Die EIB führt neue Darlehen für KMU ein
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- Datum: 03 Oktober 2008
Die EIB widmet KMU in Europa 30 Mrd EUR in Form von neuen Darlehen unter Zwischenschaltung von Geschäftsbanken
Auf Aufforderung des ECOFIN-Rates anlässlich seines informellen Treffens am 12./13. September 2008 in Nizza verstärkt und modernisiert die Europäische Investitionsbank-Gruppe ihr Produktangebot für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Europa, um sie in einer durch Finanzkrisen gekennzeichneten Zeit wirksam zu unterstützen.
Am 23. September hat der Verwaltungsrat der EIB ein erstes Maßnahmenpaket genehmigt :
- Die EIB wird im Zeitraum 2008-2009 15 Mrd EUR für Darlehen bereitstellen, die kleinen und mittleren Unternehmen in Europa über Geschäftsbanken zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt hat sie zu diesem Zweck bis 2011 30 Mrd EUR vorgesehen. Dieser Betrag übersteigt deutlich ihr gewöhnliches Finanzierungsvolumen in diesem Sektor. Dabei strebt die EIB nicht nur eine Erhöhung des Volumens sondern auch Verbesserungen an: Sie hat ein neues Darlehensprodukt mit der Bezeichnung EIB-Darlehen für KMU entwickelt. Dieses Produkt wird nach wie vor über zwischengeschaltete Geschäftsbanken geleitet, ist jedoch einfacher, flexibler und transparenter und erreicht damit konkret eine größere Anzahl von KMU. Dieses neue Produkt ist das Ergebnis einer umfassenden Konsultation von Akteuren auf dem KMU-Markt, die die EIB im Zeitraum 2007-2008 durchgeführt hat.
- Als nächsten Schritt wird die EIB den zwischengeschalteten Banken bis Ende des Jahres noch besser ausgereifte Produkte anbieten, bei denen sie einen Teil des Risikos übernimmt, um die Marktsegmente stärker zu stimulieren, in denen sich die Geschäftsbanken nur ungern engagieren (KMU, deren Risikoprofil als zu hoch eingestuft oder deren Garantien als unzureichend erachtet werden).
Das EIB-Darlehen für KMU:
Wer kann konkret ein EIB-Darlehen für KMU beantragen, welche Investitionsvorhaben können finanziert werden, wie stellt man einen Darlehensantrag und wie ist der weitere Ablauf? Leitfaden für die Anwendung der neuen vom Verwaltungsrat der EIB am 23. September genehmigten Maßnahmen.
- Wer kann ein EIB-Darlehen für KMU in Anspruch nehmen ?
- Welche Art von Vorhaben können finanziert werden?
Mit den EIB-Darlehen können Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte sowie Betriebskapital finanziert werden. Für eine Finanzierung aus einem EIB-Darlehen für KMU kommen alle Arten von Investitionen oder Ausgaben in Betracht, die im weiten Sinne der Entwicklung eines kleinen Unternehmens dienen. Finanziert werden können demnach
- Sachanlagen, d.h. die Anschaffung von Immobilien oder Anlagen. Der Grundstückserwerb ist im Prinzip ausgeschlossen, sofern er für die Investition nicht von wesentlicher Bedeutung ist. Der Erwerb von Agrarland ist vollständig ausgeschlossen.
- Immaterielle Vermögenswerte, d.h. Ausgaben in direktem Zusammenhang mit FuE-Aktivitäten, dem Aufbau oder der Übernahme von Vertriebsnetzen auch in anderen Mitgliedstaaten der EU, der Anmeldung oder dem Erwerb von Patenten oder mit der Übertragung eines Unternehmens zur Gewährleistung der Kontinuität der Wirtschaftsleistung des betreffenden Unternehmens (wobei es sich sowohl bei dem Käufer als auch bei dem zu übertragenden Unternehmen um ein KMU handeln muss und der Finanzierungsbetrag für die Übertragung 1 Mio EUR nicht übersteigen darf).
- Die für die Expansion der Wirtschaftstätigkeit eines KMU erforderliche permanente Erhöhung des Betriebskapitalbedarfs.
In praktisch allen Wirtschaftsbereichen :
Für eine Finanzierung im Rahmen eines EIB-Darlehens für KMU kommen Vorhaben in allen Wirtschaftszweigen mit Ausnahme folgender Tätigkeiten in Betracht: Produktion und Vermarktung von Waffen, Glücksspiele, Produktion und Vermarktung von Tabakwaren, Tätigkeiten, bei denen Tiere für Versuche und wissenschaftliche Zwecke genutzt werden, mit negativen Umweltauswirkungen verbundene Tätigkeiten, die nicht weitgehend gemindert und/oder ausgeglichen werden können, ethisch oder moralisch umstrittene Tätigkeiten (wie z.B. das Klonen von menschlichem Leben) sowie reine Bauträgertätigkeiten.
Reine Finanztransaktionen (z.B. der Kauf von Unternehmen) sind ebenfalls ausgeschlossen. Eine Ausnahme bildet die oben beschriebene Übertragung von Unternehmen in bestimmten Fällen.
- In welchem Umfang und zu welchen Konditionen können Vorhaben finanziert werden?
EIB-Darlehen für KMU können zur Finanzierung von Investitionen verwendet werden, deren Geamtkosten 25 Mio EUR nicht überschreiten. Mit den EIB-Mitteln können Darlehen mit Laufzeiten zwischen 2 und 12 Jahren refinanziert werden. Die tatsächliche Laufzeit eines Darlehens hängt von der wirtschaftlichen Nutzungsdauer des finanzierten Projekts ab. Der Finanzierungsbeitrag der EIB ist auf höchstens 12,5 Mio EUR pro Darlehen begrenzt.
EIB-Darlehen für KMU werden über zwischengeschaltete Geschäftsbanken in der gesamten Europäischen Union vergeben, die ihrerseits für die Prüfung der von kleinen oder mittleren Unternehmen eingereichten Darlehensanträge zuständig sind. In den meisten Fällen trifft ausschließlich die zwischengeschaltete Bank die Entscheidung, ob einem KMU ein Darlehen gewährt wird oder nicht. Durch die Einschaltung der EIB verbessern sich die Finanzierungskonditionen eines solchen Darlehens. Die EIB wird darauf achten, dass die betreffenden KMU über diese günstigen Bedingungen und deren Ursprung informiert werden.
Bei bestimmten Operationen kann die EIB auch das Risiko mit der Partnerbank teilen oder sich an einer Mezzanine-Finanzierung beteiligen. Die Anwendungsmodalitäten für diese beiden Optionen werden zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt werden.
- An welche Kontaktpersonen können sich Interessenten wenden?
In den 27 Mitgliedstaaten der EU arbeiten bereits mehr als 100 Banken regelmäßig mit der EIB zusammen. Detaillierte Angaben zu diesen Instituten sind nach Ländern geordnet auf der Website der Bank abrufbar. Sie werden regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht.
- Ab wann stehen die neuen EIB-Darlehen für KMU zur Verfügung?
In einigen Ländern stehen die ersten EIB-Darlehen für KMU ab Anfang Oktober zur Verfügung. Entsprechende Hinweise werden auf der Website veröffentlicht werden.
- Welche Vorteile sind mit den neuen EIB-Darlehen für KMU verbunden?
Die EIB ist die Bank der Europäischen Union. Dank ihrer Satzung und Anteilseigner – die 27 EU-Mitgliedstaaten – verfügt sie über das bestmögliche Rating auf den Kapitalmärkten (AAA). Sie kann daher auf den Kapitalmärkten Mittel zu günstigen Bedingungen aufnehmen, die sie im Rahmen ihrer Darlehen über die Geschäftsbanken vor allem an KMU weitergibt. Die zwischengeschalteten Banken sind verpflichtet, die KMU konkret und individuell – z.B. in einem entsprechenden Schreiben - über die Beteiligung der EIB und deren Auswirkung auf die Konditionen des erhaltenen Darlehens zu informieren.
- Werden die neuen EIB-Darlehen für KMU in allen EU-Ländern zur Verfügung stehen?
Ja, EIB-Darlehen für KMU können zur Finanzierung von Investitionsvorhaben in allen 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union verwendet werden.
- Woher stammen die 30 Mrd EUR, die die EIB KMU zur Verfügung stellen wird?
Die EIB ist eine öffentliche Bank, die sich an politischen Vorgaben orientiert. Sie belastet weder den EU-Haushalt noch die Steuerzahler in den einzelnen Mitgliedstaaten. Sie beschafft sich eigenständig ihre Mittel auf den Kapitalmärkten (über 50 Mrd EUR im Jahr 2007). Somit kann sie auf globaler Ebene umfangreiche Finanzmittel zur Unterstützung der Union mobilisieren, die der Entwicklung der europäischen Wirtschaft zugute kommen.
Weitere neue Produkte in Vorbereitung
Als nächsten Schritt wird die EIB den zwischengeschalteten Banken bis Ende des Jahres noch besser ausgereifte Produkte anbieten, bei denen sie einen Teil des Risikos übernimmt, um die Marktsegmente stärker zu stimulieren, in denen sich die Geschäftsbanken nur ungern engagieren (KMU, deren Risikoprofil als zu hoch eingestuft oder deren Garantien als unzureichend erachtet werden). Vorgesehen sind drei verschiedene Formen des Engagements:
- Darlehen auf Risikoteilungsbasis mit den Banken, wobei die EIB eine Garantie für einen Teil des von der zwischengeschalteten Bank eingegangenen Gesamtrisikos stellt;
- Darlehen, bei denen die EIB parallel zur zwischengeschalteten Bank direkt ein Risiko im Zusammenhang mit den begünstigten KMU übernimmt;
- „Mezzanine“-Produkte für besonders wachstumsstarke KMU oder „Gazellen“. Durch die Einschaltung des zur EIB-Gruppe gehörenden Europäischen Investitionsfonds (EIF) bietet die EIB-Gruppe Beteiligungsdarlehen an, so genannte „Equity-Finanzierungen“, die mit Quasi-Eigenkapital vergleichbar sind und den „Gazellen“ die Möglichkeit bieten, höhere Bankkredite aufzunehmen, ohne dafür eigenes Kapital einsetzen oder hohe Garantien beibringen zu müssen (das Beteiligungsdarlehen wird nur dann in Aktien umgewandelt, wenn das Unternehmen nicht zur Rückzahlung in der Lage ist).
Schließlich werden die EIB und die Europäische Kommission gemeinsame Anstrengungen zur Errichtung des gesamteuropäischen Mikrokreditfonds für Kleinstunternehmen unternehmen. Dieser Fonds wird die Möglichkeit bieten, insbesondere den in sensiblen Gebieten angesiedelten Kleinstunternehmen Gründungs- oder Entwicklungsdarlehen sowie technische Hilfe zu gewähren, die über rund 30 Mikrofinanzinstitute in ganz Europa geleitet werden.
Hintergrundinformationen:
Die EIB - Finanzierungspartner von KMU seit über 40 Jahren
Die EIB-Gruppe finanziert KMU bereits seit 1968. Im Jahr 2005 haben ihre Gouverneure – die 27 Wirtschafts- und Finanzminister der Europäischen Union – diesen Bereich zu einer der fünf „operativen Prioritäten“ der Bank erklärt.
Bis 2007 war die KMU-Tätigkeit der EIB-Gruppe auf drei Produktkategorien beschränkt, die über mehr als 200 Geschäftsbanken und fast 300 Kapitalbeteiligungsfonds in den 27 Ländern der Union bereitgestellt wurden:
- Globaldarlehen der EIB an Geschäftsbanken zur mittel- bis langfristigen Finanzierung materieller Investitionen von KMU; auf diese Darlehenstätigkeit entfiel ein Volumen von etwa 5 Mrd EUR pro Jahr, die jährlich rund 50 000 KMU zur Verfügung gestellt wurden.
- Risikokapital: Seit 2000 hat der EIF 4,4 Mrd EUR in 273 Fonds investiert, die Kapitalbeteiligungen an KMU, insbesondere innovativen Unternehmen mit starkem Wachstumspotenzial übernehmen (Lissabon-Strategie). Durch diese Fonds wurden seit 2001 über 800 000 Neugründungen von KMU in der gesamten Europäischen Union ermöglicht.
- Bankgarantien, die ebenfalls vom EIF bereitgestellt werden. 190 Garantieoperationen ermöglichten es, Engagements von Banken gegenüber KMU im Gesamtumfang von 11,6 Mrd EUR teilweise abzusichern. Durch die Teilung des kommerziellen Risikos mit den Banken verlagert der EIF das Risiko, wodurch sich die Eigenkapitalreserven verringern, die die Banken nach Basel II halten müssen. Diese indirekte finanzielle Hebelwirkung wiederum verleiht dem Finanzmarkt für KMU zusätzliche Impulse.
Die EIB - eine Patentlösung?
Nein, die EIB vollbringt keine Wunder. Allerdings kann die EIB in einer Zeit, in der die meisten Mitgliedstaaten über geringe budgetäre Spielräume verfügen und die Banken mit einer Finanzkrise von erheblichem Ausmaß konfrontiert sind, eine flexible und effiziente zusätzliche Unterstützung anbieten. Als Bank mit einem politischen Auftrag, die weder den Haushalt der Europäischen Union noch die Steuerzahler belastet, kann sich die EIB eigenständig und ohne Garantie der Mitgliedstaaten auf den Kapitalmärkten refinanzieren (über 50 Mrd EUR im Jahr 2007). Somit kann sie auf globaler Ebene umfangreiche Finanzmittel zur Unterstützung der Union mobilisieren, die der Entwicklung der europäischen Wirtschaft zugute kommen.










