• EIB-Gruppe unterzeichnete 2023 Rekordfinanzierungen von 540 Mio. Euro für Projekte in Estland
  • Schwerpunkte waren der grüne Übergang und Energieinfrastruktur für mehr Energiesicherheit und Dekarbonisierung des Landes
  • Laut EIB-Investitionsumfrage sehen estnische Unternehmen strengere Klimastandards eher als Risiko denn als Chance

Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat 2023 Rekordfinanzierungen von insgesamt 540 Millionen Euro für Projekte in Estland vergeben. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt kommt die EIB-Gruppe damit über die letzten fünf Jahre auf ein Finanzierungsvolumen von knapp zwei Milliarden Euro.

Der Schwerpunkt lag vor allem auf Energieinfrastruktur, um die Energiesicherheit des Landes zu stärken und es auf dem Weg in die Dekarbonisierung und Energieunabhängigkeit voranzubringen. Ein zentrales Projekt im Energiesektor war der Onshore-Windpark Sopi-Tootsi, die bis dato größte Einzelinvestition in Windenergie in Estland. Der Park erhöht die nationale Stromerzeugung aus Wind um rund 80 Prozent und macht das Land weniger abhängig von Schieferöl. 

Über den Energiesektor hinaus unterzeichnete die EIB eine Finanzierung von 300 Millionen Euro für den öffentlichen Sektor. Investitionen in die grüne und digitale Wende sollen Estland auf dem Weg zu einer smarteren, grüneren und stärker vernetzten Wirtschaft voranbringen. Die Finanzierung ist die erste Tranche eines Gesamtpakets von 700 Millionen Euro. Dies unterstreicht die Bereitschaft der EIB, die Entwicklung des Landes langfristig zu unterstützen.

Ende 2023 unterzeichnete die EIB außerdem eine Finanzierung mit der Luminor Bank, um den Kreditzugang kleiner bis mittelgroßer Unternehmen im Baltikum zu erleichtern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung der grünen Wende.

Insgesamt vergab die EIB-Gruppe, einschließlich des Europäischen Investitionsfonds (EIF), im Baltikum 2023 knapp 1,3 Milliarden Euro.

Thomas Östros, EIB-Vizepräsident mit Aufsicht über das Geschäft der Bank in Estland: „Wir sind stolz auf ein Rekordjahr in Estland. Das zeigt, wie entschlossen wir die nachhaltige Entwicklung des Landes fördern. Mit unseren Investitionen in Energieinfrastruktur und die grüne und digitale Wende, die für uns oberste Priorität haben, helfen wir, ein smarteres, grüneres und stärker vernetztes Wachstumsmodell aufzubauen. Die EIB wird auch weiterhin für positive Veränderungen sorgen und zu einer widerstandsfähigen und nachhaltigen Wirtschaft in Estland und der gesamten EU beitragen.“

Die Finanzierungen der EIB-Gruppe in Estland im Jahr 2023 entsprachen 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und mobilisierten Investitionen von fast 1,4 Milliarden Euro. Diese Investitionen kamen mehr als 500 kleinen bis mittelgroßen Unternehmen zugute und sicherten über 2 500 Arbeitsplätze. Daran zeigt sich, wie wichtig die EIB für Wirtschaftswachstum und Entwicklung in Estland ist.

Investitionsumfrage der EIB für Estland

Die EIB hat heute auch ihre jährliche Investitionsumfrage (EIBIS) veröffentlicht. Laut der Umfrage bewerten die estnischen Unternehmen ihre Investitionsabsichten für 2023 relativ positiv, wenngleich kurzfristige Faktoren und Investitionshindernisse für einige Bedenken sorgen. Der Anteil der Firmen, die ihre Investitionen ausbauen wollen, ist zwar höher als der, die mit einem Rückgang rechnen, insgesamt herrscht jedoch eine leicht pessimistische Stimmung vor.

Die Klimawende beurteilen die Unternehmen des Landes eher pessimistisch und uneinheitlich. Sie sehen den Übergang zu strengeren Klimastandards mehr als Risiko denn als Chance. Der Prozentsatz liegt hier über dem EU-Durchschnitt. Dennoch ergreifen zahlreiche Unternehmen Maßnahmen, um ihre Treibhausgasemissionen zu senken. Nur eine Minderheit setzt sich allerdings entsprechende Ziele und überwacht sie auch; ein kleinerer Teil wappnet sich gegen Klimarisiken.

Hinzu kommen erhebliche langfristige Investitionshindernisse für estnische Firmen. Der Fachkräftemangel, die Unsicherheit über die Zukunft und die Energiekosten werden dabei am häufigsten genannt. Hier gelangen Sie zur vollständigen Umfrage.

Hintergrundinformationen

EIB

Die Europäische Investitionsbank (EIB) ist die Einrichtung der Europäischen Union für langfristige Finanzierungen. Ihre Anteilseigner sind die Mitgliedstaaten. Sie vergibt Mittel für solide Investitionen, die zu den Zielen der EU beitragen. EIB-Projekte bringen Wettbewerbsfähigkeit, Innovationen, eine nachhaltige Entwicklung, den sozialen und territorialen Zusammenhalt und einen gerechten und schnellen Übergang zur Klimaneutralität voran.

Die EIB-Gruppe, zu der auch der Europäische Investitionsfonds (EIF) gehört, unterzeichnete 2023 neue Finanzierungen von insgesamt 88 Milliarden Euro für über 900 Projekte. Diese Mittel werden voraussichtlich Investitionen von rund 320 Milliarden Euro anschieben, 400 000 Unternehmen erreichen und 5,4 Millionen Arbeitsplätze schaffen oder sichern.

Alle Projekte, die die EIB-Gruppe finanziert, entsprechen dem Pariser Klimaabkommen. Die EIB-Gruppe fördert keine Investitionen in fossile Brennstoffe. In unserem Klimabank-Fahrplan haben wir zugesagt, in den zehn Jahren bis 2030 ca. 1 Billion Euro für das Klima und ökologische Nachhaltigkeit zu mobilisieren, und wir sind auf gutem Weg dorthin. Über die Hälfte unserer jährlichen Finanzierungen ist für Projekte bestimmt, die direkt zur Eindämmung des Klimawandels, zur Anpassung an seine Folgen und zu einer gesünderen Umwelt beitragen.

In der EU fließt etwa die Hälfte der EIB-Mittel in Kohäsionsregionen, wo das Pro-Kopf-Einkommen niedriger ist. Dies unterstreicht den Willen der Bank, ein gerechtes Wachstum zu fördern und die Lebensstandards anzugleichen.