten Dämonen Europas wiedererwacht, allen voran der Nationalismus, der Dämon der Zwietracht und der Spaltung.

Vor einigen Jahren unternahm George Steiner den Versuch einer Definition der europäischen Identität. Auf einer Konferenz argumentierte er mit seiner „Idee von Europa“, dass sich unser Kontinent auf fünf Axiome reduzieren lasse. Das erste Axiom definiert Europa über seine Cafés. Jene Orte der Begegnung, an denen man schreibt, debattiert oder Komplotte schmiedet und an denen die großen Philosophien entstanden, die großen künstlerischen Bewegungen und die großen ideologischen und ästhetischen Revolutionen. Beim zweiten Axiom geht es um Europas gezähmte und erlauf- und passierbare Landschaft, eine Landschaft von menschlichen Dimensionen, die sich von den wilden, unermesslichen und unwegsamen Landschaften Asiens, Amerikas, Afrikas oder Ozeaniens unterscheidet. Das dritte Axiom präsentiert Europa als geschichtsträchtigen Ort, als riesigen lieu de la mémoire – Ort der Erinnerung, an dem die Namen der Straßen und Plätze an eine stets gegenwärtige Vergangenheit erinnern, glanzvoll und erdrückend zugleich. Steiners viertes Axiom sieht Europa als Wahrer eines doppelten, widersprüchlichen und untrennbaren Erbes: Athen und Jerusalem, Sokrates und Jesus Christus, Vernunft und Offenbarung. Das fünfte Axiom schließlich definiert Europa über sein eschatologisches Bewusstsein, das Bewusstsein seiner eigenen Vergänglichkeit, der düsteren Gewissheit, dass es einen Anfang hatte und unweigerlich ein mehr oder weniger tragisches Ende haben wird.

MIGUEL DE CERVANTES SAAVEDRA (1547–1616), AUTOR DES „DON QUIJOTE VON DER MANCHA“, BEDEUTENDSTES WERK DER SPANISCHEN LITERATUR ©Getty Images

Unser Kontinent lässt sich auf fünf Axiome reduzieren. Das erste Axiom definiert Europa über seine Cafés. Beim zweiten Axiom geht es um Europas gezähmte und erlauf- und passierbare Landschaft. Das dritte Axiom präsentiert Europa als geschichtsträchtigen Ort. Steiners viertes Axiom sieht Europa als Wahrer eines doppelten, widersprüchlichen und untrennbaren Erbes. Das fünfte Axiom schließlich definiert Europa über das Bewusstsein seiner eigenen Vergänglichkeit.

  • 11 Oktober 2019

DIE EINZIGE IDENTITÄT EUROPAS IST SEINE VIELFALT

Diese fünf Axiome definieren Steiner zufolge das Wesen Europas. Diese Idee ist gewiss brillant und provokativ, geht aber nicht weit genug. Zweifellos gehören diese Wesenszüge zu Europa; fest steht aber auch, dass sie nicht ausreichen, um seine Identität zu beschreiben. Ich bin mir sicher, dass Steiner das weiß. Und er weiß sicher auch, dass nicht die Antwort, die er auf die Frage nach der Identität Europas gibt, das Problem ist, sondern die Frage selbst. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts schrieb Montaigne: Es gibt „so viele Unterschiede zwischen uns und uns selbst wie zwischen uns und den anderen.“ 3

MICHEL EYQUEM DE MONTAIGNE (1533–1592), AUTOR DER „ESSAIS“ ©Getty Images

Der große französische Schriftsteller hatte schon lange vor Freud verstanden, dass die individuelle Identität in gewissem Sinne eine Fiktion ist; dass sich in unserem Inneren ein drama em gente – ein „Drama in Leuten“ – abspielt, um die Worte von Fernando Pessoa zu benutzen, mit denen er die Heterogenität seines Werks beschrieb; oder dass wir ein Bündnis verschiedener Seelen in uns tragen, wie es eine Figur bei Antonio Tabucchi in Anlehnung an Pessoa erklärte.

Wenn die individuellen Identitäten aber eine Illusion sind, gilt das dann nicht auch für die kollektiven Identitäten? Kollektive Identitäten – angefangen bei der spanischen – sind in Wirklichkeit nicht mehr als kollektive Erfindungen, hergeleitet oder gleich diktiert von staatlichen Mächten, die wie alle Mächte sehr wohl wissen, dass man, um Gegenwart und Zukunft zu beherrschen, zunächst die Vergangenheit beherrschen muss. Das heißt: Wir müssen ein Narrativ der Vergangenheit schaffen, das eine gemeinsame Gegenwart legitimiert und eine gemeinsame Zukunft vorbereitet. Im Grunde ist die einzig glaubhafte Identität Europas seine Vielfalt – eine widersprüchliche oder unmögliche Identität, ein Oxymoron. Und das einzige Narrativ, das sie legitimieren könnte, wäre die wahre Geschichte Europas als Gruppe alter Länder mit eigener Sprache, Kultur, Tradition und Geschichte, die nach jahrhundertelangen, erbarmungslosen Kämpfen eines Tages beschlossen, sich zusammenzutun und ein neues Land aufzubauen, das durch die gemeinsamen Werte Eintracht, Wohlstand und Freiheit geeint wird.

Das vereinte Europa ist die einzige vernünftige politische Utopie, die wir Europäer im Laufe der Geschichte zustande gebracht haben.

So betrachtet käme als Leitspruch Europas eines der ersten Mottos der Vereinigten Staaten infrage, jener politischen Utopie, die die Aufklärung befruchtete und historisch bisher am erfolgreichsten war. Das Motto lautete: E pluribus unum – aus vielen Ländern, Sprachen, Kulturen, Traditionen und Vergangenheiten ein einziger Staat. An diesem Punkt muss ich ein Geständnis machen. Europa ist für mich immer das geblieben, was es für mich als Jugendlicher war, der gerade das Ende einer nicht enden wollenden Diktatur erlebt hatte; das, was es jahrhundertelang für die besten Köpfe unter meinen spanischen Vorfahren war. Mit anderen Worten: Wie mein Freund Erri de Luca bin ich ein europäischer Extremist. Für mich ist das vereinte Europa die einzige vernünftige politische Utopie, die wir Europäer im Laufe der Geschichte zustande gebracht haben.

Abschreckende politische Utopien – Paradiese in der Theorie, die zur Hölle in der Praxis wurden – haben wir im Überfluss erfunden; vernünftige politische Utopien, soweit ich weiß, nur diese eine: die eines geeinten Europas. Meiner Meinung nach gibt es unendlich viele Argumente für diese Idee. Sie sind so naheliegend, dass wir sie wohl meist übersehen, leben wir doch in einer Diktatur der Gegenwart, in der das Gestern bereits Vergangenheit ist und alles, was vor einer Woche geschah, praktisch graue Vorzeit.

Ich will nur drei dieser Argumente erwähnen. Erstens: Europas Volkssport ist nicht, wie so viele glauben, der Fußball, sondern der Krieg. Im vergangenen Jahrtausend haben wir Europäer uns ohne Pause und in allen erdenklichen Formen gegenseitig umgebracht: im Hundertjährigen Krieg, im Dreißigjährigen Krieg, in Bürgerkriegen, in Religionskriegen, in ethnischen Kriegen oder in Weltkriegen, die in Wirklichkeit europäische Kriege waren. Furchtbar und irrsinnig grausam waren diese Weltkriege. George Steiner erinnert daran, dass zwischen August 1914 und Mai 1945 von Madrid bis an die Wolga, von der Arktis bis nach Sizilien, etwa Hundert Millionen Männer, Frauen und Kinder Gewalt, Hunger, Deportationen und ethnischen Säuberungen zum Opfer fielen. Westeuropa und der Westen Russlands wurden zur Heimstätte des Todes, zum Schauplatz einer bisher nicht gekannten Brutalität, ob in Form von Auschwitz oder des Gulag. Ganz offensichtlich entstand das Projekt der Europäischen Union aus dem Grauen dieses unbeschreiblichen Blutvergießens und aus der von Vernunft, Abscheu und Mut getragenen Überzeugung, dass sich so etwas in Europa nicht wiederholen darf. Ganz offensichtlich – und bemerkenswert – sind die Folgen dieser Überzeugung: Mein Vater hat den Krieg erlebt, mein Großvater hat den Krieg erlebt, meine Urgroßväter und Ururgroßväter und wahrscheinlich alle meine Vorfahren haben den Krieg erlebt – nur ich nicht. Ich gehöre also zur ersten Generation in Europa, die keinen Krieg gekannt hat, zumindest – vergessen wir die brutalen Kämpfe nicht, die Jugoslawien zerrissen – keinen Krieg zwischen den großen europäischen Mächten. Deshalb halten viele heute einen erneuten Krieg in Europa für undenkbar. Mir erscheint das naiv.

In der Geschichte Europas sind Kriege nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Und es müssen nur wieder ernste Schwierigkeiten auftreten wie nach der Krise von 2008, damit der Nationalismus mit seiner ganzen Kraft wiederaufersteht. Er war die Ursache, die Standarte und der Nährboden aller europäischen Kriege in den letzten zwei Jahrhunderten. Europa hat sich zusammengeschlossen, um ihn zu bekämpfen. Aber das ist eine schwierige Aufgabe. Der Nationalismus ist keine politische Ideologie, er ist ein Glaube – nicht umsonst trat die Nation an die Stelle Gottes als politisches Fundament des Staates. Diesen Glauben in Europa loszuwerden, wird fast genauso schwierig sein, wie Gott loszuwerden. Denn wie George Orwell beobachtet hat, ist den Nationalisten die Realität gleichgültig. Man kann es sich folglich sparen, ihnen faktengetreu darzulegen, warum beispielsweise der Austritt aus der EU ein schlechtes Geschäft für das Vereinigte Königreich ist oder das Geschwafel einiger Politiker gegen Immigranten tatsächlich nur Geschwafel ist, eine durch und durch fremdenfeindliche Wahnvorstellung. Sie werden weiter glauben, dass die Briten aus der EU austreten sollten und Immigranten eine Gefahr für ihre Arbeitsplätze und ihre Sicherheit sind. Sie werden immer noch für den Brexit stimmen. Condorcet [4] schrieb, menschliche Dummheit – vor allem politische Dummheit – habe ihren Ursprung so gut wie immer in der Angst; und Walter Benjamin meinte, glücklich sein heiße, ohne Furcht zu leben. Die Nationalisten sind unglücklich und fürchten sich sehr. Für sie, für viele von ihnen, ist die Europäische Union nur ein fernes, unnützes und seelenloses Etwas, das sie den Unbilden des Lebens aussetzt und zwingt, mit seltsamen Leuten zu leben, die seltsame Sprachen sprechen und seltsame Gebräuche haben. Sie sind stattdessen lieber unter ihresgleichen (oder vielmehr dem, was sie für ihresgleichen halten oder was ihnen als ihresgleichen verkauft wurde), im Schutze der falschen Sicherheiten von einst, unter dem Dach trügerischer kollektiver Identitäten, denen – wie Nietzsche sagen würde – der altbekannte Stallgeruch anhaftet. Zukunft lässt sich nur dann sinnvoll gestalten, wenn die Vergangenheit gegenwärtig ist. Daher ist es ein kolossaler Fehler, Europas düstere und zerstörerische Geschichte der Gewalt zu vergessen, so als habe sie nie existiert.

Zu vergessen, dass die Europäische Union entscheidend dazu beigetragen hat, diese finstere Vergangenheit hinter uns zu lassen, ist ein noch größerer Fehler.

GEORGE ORWELL, EIGENTLICH ERIC ARTHUR BLAIR (1903–1950), BRITISCHER SCHRIFTSTELLER UND JOURNALIST ©Getty Images

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum ich die Europäische Union für das attraktivste und ambitionierteste politische Projekt unserer Zeit halte. Wie wir wissen, war Europa jahrhundertelang der Mittelpunkt der Welt. Dies ist nicht mehr so. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht lesen oder hören, dass uns Europäern angesichts der Dynamik der neuen Großmächte im Grunde nur noch übrigbleibt, wie ruinierte Edelleute in den Ruinen unseres vergangenen Glanzes zu hausen, um die Worte des größten spanischen Dichters der Nachkriegszeit, Jaime Gil de Biedma, zu benutzen. Ich sehe aber keinen Grund 21 für diesen Pessimismus. Natürlich verlieren die europäischen Länder in der Welt zunehmend an Gewicht, vor allem, wenn wir sie mit China, Indien oder Brasilien vergleichen. Zusammen verfügen wir jedoch immer noch über enorme Macht. Nicht zuletzt sind wir mit einem Bruttoinlandsprodukt von 18 Billionen Euro im Jahr 2018 die größte Volkswirtschaft der Welt. Auch das politische Gewicht des vereinten Europas ist gering, selbst das kulturelle und wissenschaftliche Gewicht. Aber das liegt nicht an der Einheit Europas, sondern an seiner fehlenden Einheit – die alten Nationalstaaten wehren sich mit Zähnen und Klauen dagegen, Souveränität abzugeben und politisch in einem einzigen föderalen Staat aufzugehen. Die Utopie ist immer noch weit davon entfernt, Wirklichkeit zu werden. Daher kann niemand mit der aktuellen Funktionsweise der Europäischen Union zufrieden sein. Zunächst einmal ist da das skandalöse demokratische Defizit ihrer Institutionen. Dies ist vielleicht das größte Problem der EU. Ohne seine Lösung wird das ursprüngliche Projekt, das zwangsläufig ein Projekt der Eliten war und von einer aufgeklärten Avantgarde ersonnen und gesteuert wurde, nicht zu dem, was es eigentlich sein sollte: ein Projekt für alle, das von den Bürgern als Hauptpersonen direkt getragen wird.

DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT IN STRAßBURG ©Shutterstock

Zukunft lässt sich nur dann sinnvoll gestalten, wenn die Vergangenheit gegenwärtig ist. Daher ist es ein riesiger Fehler, Europas düstere und zerstörerische Geschichte der Gewalt zu vergessen, so als habe sie nie existiert. Zu vergessen, dass die Europäische Union entscheidend dazu beigetragen hat, diese finstere Vergangenheit hinter uns zu lassen, ist ein noch größerer Fehler.

Aber damit nicht genug: Wir haben keine gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik (dafür allerdings eine gemeinsame Währung und eine gemeinsame Zentralbank), und wir haben weder eine gemeinsame Innen- oder Außenpolitik noch eine gemeinsame Verteidigungspolitik – geschweige denn eine gemeinsame Kulturpolitik. Gerade in diesem Bereich, meiner eigenen kleinen Welt als Leser und Schriftsteller, ist die Uneinigkeit vollkommen, einmal abgesehen von den Kontakten und gegenseitigen Inspirationen, die es immer schon gegeben hat und die heute zugegebenermaßen leichter fallen als zuvor. Dennoch reichen sie bei Weitem nicht aus. Literatur, Bildung und intellektuelles Leben sind in jedem europäischen Land anders organisiert. Es gibt keine gemeinsamen Zeitungen, Zeitschriften, Radio- oder Fernsehsender und damit keine gemeinsame öffentliche Meinung. Auch haben wir keine europäischen Verlagshäuser und keine europaweit geführten Debatten. Ich bin nicht einmal sicher, ob wir viele wirklich europäische Schriftsteller haben – solche, die in ganz Europa von Bedeutung sind. Und dass ein europäischer Buchpreis existiert, den das Europäische Parlament jedes Jahr vergibt, weiß ich nur, weil vor drei Jahren einer meiner Romane damit ausgezeichnet wurde. Der Widerhall dieses Preises auf europäischer Ebene ist also sehr gering.

VIELFALT AN SPRACHEN, KULTUREN, TRADITIONEN UND AUTONOMIEN

Meine Gedanken mögen banal oder belanglos klingen, vor allem neben den großen wirtschaftlichen und politischen Themen. Ich sehe das jedoch nicht so. Vielleicht besteht die große Herausforderung für Europa – oder für das Europa, in dem ich gerne leben möchte – genau darin, zwei Dinge zu vereinen, die grundsätzlich unvereinbar erscheinen: kulturelle Vielfalt und politische Einheit. Ohne seine kulturelle Vielfalt wird Europa unweigerlich verarmen. Denn die Vielfalt an Sprachen, Kulturen, lokalen Traditionen und gesellschaftlichen Autonomien ist eine fast unerschöpfliche Quelle des Reichtums und muss bewahrt und gefördert werden.

Dies steht nicht im Widerspruch zu der Notwendigkeit, eine gemeinsame europäische Kultur zu schaffen, die sich durch ein gemeinsames intellektuelles Leben und eine Gemeinschaft der Interessen auszeichnet. Diese Kultur muss das sein, was sie seit dem Zerfall des Römischen Reichs im Grunde immer gewesen ist: die Frucht der gegenseitigen Bereicherung verschiedener Sprachen und Kulturen. Gleichzeitig scheint Europa ohne eine politische Union zum Scheitern verurteilt. Denn jene kulturell so fruchtbare Verschiedenartigkeit war politisch die Saat ethnischer Hassgefühle, regionaler Ansprüche und chauvinistischer Nationalismen, die Europa aufstachelten und mit Zerstörung bedrohten. E pluribus unum. Kehren wir zur Einheit in Vielfalt zurück, zur multiplen Identität von Europa, seinem ursprünglichen Oxymoron: Europa muss politisch eins und kulturell plural sein. Nur so wird Europa aus meiner Sicht sein Potenzial voll entfalten können und nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Ohne seine kulturelle Vielfalt wird Europa unweigerlich verarmen. Denn die Vielfalt an Sprachen, Kulturen, lokalen Traditionen und gesellschaftlichen Autonomien ist eine fast unerschöpfliche Quelle des Reichtums und muss bewahrt und gefördert werden.

Der dritte und letzte Grund, warum ich ein geeintes Europa für das wichtigste politische Projekt unserer Zeit halte, ist nicht weniger triftig als die beiden vorherigen. Er lässt sich allerdings mit weniger Worten erklären. Die klassischen politischen Denker betrachteten bestimmte Dinge als ideal für die Entwicklung der Demokratie. Rousseau nennt darunter in seinem Gesellschaftsvertrag (3. Buch, 4. Kapitel) „einen sehr kleinen Staat, in dem das Volk leicht zu versammeln ist und jeder Bürger genügende Gelegenheit hat, alle anderen kennenzulernen“. Diese Empfehlung ist heute ganz offensichtlich nicht mehr zeitgemäß. Denn eines der größten politischen Probleme unserer Zeit ist ein anderes: In unseren globalisierten Volkswirtschaften sind die großen transnationalen Unternehmen mächtig genug, um den nationalen Regierungen letztlich ihren Willen aufzuzwingen. Dies gilt vor allem für kleine Länder, die diesen Unternehmen nichts entgegenzusetzen haben und sich ihrem Diktat unterwerfen müssen. Ein wirklich geeintes Europa, das die Macht vieler Staaten hinter sich vereint, ist also möglicherweise die einzige Chance für die Politik, der blinden, allumfassenden Macht der Wirtschaft in unserer Gesellschaft Einhalt zu gebieten – und vielleicht das einzige Instrument, mit dem wir eine Demokratie wahren können, die diesen Namen wirklich verdient. Jürgen Habermas5 gehört zu denen, die diesen Aspekt zu Recht nachdrücklich betonen: „In einem einzelnen Land ist die Demokratie nicht mehr in der Lage, sich gegen die Begehrlichkeiten eines wilden Kapitalismus zu verteidigen, der keine nationalen Grenzen kennt.“6

GESCHICHTE DES NIEDERGANGS UND FALLS DES RÖMISCHEN REICHES, DRUCK AUS DEM 19. JAHRHUNDERT ©Getty Images

Die Demokratie eines einzelnen Landes ist nicht mehr in der Lage, sich gegen die Begehrlichkeiten eines wilden Kapitalismus zu verteidigen, der keine nationalen Grenzen kennt.

DREI SÄULEN: EINTRACHT, WOHLSTAND UND DEMOKRATIE

Eintracht, Wohlstand und Demokratie – die Europäische Union hat diese drei Säulen in den letzten 50 Jahren in Europa gefestigt. Sie sollten als Leitgedanken für unsere rationale zukünftige Utopie gelten. Schließlich unterscheiden sie sich nicht wesentlich von den Ideen der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Wie ich bereits sagte, ist die Utopie immer noch weit davon entfernt, Wirklichkeit zu werden. Wir erleben dies bei jeder schweren Krise in Europa aufs Neue – sei es Wirtschaftskrise oder Flüchtlingskrise. Die Europäische Union ist nicht in der Lage, einig aufzutreten. Jedes Land zieht sich hinter seine Grenzen zurück und verteidigt seine Pfründe, ohne sich um die gemeinsamen Interessen zu kümmern. Wir verstehen nicht, dass wir – zumindest im aktuellen Europa – unsere eigenen Interessen nur wahren können, wenn wir auch die der anderen Länder wahren. Denn die Interessen der anderen sind auch unsere eigenen.

Nein, es lässt sich nicht leugnen: Die Utopie ist noch nicht ganz Wirklichkeit geworden. Genau genommen ist es vielleicht besser so. Denn Utopien sind in gewisser Hinsicht wie Demokratien: Die perfekte Demokratie gibt es nicht. Eine perfekte Demokratie ist eine Diktatur, also eine Scheindemokratie. Eine wirkliche Demokratie zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sie perfekt ist, sondern dass sie unendlich optimierbar ist, also immer weiter verbessert werden kann. Mit den Utopien ist es dasselbe. Eine verwirklichte Utopie ist in Wahrheit eine Scheinutopie. Denn wir Menschen sind alle verschieden. Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche und Ziele. Was für die einen das Paradies ist, kann für die anderen die Hölle sein. Aufgabe einer wahren Utopie ist daher nicht, alle Menschen glücklich zu machen, sondern allen zu ermöglichen, nach ihrer Fasson glücklich zu werden. Kann dies die Zukunft des geeinten Europas sein? Kann Europa das werden, was ihm Politologen und Soziologen aus aller Welt vor wenigen Jahren noch zugetraut haben: eine Führungsmacht des 21. Jahrhunderts, wie Mark Leonard es voraussah, oder das neue gelobte Land der Menschheit, wie Jeremy Rifkin meinte?

© Hugo Amaral/SOPA Images/LightRocket/Getty Images

Ich weiß es nicht. Ich habe noch immer keine Antwort auf diese Frage. Aber ich weiß dafür etwas anderes. Zum Beispiel sind wir seit einiger Zeit Zeugen eines außergewöhnlichen Phänomens. Wie Kenner der internationalen Politik wie Moisés Naím mit Verwunderung feststellen, ist die erste Weltmacht USA gerade dabei, freiwillig und ohne Druck ihrer Rivalen Macht und Einfluss abzugeben. Dieses Phänomen hat sich seit dem Amtsantritt von Donald Trump noch verstärkt – der ehemalige US-Außenminister John Kerry bezeichnete diesen Rückzug als „grotesken Verzicht auf Führungsanspruch“. Andere, wie der norwegische Soziologe Johan Galtung, der den Fall der Sowjetunion vorhersah, sagen sogar mit durchaus stichhaltigen Argumenten den kommenden Verfall der US-Hegemonie voraus. Ob dies so schnell geschehen wird, wie Galtung prognostiziert, weiß ich nicht. Aber es stimmt: Nach fast einem Jahrhundert der globalen Vormachtstellung isolieren sich die Vereinigten Staaten im Eilschritt und kehren ihren Blick nach innen, und zwar in vielen Bereichen. Sie sind aus dem transpazifischen Freihandelsabkommen (TPP) 7 ausgestiegen, sie interessieren sich nicht für das Geschehen in Europa, und sie verlieren tagtäglich an Einfluss in Schlüsselfragen, sei es der Kampf gegen die Erderwärmung, die Verbreitung von Kernwaffen, Entwicklungszusammenarbeit, Kontrolle globaler Pandemien, Regulierung des Internets oder die künftige Kontrolle von Finanzkrisen.

Eintracht, Wohlstand und Demokratie – die Europäische Union hat diese drei Säulen in den letzten 50 Jahren in Europa gefestigt. Sie sollten als Leitgedanken für unsere rationale zukünftige Utopie gelten.

Eine globale Vormachtstellung hat nicht ewig Bestand; wir kennen das von den einstigen Weltreichen. Am Ende wird allerdings hoffentlich nicht China die USA ablösen, wie von vielen prophezeit. Bis dahin ist die Union Europas, so meine Hoffnung, deutlich solider als jetzt. Ein Europa, das zu einem Bundesstaat wird, kann vielleicht nicht die USA ablösen, aber doch zumindest einen gewichtigen Platz in der posthegemonialen Welt einnehmen, die einige vorhersagen. Und wenn wir in dieser neuen Welt ohne klare globale Vorherrschaft nur von zweit- oder nachrangiger Bedeutung sind? Dann, so fürchte ich, setzen wir unsere privilegierte Lebensweise aufs Spiel, die wir seit Jahrzehnten gewohnt sind und die viele leichtfertig für selbstverständlich halten. Leichtfertig deshalb, weil sich diese Lebensweise nicht spontan ergeben hat – ganz im Gegenteil. Sie ist aus dem Schweiß und Blut von Generationen von Europäern entstanden und das direkte Ergebnis eines einmaligen politischen Experiments und eines außergewöhnlichen Mutes, weil man aus den Gräueln im Europa des 20. Jahrhunderts gelernt hat. Sie ist das Ergebnis eines Phänomens, das ich nur mit dem Begriff „Heroismus der Vernunft“ beschreiben kann und auf dessen Grundlage im vergangenen halben Jahrhundert die friedlichste, wohlhabendste und freieste Gesellschaft unserer Geschichte errichtet wurde. Ein Experiment, dem wir Europäer – daran erinnert uns Michel Serres – die längste Phase des Friedens und Wohlstands seit dem Trojanischen Krieg verdanken.8 Dies ist kein Triumphalismus. Es ist lediglich die Anerkennung einer historischen Tatsache. Sie zu ignorieren, wäre ein Fehler, denn wenn wir nicht sehen, was wir bereits erreicht haben, dann können wir kaum erkennen, was wir noch erreichen und was wir korrigieren müssen.

HEROISMUS DER VERNUNFT

Ich habe gerade vom „Heroismus der Vernunft“ gesprochen und sollte klarstellen, dass dieser Begriff nicht von mir stammt, sondern von Edmund Husserl. Der Philosoph gebrauchte ihn 1935 in seinen viel beachteten Vorträgen in Wien und Prag über die Krise der europäischen Menschheit. Europa, so sagte er damals, werde durch das leidenschaftliche Streben nach rationaler Erkenntnis definiert, und jetzt, wo sich der Kontinent gerade von einem unbeschreiblichen Blutvergießen erhole und sich der Beginn eines neuen bereits abzeichne, habe Europa nur zwei Auswege: den „Untergang [...] in der Entfremdung gegen seinen eigenen rationalen Lebenssinn, den Verfall in Geistfeindschaft und Barbarei, oder die Wiedergeburt Europas aus dem Geiste der Philosophie durch einen [...] Heroismus der Vernunft“.9 Ich habe das Gefühl, dass in diesem Heroismus der Vernunft der entscheidende Impuls für die Einigung Europas liegt und der Ursprung der wahren Geschichte Europas, die – wie ich bereits sagte – diese Einigung legitimiert: die Geschichte einiger alter Länder mit eigener Sprache, Kultur, Tradition und Vergangenheit, die nach Jahrhunderten unaufhörlicher, erbitterter Kriege zusammenrücken und ein neues Land aufbauen, das in Eintracht, Wohlstand und Freiheit vereint ist.

Einige werden mich für einen Optimisten halten oder gar für einen Träumer. Andere mögen glauben, dass wir uns seit 1935 noch weiter von dem rationalen Lebenssinn entfernt haben, von dem Husserl sprach – dass wir noch tiefer in Geistfeindschaft und Barbarei verfallen sind. Ich glaube das nicht.

Und ich glaube, auch ein großer italienischer Schriftsteller wie Alberto Savinio würde das nicht glauben. Mit seinen Worten will ich hier schließen. Diese Worte wurden am 27. Dezember 1944 veröffentlicht, kurz vor Kriegsende in Italien und im Rest Europas. In ihnen schwingen die noch frische Erinnerung an das erlebte Grauen und die Euphorie über die Befreiung vom Faschismus nach.

EDMUND HUSSERL (1859–1938), DEUTSCHER PHILOSOPH UND BEGRÜNDER DER SCHULE DER PHÄNOMENOLOGIE ©Getty Images

Europa wird durch das leidenschaftliche Streben nach rationaler Erkenntnis definiert. Ich habe das Gefühl, dass in diesem Heroismus der Vernunft der entscheidende Impuls für die Einigung Europas liegt.

Es sind Worte voll ehrlicher Emotion – einer Emotion, die sich auf ihre Art auch im Ursprung der rationalen Utopie Europa findet und in der für mich der Heroismus der Vernunft von Husserl anklingt.

„Ich komme immer mehr zu der Überzeugung“, schreibt Savinio, „dass sich Europas Völker erst von ihren tiefen Wunden erholen werden, wenn sie alle eine Nation bilden, geeint von einem gemeinsamen Denken, gemeinsamen Interessen, einem gemeinsamen Schicksal (...).

Tief im Inneren, vielleicht ohne es zu wissen, will Europa entstehen, und es wird irgendwann entstehen. Wer weiß? So groß sind der Wahnwitz der Menschen, ihre Torheit – und vor allem ihre Beharrlichkeit, sich nicht dem Schicksal zu ergeben, solange sie nicht gezwungen werden (...), dass vielleicht erst ein dritter Krieg, der noch verheerender endet als die ersten beiden, den Köpfen die Notwendigkeit einer Union begreiflich zu machen vermag. Dann werden sich indes nicht mehr lebende Europäer vereinigen, sondern ihre Schatten, wie Homer die Geister der Verstorbenen nennt. Aber vielleicht auch nicht (...).

Kein Mensch, keine Macht, keine Kraft kann die Europäer vereinen und Europa erschaffen. Nur eine Idee kann sie vereinen. Nur eine Idee kann Europa hervorbringen. Idee: etwas Menschliches par excellence.

Und diese Idee ist die Idee der sozialen Gemeinschaft (...).

Und diese „natürliche“ Union Europas wird Realität werden. Über kurz oder lang. Früher oder später. Bei alledem. Trotz alledem.“10

ALBERTO SAVINIO (1891–1952), EIGENTLICH ANDREA DE CHIRICO. ITALIENISCHER SCHRIFTSTELLER UND MALER, BRUDER DES MALERS GIORGIO DE CHIRICO ©Getty Images

Der nachfolgende Text gibt die Ansicht der Autoren wieder, die nicht unbedingt der Sichtweise der Europäischen Investitionsbank entspricht. 

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Fußnoten 

[1] Mark Leonard, Warum Europa die Zukunft gehört (Why Europe Will Run the 21st Century), Fourth Estate, 2005.

[2] Jeremy Rifkin, Der Europäische Traum: Die Vision einer leisen Supermacht (The European Dream: How Europe‘s Vision of the Future is Quietly Eclipsing the American Dream), Polity Press, 2004.

[3] Michel de Montaigne, Essais, 1580.

[4] Marie Jean Antoine Nicolas de Caritat, Marquis de Condorcet (1743-1794) war Mathematiker, Ökonom und Philosoph. Er gehörte den Enzyklopädisten an und nahm aktiv am Geschehen der Französischen Revolution teil. Seine bekanntesten Werke sind Du calcul intégral, Essais d’analyse und Essai sur l’application de l’analyse à la probabilité des décisions rendues à la pluralité des voix.

[5] https://data.worldbank.org/indicator/ny.gdp.mktp.cd

[6] Jürgen Habermas, Peter Bofinger und Julian Nida-Rümelin, „Für einen Kurswechsel in der Europapolitik“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. August 2012; Javier Cercas, „Por un cambio de rumbo en la política europea, El País, 12. August 2012, und Javier Cercas, „Las ideas y la sangre“, El País, 31. Juli 2016.

[7] Jürgen Habermas, ebenda.

[8] Transpazifische Partnerschaft.

[9] Michel Serres, „La humanidad progresa adecuadamente“, El País, 3. Januar 2017.

[10] Edmund Husserl, Vortrag vor dem Wiener Kulturbund am 7. und 10. Mai 1935 mit dem Titel „Die Philosophie in der Krise der europäischen Menschheit“ (Anm. des Hrsg.).

[11] Alberto Savinio, Sorte dell’Europa, Adelphi Edizioni, 1977. Das Schicksal Europas umfasst eine Reihe von Schriften, die Savinio zwischen 1943 und 1944 veröffentlichte. Der hier vorgestellte Auszug macht deutlich, wie dringend eine Einigung Europas ist. Die Übersetzung des hier wiedergegebenen Auszuges