Wir stellen sechs arabische Unternehmerinnen vor, die mit Beratung und Kapital beruflich durchstarten. Davon profitiert die gesamte Wirtschaft.

Im Zain Innovation Campus in der Innenstadt von Amman kommen sie zusammen: junge Jordanierinnen, die ihre Geschäftsideen vorstellen und sich mit anderen Unternehmerinnen, Studierenden und Profis austauschen. „In vielerlei Hinsicht ist es eine goldene Zeit für Neugründungen, auch wenn die Umstände schwierig sind”, sagt Emile Cubeisy, Manager des Badia Impact Fund, der jungen Menschen und Frauen als Mentor und Kapitalgeber zur Seite steht. „Wenn wir diese Chance gemeinsam nutzen, können wir etwas ganz Besonderes schaffen.“ 

Amina, Hayat, Adla, Shua’a, Amani und Chirine wagen sich als Unternehmerinnen und im Job in der südlichen Nachbarschaft der EU auf Neuland vor. Die Europäische Investitionsbank unterstützt die Frauen in Nordafrika und im Nahen Osten auf diesem Weg. Sie beteiligt sich an Fonds wie dem Badia Impact und an Projekten, die Frauen und Mädchen zugutekommen und die Chancengleichheit fördern.

Wie ein mündiger Mensch

Sie haben mich wie einen Menschen behandelt – nicht wie eine unmündige Person, die erst um Erlaubnis fragen muss, bevor sie ein Geschäft aufmacht.

  • Amina

 

Die Online-Plattform Liwwa ist eines von elf Hightech-Unternehmen in der Frühphase, die zum Portfolio des Badia Impact Fund gehören. Über die Plattform können Gewerbetreibende kurzfristig und zu vernünftigen Konditionen Kleinkredite beantragen.

Amina al-Ramadna konnte mit einem Kredit von Liwwa ihr Unternehmen ausbauen und so die steigende Nachfrage decken. Die Green Fields Oil Factory in Amman ist auf Produkte auf Naturöl- und Pflanzenbasis spezialisiert und zählt mittlerweile zu den führenden Herstellern, Zulieferern, Exporteuren und Importeuren. Die Herstellung beginnt mit dem sorgfältigen Kaltpressen frischer Saaten und endet mit dem Abfüllen von Haar-, Haut- und anderen Pflegeprodukten sowie Nahrungsmitteln. 

Als Amina einen Kredit beantragte, nahm Liwwa das gesamte Unternehmen unter die Lupe. Die in der Region übliche Erlaubnis ihres Ehemanns musste sie aber nicht vorlegen. „Sie haben mich wie einen Menschen behandelt – nicht wie eine unmündige Person, die erst um Erlaubnis fragen muss, bevor sie ein Geschäft aufmacht“, erzählt Amina.

Das Büro der EIB in der jordanischen Hauptstadt arbeitet eng mit Partnern vor Ort und den jordanischen Behörden zusammen.

Der Badia Impact Fund ist einer der aktivsten Risikokapitalfonds, an dem sich die Bank der EU in Jordanien beteiligt hat. Acht Millionen US-Dollar (6,7 Millionen Jordanische Dinar) hat die EIB für den Fonds bereitgestellt, der vor allem von Frauen geführte Jungunternehmen in Jordanien unterstützt.

Mehr als ein Darlehen

Rund 8 000 weitere jordanische Frauen haben es mithilfe des Microfund for Women und der finanziellen Unterstützung der EIB zu geschäftlichem Erfolg gebracht. Die enge Partnerschaft mit der Europäischen Kommission macht solche Projekte möglich.

Was der Mikrofonds bewirkt, reicht weit über das Finanzielle hinaus. Er setzt auch einen Kulturwandel in Gang, weil die erfolgreichen Frauen ihre Töchter und andere Frauen inspirieren.

Ich habe bei null angefangen und es geschafft. Ich bin jetzt das Familienoberhaupt.

  • Hayat

In den Hügeln von Ain El Basha, 20 Kilometer nördlich von Amman, betreibt Hayat erfolgreich eine Farm mit 200 Schafen, die Milch und Käse liefern. Sie ist die Haupternährerin der Familie – eine Ausnahme in der Gegend.  Mit zehn Schafen fing sie an und kaufte dann mit Geld vom Microfund for Women weitere hinzu. Der Fonds half ihr auch, die Kosten unter Kontrolle zu halten, und beriet sie bei der Verpackung und Vermarktung ihrer Produkte.

„Ich habe bei null angefangen und es geschafft“, sagt Hayat. „Ich bin jetzt das Familienoberhaupt.“

Ich bin ein Vorbild für andere Frauen geworden. Ich habe mir das aus dem Nichts aufgebaut und bin heute richtig erfolgreich.

  • Adla

Vor 20 Jahren pflückte Adla wilden Thymian für Gerichte, wie sie für die Gegend um die einstige antike Handelsstadt Gerasa typisch sind. Heute führt sie ein gut gehendes Lebensmittelgeschäft, das sie mit einem Kredit des Microfund for Women eröffnen konnte.

„Ich bin ein Vorbild für andere Frauen geworden. Ich habe mir das aus dem Nichts aufgebaut und bin heute richtig erfolgreich“, erzählt Adla zufrieden.

In ihrem Geschäft sind sechs Arbeitsplätze entstanden. Und in der Erntezeit beschäftigt sie noch sechs weitere Frauen, die Kräuter einlegen und Konfitüren herstellen.

Kleider und Süßigkeiten mit syrischem Einschlag

860 Millionen Euro an Darlehen und Zuschüssen stellt die Bank der EU 2019–2020 in Jordanien bereit. Damit werden Projekte in verschiedenen Sektoren finanziert, auch kleine Unternehmen und Start-ups.

In Jordanien leben fast 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge. Ein Gewerbe zu gründen, stellt sie dort vor eine Mammutaufgabe. Der Microfund for Women hilft mit Krediten, die ersten Hürden zu meistern.

Ich hatte eine Nähmaschine, wandte mich an den Microfund for Women und erzählte ihnen von meinen Plänen, mich zu vergrößern.

  • Shua’a

„Ich hatte eine Nähmaschine, wandte mich an den Microfund for Women und erzählte ihnen von meinen Plänen, mich zu vergrößern“, berichtet Shua‘a.

Seit über 20 Jahren ist die talentierte syrische Schneiderin in Jordanien zuhause. Mithilfe des Microfund for Women konnte sie expandieren und aus den Einnahmen weitere Stoffe für noch mehr Kleider kaufen.

Wir machen das alles für unsere Kinder.

  • Amani

Amani floh mit ihrer Familie nach Jordanien, als in Syrien der Bürgerkrieg ausbrach. Gemeinsam mit ihrem Mann verkaufte sie dort zunächst Süßigkeiten, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Als der Verkauf immer besser lief, wollten die beiden ein eigenes Geschäft eröffnen. 

Aber die bürokratischen Hürden hatten es in sich. Der Microfund for Women half dem jungen Paar und klärte die beiden über die Abläufe, lokalen Marktregeln und Vorschriften auf. Mit dem Geschäft wollen Amani und ihr Mann den vier Kindern einen besseren Start ins Leben ermöglichen:

„Wir machen das alles für unsere Kinder.“ 

Arabische Unternehmerinnen haben Appetit auf mehr

Unser Weg führt uns weiter nach Libanon in die Stadt Zahle im Herzen der Bekaa-Ebene – zur Lebanese Company for Modern Food Industry. Das Unternehmen ist einer der größten und bekanntesten Hersteller und Lieferanten frischer Nahrungsmittel aus dem Nahen Osten. Die Produkte werden unter dem Namen Gardenia Grain D'Or vermarktet, an rund 3 000 Verkaufspunkten in Libanon und in 42 Städten weltweit.

Die in Libanon ansässige Byblos Bank finanziert kleine und mittlere Unternehmen wie Gardenia Grain D‘Or und hat dafür 200 Millionen Euro von der EIB erhalten.  Das Darlehen fällt unter die Resilienzinitiative, mit der die Bank der EU die südlichen Partnerländer stärken und krisenfester machen will.

Im diesem Video stellen wir Chirine Harb vor, die bei Gardenia Grain D‘Or die Qualitätskontrolle leitet. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie Investitionen vor Ort Chancen schaffen und die Abwanderung talentierter junger Menschen in die Städte bremsen können.